Feuer im Dach: Kurator des Freiämter Strohmuseums muss gehen

Eklat im Freiämter Strohmuseum in Wohlen: Der Stiftungsrat entliess den langjährigen Kurator und Historiker Dieter Kuhn auf Ende April. Kuhn ist vom Vorgehen des Stiftungsrates befremdet.

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Strohmuseum: Kurator entlassen

Strohmuseum: Kurator entlassen

Jörg Baumann

Das Verhältnis zwischen einzelnen Exponenten des Stiftungs-rates und Kurator Dieter Kuhn war schon lange gespannt: «Ich habe damit gerechnet, dass wir uns einmal trennen werden», sagt Kuhn rückblickend.

Als Grund für die Kündigung gibt der Stiftungsrat an, dass zwischen dem Gremium und Kuhn «unterschiedliche Auffassungen über die Führung des Museums» bestanden hätten.

Für eine Stellungnahme zur Entlassung von Dieter Kuhn war Stiftungsratspräsident Jacques Isler nicht erreichbar.

Rechtliches Gehör verweigert?

Dieter Kuhn, der mehr als 20 Jahre für das Museum tätig war, beanstandet die Umstände der Kündigung. Im letzten Dezember habe der Stiftungsrat seine Entlassung beschlossen, ohne ihn zu dieser Sitzung einzuladen und ohne ihm rechtliches Gehör zu schenken.

Am 13. Januar habe ihn eine Delegation des Stiftungsrates aufgesucht und ihm die bevorstehende Kündigung eröffnet. «Ich teilte der Delegation mit, dass ich nicht von mir aus kündigen werde. Das müsse, wenn schon, der Stiftungsrat tun», sagt der enttäuschte Kuhn.

Der Hauptautor des Bildbandes «Strohzeiten» hat als freier Historiker an der für 2010 und 2011 geplanten Doppelausstellung «Vom Halm zum Hut» in Wohlen und Florenz mitgearbeitet. Als der historische Teil des Projekts von der Ausstellungsleitung halbiert worden war, habe er sich, auch im Interesse des Strohmuseums, für die sorgfäl-tige Aufarbeitung der Vergangenheit der Industrie eingesetzt.

Dieses Engagement sei ihm zum Verhängnis geworden, sagt Kuhn. Denn er sei ohne Bezahlung der geleisteten Arbeit von den Luzerner Initianten entlassen worden. Diese Entlassung trübte das Verhältnis zwischen Kuhn und dem Stiftungsratspräsidenten Jacques Isler, weil dieser seinen Kurator – «von den Ausstellungsleitern unkorrekt informiert» – im Regen stehen liess, wie Kuhn erklärt.

Auch bei der geplanten Neuausrichtung des Strohmuseums (siehe Kasten) wurde der langjährige Kurator nicht integriert.

Dankbare Museumsbesucher

Kuhn betont, dass er sich stets sehr für das Strohmuseum engagiert habe. Den Besuchern habe er immer ein differenziertes Geschichtsbild von der Strohindustrie vermittelt.

«Die Arbeit war für mich mit einem grossen Aufwand verbunden. Viele Besucher haben mir nach der Führung gedankt und gratuliert», sagt Kuhn.

Das 20-Prozent-Pensum als Museumsleiter habe aber letztlich nicht ausgereicht, erklärt Kuhn. Er bat den Stiftungsratspräsidenten, eine früher erfolgte Einstufung in ein Lohnband, das ihn von allfälligen Teuerungszulagen ausschloss, zu verändern. Erst nach einigen Gesprächen, die sich über mehr als ein Jahr hingezogen hätten, habe Jacques Isler dies in Aussicht gestellt.

Kuhn gibt aber auch Versäumnisse zu: So habe er die letztjährige Buchhaltung über den Museumsbetrieb verspätet abgeliefert. Diese Unkorrektheiten bedauert Kuhn. Er habe seit dem letzten Jahr gesundheitliche Schwierigkeiten mit einem Knie. Trotzdem habe er unter Schmerzen bei den Führungen seinen Mann gestanden.

Kuhn forscht über Hilfikon

Die ärztlichen Konsultationen hätten bis heute nicht zu
einem befriedigenden Resultat geführt. Kuhn wird die Arbeit im Freiämter Strohmuseum noch bis Ende April weiterführen und sich danach als freier Historiker betätigen. Gegenwärtig bereitet er eine neue Publikation über die Gemeinde Hilfikon vor.