Man nehme eine grosse Portion Krimispannung und Romantik, verfeinere sie mit einer Prise Kultur, hebe etwas Lokalkolorit darunter und garniere das Ganze mit einer attraktiven Protagonistin – fertig ist: «Tod im Aargau».

Der zweite Krimi (nach «Schwermetall», 2012) von Familienfrau und Autorin Ina Haller schmeckt zwar ein wenig nach dem Backpulver, mit dem Haller ihre Ingredienzen zusammenkittet, dafür überrascht er mit einer rasanten Handlung in der Aargauer Literaturbranche. Schon zum Auftakt gibt es einen spektakulären Mord: Bei der Badener Premiere eines Musicals hebt sich der Vorhang. Im Lichtkegel des Scheinwerfers blitzt ein Schwert – auf einer Theaterbühne an sich noch nichts Aussergewöhnliches. Nur steckt es senkrecht in der Brust eines toten Mannes, genauer, des Autors Ulrich Strahm.

Polizei statt Premierenparty

Protagonistin Andrina ist geschockt. Das Musical hätte ein grosser Erfolg werden sollen. Zum ersten Mal ist ein Buch ihres kleinen Verlages für ein breites Publikum adaptiert worden. Doch nun stehen anstelle von Premierenjubel und Korkenknallen Ermittlungen und Strahms Beerdigung an.

Aber es kommt noch dicker. Oder, genauer gesagt: Es kommt sportlicher. Denn bereits auf Seite drei der Story taucht Hauptermittler Marco Feller auf, durchtrainiert, charmant und gut aussehend. «Andrina stockte der Atem. Ihr Herzschlag beschleunigte sich. Warum, konnte sie sich nicht erklären. Eigentlich war er gar nicht ihr Typ.»

Natürlich ist auch Andrina schlank und schön, sodass die Leserin eins und eins zusammenzählen kann. Doch für eine zaghafte Annäherung zwischen ihr und dem Kommissar bleibt wenig Zeit, denn schon droht der nächste Todesfall. Als zudem ein Einbruch und ein Überfall passieren, ist das unheimliche Chaos komplett. Enger und enger scheinen sich die Kreise des Mörders um Andrina zu ziehen, bis zum Finale, bei dem Autorin Ina Haller alle kriminalistischen Register zieht.

Nicht für Sprachgourmets

Sprachgourmets und Literaturconnaisseuren wird der Krimi der Aargauerin eher schwer im Magen liegen. Zu oft stösst man bei der Lektüre auf sprachliche Stolpersteine, holprige Negationen oder Floskelhaftes. Auch hätten ein Weniger an Ausdeutung und ein Mehr an Andeutung dem Buch gut getan. Doch die amourös-kriminelle Doppel-Spannung trägt über manche Holprigkeit hinweg. Und wer hinter den Kulissen des Kurtheaters Baden oder im Unterholz des Aarauers Waldes immer schon mehr als die friedliche Eintracht des Mittellandes vermutet hat, dessen Herz wird bei der Lektüre nicht nur schneller, sondern auch höher schlagen.

Ina Haller Tod im Aargau. Emons 2013, 223 S., Fr. 15.90.