Gölä
Gölä: «Jede gute Rockmusik kommt aus der Provinz»

Sie gehören zu den Rockgrössen im Schweizer Musikbusiness. Ein Gipfelgespräch auf dem Niesen mit Gölä und Polo Hofer vor dem gemeinsamen Auftritt in Thun.

Reinhold Hönle
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Gipfelstürmer unter sich: Gölä und Polo Hofer auf dem Niesen.

Gipfelstürmer unter sich: Gölä und Polo Hofer auf dem Niesen.

Christian Lanz

Sie sind vor allem als HitparadenGipfelstürmer bekannt. Wie oft trifft man Sie, Gölä und Polo Hofer auf Berggipfeln an?

Polo Hofer: Nicht sehr oft. Mein Motto ist: Der See von oben, die Berge von unten, die Kirche von aussen und die Beiz von innen!

Gölä: Früher öfters, als wir noch keine kleinen Kinder hatten. Seit der Kleinste auf der Welt ist, nie mehr, weil es nicht sehr praktisch ist, die Kinder mitzuschleppen.

Was bedeuten Ihnen die Berge?

Gölä: Was mir gefällt, ist weniger, irgendwo hinaufzulaufen, als in den Bergen zu leben. Das ist «schön wi ne Moore». In Bergkantonen sind sich die Leute bewusst, dass sie ein urchiges Völkchen sind, das eigene Gesetze hat, welche die Flachländer unten im Tal nicht mehr kennen.

Wie kommt es zu Ihrem gemeinsamen Konzert in der Arena Thun?

Gölä: Keinen blassen Schimmer! Es war nicht unsere Idee. Sie haben die Arena gebaut, in der man Fussball spielen und Konzerte veranstalten will, und fanden, wir wären für die Einweihung dieses Stadions am Tor zum Oberland passend.

Hofer: Neben Hanery Amman, Philipp Fankhauser und uns gäbe es noch ein paar Oberländer mehr. Aber die einen sind schwanger und andere haben sonst keine Zeit. Dann testen wir eben seine Konzerttauglichkeit ...

Gibt oder gab es zwischen dem Mundartrock-Pionier und seinem erfolgreichsten Schüler auch eine Art Derby-Rivalität?

Hofer: Nein, wir schätzen und respektieren uns nicht nur gegenseitig, sondern ziehen den Hut auch vor Philipp Fankhauser, dem besten Bluesmusiker Europas, mit dem wir am 3. September die Bühne teilen werden.

Haben Sie es immer so locker genommen, dass Gölä mehr CDs verkauft als Sie?

Hofer: Nein, zu meiner Schande muss ich gestehen: Als ich noch für das Programm einer Rockbeiz in Bern zuständig war und der junge Gölä fragte, ob er dort auftreten dürfte, antwortete ich: «Was bist denn du für einer? Hast du eine Kassette zum Reinhören?» Er meinte, er müsse erst eine aufnehmen, ob ich sie denn wirklich brauche. Ich bestand darauf und war vier Wochen später bereits «de Löl».

Was hat Polo für Sie bedeutet?

Gölä: Ich bin mit Polo aufgewachsen und war immer ein riesiger Fan. Als ich später mit meinem Vorbild auf der Bühne stehen oder einen Song aufnehmen durfte, hat es mich fast aus den Socken gehauen. Diese Ehre erlebt nicht jeder.

Verstehen Sie sich so gut, weil Sie aus dem gleichen Oberländer Holz geschnitzt sind?

Hofer: Ich sage sowieso, dass jede gute Rockmusik aus der Provinz kommt. Das ist schon seit Elvis so, der auch aus einem Kaff kam. In den Städten gibt es möglicherweise zu viel Ablenkung. In der Provinz ist man ständig am Üben, weil sonst nichts los ist.

Gölä: Da, wo ich aufgewachsen bin, gab es nichts anderes als Bauern und Tankstellen. Man träumte von nichts anderem, als von dort wegzugehen.

Hofer: Der berühmte Eskapismus, den man dem Berner Rock nachsagt. Das Abhauen ist tatsächlich ein ständiges Thema. Später ist es dann das Heimweh nach den Bergen!

Weshalb liegen Ihnen Ihre englischen Songs mehr am Herzen?

Gölä: Meine ersten Idole kamen aus Amerika. Da man Englisch zu meiner Zeit nur in der Sekundarschule gelernt hat, aus der ich zweimal und ziemlich schnell rausgeflogen bin, musste ich mir die Grundkenntnisse aus der «Bravo» holen. Wenn ich Lieder über Dinge, die mich aufgeregt haben, schreiben wollte, reichte der Wortschatz nicht. Bis ich mit 16 nach England ging und die Sprache gelernt habe, textete ich mehr auf Mundart. Als ich meine Lieblingssongs von Lynyrd Skynyrd bis Elvis Presley danach endlich verstand, war es umgekehrt.

Aber ein Star wurden Sie mit Mundart-Liedern ...

Gölä: Ich hatte Glück und Pech zugleich. Eigentlich wollte ich mit Englisch gross werden, doch dann wurde ich mit meinen Lumpenliedchen berühmt. Trotzdem bin ich dankbar, dass überhaupt etwas von dem, was ich mache, wahrgenommen wird. Mit 42 dürfte der Zug fürs Englische langsam abgefahren sein.

Hofer: Ich beobachte, wie sich das bei dir entwickelt. Jetzt hast du bei den Bellamy Brothers und dem nächsten Album wieder voll auf Englisch gesetzt und machst nur fürs Konzert am 3. September eine Ausnahme. Auch ich habe übrigens drei Alben auf Englisch aufgenommen – und zwei auf Hochdeutsch. Natürlich alles Flops! Nicht mal Fans kennen die noch.

Gölä: Aber wir machen ja nicht wegen der Kohle Musik, sonst würden wir nur auf Mundart singen.

Hofer: Mundart gibt uns die finanzielle Möglichkeit, in Projekte zu investieren, die man für sich macht. Fürs Herz.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, als Sie gerade Texte von Mundart auf Englisch und umgekehrt übersetzt haben?

Gölä: Ich finde es Granate, was die Bellamy Brothers aus meinen vier Mundart-Liedern gemacht haben – viel besser als Gölä auf Mundart. Wie sie die Songs singen, ist sowieso Hammer!

Hofer: Schön zweistimmig, das macht viel aus.

3. September Gölä 100 % Mundart, Polo Hofer & Hanery Amman, Philipp Fankhauser, Trauffer (Arena Thun, ab 15.30 Uhr). www.ticketcorner.ch

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