Majors

Grosse Musiklabel rupfen kleine Lokalradios

Lady Gaga Pokerface

Kein Kommerz mehr auf Kanal K.

Die grossen Plattenfirmen EMI, Universal, Sony Music und Warner haben die Zusammenarbeit mit nicht-kommerziellen Radiostationen wie dem Aargauer Kanal K «faktisch» beendet. Dies teilten gestern über ein Dutzend Lokalradios in einem Communiqué mit.

Sven Zaugg

Die Vorwürfe von über einem Dutzend Lokalradios an die Adresse der Major-Labels EMI, Universal, Sony Music und Warner sind happig: In einem gestern veröffentlichten Communiqué, unter anderem verfasst von Radio- und Printjournalist Leo Niessner, teilen die nicht-kommerziellen Sender mit, dass die Plattenfirmen die Zusammenarbeiten mit den Radiostationen per Ende März «faktisch eingestellt» haben.

Auslöser des Streits ist die digitale Bemusterung von Tonträgern. Statt den Radiosendern diese weiterhin physische zukommen zu lassen, würden «die finanziell schwachen Medien» auf die Plattform Music Promotion Network (MPN) verwiesen. Künftig sollten die Stationen über MPN neue Alben in Form von digitalen Downloads beziehen.

Mehrkosten sprengen Radiobudgets

Gegen die digitale Bemusterung habe man grundsätzlich nichts einzuwenden, sagt Niessner, «der Haken ist jedoch, dass Medienschaffende für den Zugang bezahlen und eine fixe IP-Adresse einrichten müssen.» Damit verbunden seien Mehrkosten, die das Budget alternativer Radiostationen sprengen oder massiv belasten würden. Niessner beziffert diesen Mehraufwand auf über 1000 Franken jährlich plus 100 Franken monatlich für die fixe IP-Adresse.

Aus diesen Gründen und weil das System MPN auf kommerzielle Radiostationen ausgerichtet sei, haben sich unter anderem das Luzerner Radio 3fach, die Aarauer Radiostation Kanal K, der Zürcher Sender Lora und toxic.fm entschieden, nicht mit dem umstrittenen MPN-System zu arbeiten. Sie alle treten geschlossen in einem Verband von fünfzehn nicht-kommerziellen Schweizer Lokalradios unter dem Namen Unikom auf.

«Eine komplexe Materie»

Auf eine entsprechende Erklärung der Radio-Redaktionen stellten die Major-Labels die Zusammenarbeit ein. Laut Niessner hätten sie sogar gedroht, Interviews mit Künstlern vorzuenthalten, falls die Radiostationen der Forderung, das MPN-System zu verwenden, nicht nachkämen. Als Konsequenz werden die Lokalradios Bands spielen, die nicht bei einem der Labels unter Vertrag sind. Niessner fügt lakonisch an: "Es muss den Majors jedenfalls sehr schlecht gehen, wenn sie auf das Geld der Unikom-Radios angewiesen sind.»

Die Majors halten sich derweil bedeckt. Es handle sich um eine sehr komplexe Materie, sagt Marcus Van Lier, Marketing Director von Warner. Universal Music lässt lediglich verlauten, dass die MPN eine Industrielösung sei, die man sehr unterstütze.

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