Seit Januar ist Floriana Frassetto, letztes aktives Gründungsmitglied und Herz von Mummenschanz, mit verjüngter Gruppe und neuem Programm unterwegs. Von möglicher Erschöpfung ist bei der 66-jährigen Grande Dame des Maskentheaters nichts zu spüren. In der Einrichtungsphase für die kommenden Gastspiele im Musical Theater in Basel seien sie gerade, erklärt sie fröhlich und sucht sich ein Plätzchen an der Sonne.

Seit vierzig Jahren fasziniert die Theatergruppe Mummenschanz ihre Zuschauer. Ohne Musik und ohne Bühnenbild, dafür mit Masken und Körpern vor einem schwarzen Hintergrund erzählen sie Geschichten voller Poesie und Witz. Von Bernie Schürch, Andres Bossard und Floriana Frassetto 1972 in Paris gegründet, eroberte die Gruppe Hunderte von Bühnen weltweit, inklusive des Broadways in New York und einem Auftritt in der Muppet-Show. «Wir spielen mit der inneren Kreativität der Menschen» erklärt Frassetto, da komme es nicht darauf an wo das Theater auftritt. Die Menschen berühren sie überall.

Der Tod von Andres Bossard 1992 und der Abtritt von Bernie Schürch 2012 hielten Frassetto nicht davon ab weiterzumachen. «Auch ich stand vor der Entscheidung, ob ich aussteige oder weitermache. Ich entschied mich für Weitermachen. Ich bleibe bei Mummenschanz solange wie's mir Spass macht.»

Dafür hat sie sich junge Verstärkung geholt. Ihre Küntlerkollegen Sara Francesca Herman, Oliver Pfulg, Christa Barrett und Kevin Blaser sind zwischen 26 und 31 Jahre alt.

Auf den Altersunterschied angesprochen, erklärt Frassetto: «Wir sind ein eigespieltes Team. Die neuen Darsteller werden oft gefragt, wie das sei mit mir zu spielen. Aber Kunst kennt kein Alter. Es kommt nicht darauf an, wie alt wir sind.»

Von Handys und Geigen und Händen

70 Prozent des aktuellen Programmes sind vollkommen neu. Ideen zu neuen Nummern holt sich Floriana Frassetto aus ganz alltäglichen Situationen. «Eine Idee kam mir, als ich von Korea in die Schweiz reiste und am Zürich Flughafen in einen Zug nach Hause einstieg. Er war sehr voll, ich wollte mir einen Platz suchen, da fiel mir auf, dass niemand aufschaute. Alle schauten nur auf ihre Handys. Daraus entspann sich eine Idee, eine kleine Kritik, die aber, so viel sei verraten, ein Happy End hat.»

Die Ideensuche sei intensiv, habe jedoch die Tücke, dass, wenn man eine wolle, sie meist nicht einfach so komme. «Durch neue Objekte, die wir mit eingebunden haben, kamen aber auch neue Ideen. Beispielsweise haben wir eine Maske aus einer Geige und einer Bratsche, daraus hat sich eine Tondiskussion zwischen einer Frau und einem Mann entsponnen. Die Nummer hat etwas Clowneskes, ist aber auch poetisch.

Fans von Mummenschanz werden aber auch in den Genuss von alten, bekannten Nummern kommen, wie den riesigen Händen, denn: «Was wäre Mummenschanz ohne Hände?»