Das meiste dessen, was er schrieb, schrieb und schreibt er noch immer gewissermassen für den Tag: journalistische Texte, in welchen er nicht nachlassend versucht, sich und seinen Lesern die sich immerzu rasant verändernde Welt ein bisschen verständlicher zu machen.

Nun sind ausgewählt einige der besten Arbeiten des langjährigen, in Baden lebenden CH-Media-Journalisten und Schriftstellers Max Dohner unter dem Titel «Am Himmel kaum Gefälle» im Zürcher rüffer & rub-Verlag erschienen. Dabei erweist sich das aus 21 Geschichten und Porträts komponierte Lesebuch als eine Art kurzweiliges Best of des vielfach prämierten Autoren.

Gerade in den eher literarisch motivierten Texten – allen voran in dem Stück «Keine Asche mehr für einen ride» – erweist sich der 1954 geborene Autor als guter Unterhalter. Wie er es darin vermag, die Geschichte seines einstigen Jugendlichen-Ichs zu entrollen, das seine ganze, mühevoll angesparte Barschaft in eine Handvoll Autoscooter-Fahrten investiert, um der von ihm angebeteten Barbara für eine kleine Ewigkeit nah zu sein, das betört. Denn Schreiben, so hat es den Anschein, war für diesen Vollblutformulierer offenbar stets mehr als nur blosses Einschmelzen gesammelter Fakten oder Meinungen in für den Tag verfassten Zeitungstexten.

Erzählerischer Furor

«Der wahre Journalist bleibt für mich ein Dichter und ein Gestalter», bekannte einst der deutsche Theaterkritiker und Journalist Alfred Kerr. «Und Kritiker zu sein, ist ein dummer Beruf, wenn man nichts ist, was darüber hinaus geht.» Dohners Arbeiten, und das dokumentiert seine schöne Sammlung, repräsentieren jenen seinerzeit von Kerr geforderten Typus Schreiber, der mit seinen Sätzen über seinen Gegenstand «hinaus geht», und so im Exemplarischen das Allgemeine transparent zu machen vermag.

Und wenn Dohner in dem Stück «Lady Belle Michelle» ganz unverhohlen sein Loblied auf die einstige amerikanische First Lady Michelle Obama singt, dann outet sich hier einer, der weiss, dass nur jener in seinen Texten zu überzeugen weiss, der bereit ist, sich in ihnen auch zu zeigen.

Dohner lesen – und dafür steht der auch herstellerisch fein gestaltete Band – heisst, den Bekenntnissen eines engagierten Darüberhinausgehers im Sinne Kerrs zu lauschen. Man muss ihnen in ihrer hin und wieder allzu adjektivverliebten Attitüde nicht widerspruchlos folgen – ihrem geschichtenerzählerischen Furor aber gibt man sich gerne hin.

«Guter Journalismus ist im Bestfall Literatur in Eile» bekannte der englische Literaturkritiker Matthew Arnold. Dohners Texte belegen es.

Max Dohner «Am Himmel kaum Gefälle». Geschichten und Porträts. rüffer & rub, 234 Seiten.

Buchtaufe: heute 18.30 Uhr, Alderstr. 21, Zürich.