«Natürlich muss man ein gewisses Risiko in Kauf nehmen», sinniert Dr. Rottenschwiler (Laura Heinze). Aber das ist halt so, wenn man den Menschen auf ein höheres Level bringen will, ja, die Menschheit perfektionieren will. Und ihn dazu mal eben an einen Stromkreis anschliesst.

Dr. Rottenschwiler ist eine der Protagonistinnen des Stücks «Herr Müller», das die Jugendgruppe «Undso» am Dienstag im Fabrikpalast Aarau zur Uraufführung brachte. Unter der Leitung der Regisseurin Eva Welter, die sie aus einem früheren Schulprojekt kannten, entwickelten Aargauer Maturandinnen ihr eigenes Stück.

Wer behandelt wen?

Instinktiv könnte man zu Beginn denken, die fünf Schauspielerinnen seien selbst Patientinnen in einer Klinik, die sich zum Spass Arztkittel anziehen und eine Pseudo-Sitzung abhalten. Denn die Figuren sind abstrus: Eine heillos überforderte Chefärztin (Anna Scherer), eine sadistische Experimentiererin (Laura Heinze), eine Schulmedizin-Verweigererin (Julia Sabbatini) und eine dauerangespannte Cholerikerin (Sarah Röthlisberger) betreuen in einer Klinik ihre Patienten und die Praktikantin Nathalie (Laura Patrizzi). Diese wäre wohl eigentlich für den Beruf zu begeistern, steht sich mit ihrer Eitelkeit und Handy-Abhängigkeit aber selbst im Weg.

Als der neue Patient Herr Müller in die Klinik eingewiesen wird, versucht jede Pflegerin auf ihre Art, ihm beizukommen. Mit viel Verständnis, alternativen Heilmitteln oder indem sie ihn genüsslich nach seinen Schmerzen ausfragen, schaffen es die Ärztinnen, dass er schliesslich entlassen werden kann. Indem er die Schwächen seiner Betreuerinnen ausnutzt, bringt er aber das Gleichgewicht in der Klinik ins Schwanken. Am Ende ist überhaupt nicht mehr klar: Wer ist nun Patient, wer Arzt? Wer gesund, wer krank?

Eigenkreation von A bis Z

«Das Thema entstand aus dem Interesse der jungen Frauen heraus; wir haben während der Proben viel improvisiert, und da kam das Thema emotionaler Extremzustände immer öfters zur Sprache», sagt Welter, die bei der ganzen Produktion «nur» die Verantwortung für die Gesamtkomposition innehat. Die Schauspielerinnen führten selbst Gespräche mit Mitarbeitenden einer psychiatrischen Klinik, woraufhin jede ihren eigenen Text schrieb. Dieses Vorgehen unterstreicht die verschiedenen Herangehensweisen der Ärztinnen. Gemeinsam mit der Gitarrenmusik, die Welters Sohn live spielt, entwickelt sich «Herr Müller» immer mehr zu einer grotesken Abhandlung über die Zerbrechlichkeit des Menschen. Und es stellt sich die Frage: Wie geht man mit der Krankheit von andern um? Und wie bleibt man selbst dabei gesund?

Nach «Herr Müller» kommt eine Zäsur für «Undso». Im Sommer machen die Schauspielerinnen die Matur, es ist noch ungewiss, was dann kommt. «Doch ich bin mir sicher, dass wir in der einen oder anderen Konstellation wieder zusammenarbeiten werden», schmunzelt Welter.

Daten

Aarau Donnerstag, 31. März, 20 Uhr, Fabrikpalast.

Weitere Infos

http://www.fabrikpalast.ch/#!herr-mller/c18j1