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Fahren Narren lieber in Urlaub?

Ob es nächstes Jahr einen «Plausch» gibt, steht in den Sternen. Falls er stattfindet, dann nicht im Parktheater und ohne «Plausch»-Chef René Finger. Auch die Kinderfasnacht – das Herzstück der Fasnacht Grenchen – steht auf wackeligen Beinen.

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Solothurner Zeitung

Brigit Leuenberger

So viel steht fest: Am Wochenende vor Fasnachtsbeginn wird das Wirteehepaar, Marietta und Rolf Meier, in den Ferien und das Parktheater dunkel und verlassen sein. Fest steht ebenso: Auch «Plausch»-Chef René Finger und sein Technikerteam haben sich ferienhaber von der Fasnacht 2010 abgemeldet. Dies bestätigt Obernarr Thomas Meister. «Wegen der Ferien wollten wir den Plausch vorverschieben, doch da war das Parktheater bereits besetzt», sagt er. Das allerdings heisse noch lange nicht, dass es im kommenden Jahr keinen «Plausch» geben werde. «Es gibt in Grenchen Alternativen zum Parktheater, zum Beispiel die alte Turnhalle.»

Am kommenden Donnerstag wird nun die Vereinigung der Fasnachtszünfte Grenchen (VFZ) zusammenkommen und «demokratisch entscheiden, wie es weitergehen soll», erklärt der Obernarr. Er selbst sehe die momentane Situation nicht als eigentliche Krise, sondern als Herausforderung. «Ich will einmal genau wissen, wem der Plausch etwas bedeutet und wer bereit ist, etwas dafür zu tun», betont er. «Die Motivation, für die Gemeinschaft etwas zu tun, schwindet in unserer Gesellschaft merklich.» Nebst den Absagen von Finger und seinem Team drängten auch diverse Guggenmusiken auf eine Auszeit, weiss Thomas Meister.

Defizit wegen Publikumsmangels

Den «Plausch» trotz den schlechten Vorzeichen durchzuführen, ist aber ein Risiko. Das weiss auch der Obernarr: «Der vergangene Plausch brachte einen Reingewinn von 700 Franken ein.» Sind die potenziellen Zuschauerinnen und Zuschauer ferienhalber weg und das Programm mangels Aktiven auch noch mager, kann leicht ein gravierendes Defizit resultieren. Dennoch erklärt Thomas Meister zuversichtlich: «Wie auch immer wir kommende Woche entscheiden: 2011 und 2012 wird es auf alle Fälle wieder einen Plausch geben.»

Der Plausch ist jedoch nicht der einzige Fasnachtsanlass, der derzeit auf wackeligen Beinen steht. Seit der Demission von Kindernarr Patrick Gribi ist sein Amt vakant. Zudem werden auch hier die Ferien zum Problemfaktor, denn Lehrpersonen sind kaum bereit, in der Ferienzeit mit ihren Schülerinnen und Schülern am Fasnachtsumzug teilzunehmen. «Nein, das ist kein Problem», widerspricht Thomas Meister. «Wir verschieben den Kinderumzug und den Kinderball einfach vom schmutzigen Donnerstag auf den Fasnachtsdienstag. Das haben wir auch schon gemacht.» Auch die vakante Stelle macht dem Obernarren keine Sorgen. «Wenn wir niemanden finden, hat uns Patrick Gribi zugesichert, dass er noch eine Saison mitmachen wird.»

«Es macht mich extrem traurig»

Doch obwohl Obernarr Meister die Situation der Grenchner Fasnacht weitgehend positiv schildert, gibt es in der Uhrenstadt sorgenvolle Mienen. Plausch-Chef René Finger meint etwa: «Es macht mich extrem traurig, aber man kann es einfach nicht wegdiskutieren. Uns fehlen die Gelder und die Leute, um weiterhin eine gute Fasnacht zu garantieren.» Die VFZ habe in der Vergangenheit grosse Fehler gemacht. «Wir haben es beispielsweise verpasst, die umliegenden Gemeinden einzuladen, an unserer Fasnacht teilzunehmen», räumt er ein.

Zudem sei die Konkurrenz in Solothurn und Biel beinahe übermächtig. «Sie haben die schöneren Wagen und mehr Gelder zur Verfügung», ist René Finger überzeugt. Und sobald die Grenchner Jungen und Mädchen die Kanti in Solothurn besuchten, seien sie für die Grenchner Fasnacht verloren. «Das habe ich bei meinen Kindern gesehen.» Der Plausch-Chef weiss aber auch, dass die Fasnachtszünfte andernorts ebenfalls zu kämpfen haben. «Es ist der Zeitgeist. Jeder ist an seinem Arbeitsplatz extrem gefordert. Die wenigsten sind noch bereit, ihre Ferien für die Fasnacht zu opfern.»

René Finger will die Grenchner Fasnacht dennoch nicht begraben: «2011 und 2012 werde wir wieder einen Plausch organisieren und dabei ein neues Konzept erstellen und ein Nachfolgeteam aufbauen.»

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