Lu Bonauers neustes Werk «Fliehende Lichter», das Ende Oktober im Kommode Verlag erschienen ist, handelt von verschiedensten Personen und ihren Erlebnissen. Der Basler Autor hat mehrere Erzählungen geschrieben und diese in einem Buch zusammengefasst. Die einzelnen Erzählungen können unabhängig voneinander gelesen werden, allerdings verbindet diese Geschichten etwas. Alle Personen sind unterwegs: auf Reisen, auf der Flucht, auf der Suche nach sich selbst. Der Titel ist daher sehr schön gewählt. Der Autor hat verschiedenste Erzählweisen gewählt, teilweise in der Ich-Perspektive verfasste Texte, dann wieder solche aus der Erzählersicht, kurze Texte und dann wieder lange Erzählungen. Die ersten davon sind alle sehr kurz und lesen sich schnell, während manche auf subtile Weise die Geschichte einer Person erzählen. Einige Erzählungen berühren, und ich konnte mich als Leser in die Geschichte hineinversetzen, andere wiederum sind mir so fremd, dass sie fast schon zu Abenteuerreisen wurden.

Identität steht immer wieder im Mittelpunkt von Bonauers Erzählungen. Wer bin ich? Was will ich mit meinen Leben machen? Wo gehöre ich hin? Was ist Heimat? Diese Fragen ziehen sich durchs gesamte Buch, und egal, ob eine Erzählung eines syrischen Mädchens oder zweier Personen, die ins Unbekannte flüchten – der Autor bringt teilweise auf subtile Weise diese Themen hinein. Genau das gefiel mir persönlich gut.

Besonders interessant fand ich die Erzählung «E-mail vom Walfisch», die uns auf eine Reise nach Südamerika mitnimmt. Sie handelt von zwei Männern, welche einmal so viel gemeinsam hatten und durch eine langjährige Freundschaft verbunden waren, bis sich der eine auf ein Reise begibt. Mit Rückblenden, detaillierten Beschreibungen von Handlungsabläufen und einer mir vollkommen fremden Kulisse hat Bonauer eine aussergewöhnliche Erzählung geschrieben.

«Fliehende Lichter» ist ein Buch, das nicht mit Spannung zu überzeugen versucht, sondern vielmehr mit eindrücklichen Schilderungen, uns unbekannten Gegenden der Welt und komplett individuellen Personen. Das Buch gefiel mir grundsätzlich ziemlich gut, leider gab es einige Texte, die mir persönlich zu komplex waren. Der Schreibstil des Autors ist sehr flüssig lesbar, und ich bin beeindruckt, wie überzeugend er uns jede Geschichte erzählt hat. Jedoch verliert sich der Autor auch immer wieder in Beschreibungen, die auf der einen Seite zwar schön sind, auf der anderen allerdings mit der Zeit auch langweilen und so teilweise die Lust am Weiterlesen nehmen. Auch wenn sich das Geschriebene schnell lesen lässt, blieb ich aufgrund dieser detaillierten Beschreibungen an einigen Stellen hängen. Es ist kein Buch, welches zwischendurch mal gelesen werden kann. Es benötigt viel Konzentration, um dieses Buch zu verstehen, und bedingt die Lust, sich selbst immer wieder Fragen zu stellen. Ebenso kann ganz wunderbar in einzelne Texte hineininterpretiert werden.

Ich kann das Buch all jenen empfehlen, die gerne Erzählungen lesen, aber natürlich auch allen, die vielleicht schon immer mal ein Buch der besonderen Art rund ums Thema Heimat, Identität und Flucht lesen wollten. Es ist ein Buch, das berühren kann und zum Denken anregt.

Habe ich Ihr Interesse für Lu Bonauers Buch wecken können? Gemeinsam mit dem Kommode Verlag darf ich ein Exemplar von «Fliehende Lichter» verlosen. Vielleicht ein Weihnachtsgeschenk für jemanden besonderes oder sich selbst? Um in den Lostopf zu hüpfen, müssen Sie eine Mail an josia@jourdan.ch mit dem Betreff «Verlosung bz» senden. Die Gewinnerin/der Gewinner wird einige Tage danach benachrichtigt. Viel Glück!