Kunst

Geld ist doch Nebensache! Warum die Art Basel nicht nur etwas für Millionäre ist

Auch wer nicht Sammler oder Millionärin ist, kann an der Art Basel und ihrem Rundum genug erleben – und gar etwas kaufen.

Sie haben keine VIP-Einladung bekommen? Ab morgen Donnerstag stehen Ihnen die Art Basel und die Unlimited – seit gestern bereits die anderen Messen – offen: Liste, Volta, Photo, Paper Positions und Design Miami. Kein Grund zu sagen: Da habe ich nichts verloren. Verlieren – ausser einigen Franken für den Eintritt – können Sie nämlich gar nichts.

Millionen

Starten Sie mit der Art Basel selber, der Mutter aller Kunstmessen. Wenn man ein solches Ding schon im Land hat, kann man die Gelegenheit ja packen und für einen Tag hinfahren. 290 Galerien aus 34 Ländern zeigen, was angesagt ist.

Im Erdgeschoss der Halle 2 präsentieren die Grossen ihre Klassiker. Bei der Galerie Haas ist ein Kirchner für 4,5 Millionen Franken zu haben. Landau offeriert Giacometti, Picasso, Magritte in gröberer Auswahl. Die dominierenden In-Galerien: Hauser & Wirth, Gagosian, Zwirner werden von Sammlern fast gestürmt. Hier wird einem klar, was im Kunstmarkt gerade in ist.

Bei Marlborough London aber haut es mich aus den Socken: Beste Gemälde von Paula Rego, meiner englischen Lieblingskünstlerin mit abgründigem Humor, hängen hier. 4,5 Millionen Pfund kostet das Thrillerbild einer gar nicht netten Familie. «Wenn Sie Rego sammeln wollen, steigen Sie mit einem solchen Spitzenwerk ein», rät der Galerist.

Mode

In die Rolle der Sammlerin zu schlüpfen, auszuprobieren, wie es wäre, wenn man tatsächlich so viel Geld ausgeben könnte, ist ganz nett. Ebenso nett ist es, die Menschen an dieser Messe zu beobachten. Das ist wie ein Update in Mode und Lifestyle. Angesagt sind dieses Jahr Plissees. Ob Mann oder Frau, man trägt feine gefältelte Mäntel und Pluderhosen, auch der lange Faltenjupe sowie voluminöse, unifarbige Tulpenkleider sind in. Lassen Sie übrigens Ihre mörderischen Highheels zu Hause. Turnschuhe gehen hier immer.

Moderat

Im oberen Stock der Art Basel wird die Kunst zeitgenössischer, noch etwas knalliger – und eher günstiger. Angeschrieben sind die Preise allerdings nicht. Wie wenn es nicht ums Geld gehen würde. Fragen Sie! Auskunft über Künstlerinen und Künstler, über Preise und weitere verfügbare Werke geben die Galeristinnen und ihre zahlreichen Helfer gerne. Manche zücken noch immer ihre Papierlisten, die meisten das Tablet – oder öffnen Ihnen auch die Tür zum Depot.

An einheimischer Kunst gefragt sind dieses Jahr Fotografien in Keramikrahmen von Shirana Shahbazi (16 000 Franken, bei Kilchmann) und Miriam Cahn (14 000 bei Meyer Riegger, 56 000 bei Stampa). Doch es geht auch günstiger und gut: Gisèle Linder hat feine, klare Graphit-Blätter von Kathrin Kunz hängen. Preis: 2800 Franken. Kunst fürs normale Portemonnaie gibts vor allem auch an den anderen Messen, die sich im Sog der Art Basel etabliert haben.

Museumsreif

Bevor Sie dorthin ausrücken: Gehen Sie in die Umlimited. In der Halle 1 präsentieren Galerien und die Messe gemeinsam 75 Werke im XL-Format, die jeden Messestand sprengen würden. Als Augenfänger funktionieren die goldene Sonne von Ugo Rondinone, ein Paravent von Pae White und bunte Sofas von Franz West. Auch Hirn und Bauch aktivieren Alicia Framis mit ihren Begrapsch-sicheren Airbag-Kleidern, Andrea Bowers mit gesammelten #MeToo-Fällen, Jannis Kounellis unheimliche Metallkörper in Militärbetten und Monica Bonvicinis bedrohlich tanzender Besen. Bei so viel kritischer wie gelungener Auseinandersetzung mit aktuellen Themen fragt man sich allerdings: Wie kommen ein Künstler (Sislej Xhafa) und die Messe auf die Idee, einen armen Eierverkäufer aus Havanna einzufliegen und ihn als exotisches Objekt den Reichen der Welt vorzuführen?

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