Ausstellung
Günter Grass über seine Zeit bei der Waffen-SS: «Habe nur durch Zufall überlebt»

Das Lübecker Günter-Grass-Haus beleuchtet die Zeit des späteren Literaturnobelpreisträgers als Soldat. Ausgehend vom Buch «Beim Häuten der Zwiebel» verdeutlichen Reden und Manuskripte seine Jahre als Luftwaffenhelfer, Rekrut und in der Waffen-SS.

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Günter Grass im Jahr 2013 (Archiv)

Günter Grass im Jahr 2013 (Archiv)

Keystone

Das Lübecker Günter-Grass-Haus beleuchtet die Zeit des späteren Literaturnobelpreisträgers als Soldat. Ausgehend vom Buch "Beim Häuten der Zwiebel" verdeutlichen Reden, Briefe und Manuskripte seine Jahre als Luftwaffenhelfer, Rekrut und Mitglied der Waffen-SS.

Das Ausstellungskapitel "Grass als Soldat - Habe nur durch Zufall überlebt" verdeutliche, wie stark die Erlebnisse in der NS-Zeit und im Zweiten Weltkrieg Leben und Werk des Schriftstellers geprägt hätten, sagte der Leiter des Hauses, Jörg-Philipp Thomsa, am Freitag.

An einem Multimediatisch kann sich der Besucher durch eine Vielzahl von Dokumenten klicken. Das reicht von einem Foto des 16-jährigen Grass in der Uniform des Reichsarbeitsdienstes - dem einzigen, das es von Grass in Uniform gibt - über Gedichte zum Thema Krieg bis zu einem Gespräch mit dem Verleger Klaus Wagenbach aus dem Jahr 1963.

Darin spricht der Schriftsteller offen über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS. Auch seine Akte aus dem US-Kriegsgefangenenlager Bad Aibling ist in der Ausstellung zu sehen. Darin hatte der damals 18-Jährige als Beruf "Schüler" und als Einheit "SS-Panzerdivision Frundsberg" angegeben.

"Grass hat seine Zugehörigkeit zur SS keineswegs bis 2006 verschwiegen, wie oft behauptet wurde. Wie die Ausstellung zeigt, ist er bis Anfang der 1960er Jahre offen damit umgegangen. Dann hat er nach eigenen Worten aus Scham darüber geschwiegen und sich diese Belastung erst in seinem 2006 erschienenen Buch "Vom Häuten der Zwiebel" von der Seele geschrieben", sagte Thomsa.

Auf Wunsch der BesucherIn dem Buch beschreibt der Literaturnobelpreisträger, dass er sich mit 17 freiwillig zur U-Boot-Truppe gemeldet habe, dann aber zur SS eingezogen worden sei. Zuvor hatte es in offiziellen Biografien stets geheissen, Grass sei 1944 als Flakhelfer eingezogen worden. Sein spätes Geständnis hatte bei vielen Menschen für Empörung gesorgt, da Grass jahrzehntelang den Eliten des Landes immer wieder eine unzureichende Aufarbeitung der NS-Vergangenheit vorgeworfen hatte.

Das Thema "Grass als Soldat" ist auf Wunsch der Ausstellungsbesucher ausgewählt worden. Seit der Neugestaltung des Günter-Grass-Hauses 2012 können Besucher darüber abstimmen, welches Thema als nächstes wissenschaftlich aufgearbeitet werden und dann ein Jahr lang in der Ausstellung zu sehen sein soll. Zur offiziellen Eröffnung am Sonntag wird der 1930 geborene Schauspieler Mario Adorf ein Kapitel aus "Beim Häuten der Zwiebel" lesen. (sda)

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