Eveline Gfeller und Markus Lerch strahlen: «Wir sind begeistert, wie offen und neugierig das Publikum den unterschiedlichsten Figurentheaterproduktionen begegnet ist und wie es sich auf Geschichten eingelassen hat, die nicht nur leicht verdaulich sind.» Beispielhaft hierfür steht eine Inszenierung des Schubert Theaters Wien: «F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig»; inszeniert von Simon Meusburger und gespielt von Nikolaus Habjan, der im ThiK Baden die 90. Vorstellung dieses Stücks absolvierte.

Nachdem der 26-jährige Österreicher bereits 2012 mit «Becoming Peter Pan – An Epilogue to Michael Jackson» für den mit 10 000 Franken dotierten Aargauer Förderpreis «Grünschnabel» nominiert war, bekommt er ihn jetzt – zu Recht. Wer die beklemmend intensive und ergreifende Aufführung gesehen hat, wird sie nicht vergessen. Auch die Jury zeigt sich davon beeindruckt, was sie so begründet: «Die Aufarbeitung eines dunklen Kapitels der österreichischen Geschichte zur Zeit des Faschismus – Misshandlung und Ermordung von Kindern in medizinischen Einrichtungen – als Dokumentartheater überzeugte durch besonderes Engagement und künstlerische Ausdruckskraft.

Mit Klappmaulpuppen als grotesk überzeichnete Doubles der tatsächlichen Protagonisten dieser wahren Geschichte gelangen dem jungen Spieler Nikolaus Habjan und dem Regisseur Simon Meusburger berührende und einprägsame Szenen.» Eine schöne Geste des ausgezeichneten Schubert Theaters Wien: Es hat die weiteren vier Nominierten eingeladen, ihre Produktionen in Österreich vorzustellen. «Und das», sagt das Figura-Team, «unterstreicht den Stellenwert des ‹Grünschnabels› als Sprungbrett in eine professionelle Karriere.»

Heiteres und Bedenkenswertes

Genau wie in den letzten Jahren zog sich auch 2014 kein roter Faden durchs Programm. Es gab für jede Generation schlichtweg alles: Heiteres, unverschämt Spassmachendes wie den Krimi «The House» und Bedenkenswertes wie «Lacrimosa», «Ente, Tod und Tulpe» oder «Mathilde – Szenen aus einem Altersheim», um nur einige wenige Beispiele zu erwähnen. Wie hätte man auch alles sehen können an diesen sechs Festivaltagen, die 36 Inszenierungen aus zehn europäischen Ländern – darunter 21 Schweizer Erstaufführungen – bot. Mit dem «Royal» war Figura dieses Jahr an einem neuen Spielort zu Gast. Neu waren auch die Produktionen für die ganz kleinen Besucher ab zwei Jahren.

Mit «Bastard!» – einer Symbiose aus Tanz, Figuren- und Objekttheater – ging gestern Abend im Kurtheater Baden die erfolgreiche 11. Internationale Biennale des Bilder-, Objekt- und Figurentheaters zu Ende. 2016 werden sich die Fans aus der Schweiz und dem Ausland erneut in Baden treffen. Nicht mehr dabei sein wird dann allerdings Produktionsleiter Markus Lerch – er übernimmt auf die Spielzeit 2015/16 die Ko-Leitung des Badener Theaters im Kornhaus (ThiK).