Andacht

Fester Wert im Westen

In Opernpose: Rosa Elvira Sierra als Lucia in der Lucia-di-Lammermoor-Inszenierung des Theaters Biel-Solothurn. zvg

Rosa Elvira Sierra

In Opernpose: Rosa Elvira Sierra als Lucia in der Lucia-di-Lammermoor-Inszenierung des Theaters Biel-Solothurn. zvg

Rosa Elvira Sierra bezaubert momentan als Pamina in der «Zauberflöte»-Inszenierung des Stadttheaters. In der Weststadtkirche singt sie morgen im Jubiläumskonzert «Fünf Jahre Musikalische Andachten» mit Oscar Roa Duette und Arien.

Silvia Rietz

Zungenbrecher wie «Bei Männern, welche Liebe fühlen» aus Mozarts Zauberflöte paukte «Pamina» Rosa Elvira Sierra mit einem Coach - fast schon wie das Blumenmädchen Eliza Doolittle im Musical «My Fair Lady». Und doch ist die Situation ganz anders: Rosa Elvira Sierra gehört an vorderster Front zur jungen Generation von Sängern, die mit ihrer Vielseitigkeit und Konstanz beeindrucken.

In kurzer Zeit hat sie sich sowohl im Theater als auch im Schweizer Alltag gut eingelebt. Einzig die helvetische Pünktlichkeit fordert die gebürtige Mexikanerin immer wieder, bringt sie schon Mal in ungewöhnliche Situationen. Wie kürzlich, als sie ins Kaufhaus eilte, um ein Sandwich zu kaufen.

Ein Blick auf die Schlange vor der Kasse und einen auf die Uhr liess sie das Brot wieder zurücklegen. Schon wurde sie von Detektiven gestoppt und durchsucht. «Ich kam natürlich zu spät ins Theater und musste erst noch mit knurrendem Magen proben», schmunzelt sie.

Glaubwürdigkeit ist ihr wichtig

Die zierliche Frau besitzt eine robuste Natur und ein raumfüllendes Lachen. Dies bekam auch ihr Papageno zu spüren: Bei der Hauptprobe fesselte er sie so fest, dass sie auf den Boden purzelte und sich nicht befreien konnte. Schlagfertig improvisierte sie und erweiterte den Text um den Hilfeschrei: «Mach mich frei, ich kann nicht mehr.»

Als Bühnenprofi bringt sie sich in jede Inszenierung ein: «Ich lege Wert darauf, dass mein Tun nicht kitschig wirkt, Hand und Fuss hat und glaubwürdig über die Rampe kommt.» Wer Sentimentalität vermeide, müsse sich um Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit bemühen, so ihr Credo.

Rosa Elvira Sierra schätzt die Arbeit am Theater Biel-Solothurn. An der Seite ihres Landsmannes Oscar Roa feierte sie als Donizetti-Heldin Lucia di Lammermoor einen grossen Erfolg. «Obschon wir als tragisches Liebespaar reüssierten, können wir auch anders ...», kokettiert die Künstlerin. In der Weststadtkirche wird das Bühnenpaar mit Duetten aus dem «Liebestrank» und aus «Don Pasquale» ihre komödiantische Ader zeigen.

Die beiden kennen sich seit ihren Anfängen in Mexiko. Das Land ist zwar berühmt für seine Tenöre (Rolando Villazón, Francisco Araiza und Ramón Vargas), Sängerinnen hingegen haben den Sprung in die internationale Champions League noch nicht geschafft. Rosa Elvira Sierra hätte das Potenzial dazu - und das kleinste Theater der Schweiz hat schon manchem Opernstar als Sprungbrett gedient.

Im Stadttheater hat Rosa Elvira Sierra, deren Sopran mit hervorragender Technik, individuellem Timbre und grosser Strahlkraft überzeugt, in Glanzrollen wie Lucia, Sonnambula und Pamina brilliert. Im Jubiläumskonzert in der Weststadtkirche wird sie mit Kostproben aus «Traviata», «Rigoletto», «L'elisier d'amore», «Faust» und anderen Opern mit neuen Facetten ihres Repertoires begeistern.

Jubiläumskonzert «Fünf Jahre Musikalische Andachten» mit Rosa Elvira Sierra, Sopran, Oscar Roa, Tenor, und Abdiel Montes de Oca, Klavier, Marienkirche in der Weststadt Solothurn, morgen Donnerstag, 19.30 Uhr, Kollekte.

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