Kinderbuch

«Erst wenn du den Namen hast, stimmt die Geschichte»

Der Jubilar bei einem seiner berüchtigten, säbelrasselnden Angriffe. Illustration: F.J. Tripp / M. Weber

Der Jubilar bei einem seiner berüchtigten, säbelrasselnden Angriffe. Illustration: F.J. Tripp / M. Weber

Der 89-jährige Kinderbuchautor Otfried Preussler sagt im Gespräch über den 50. Geburtstag seiner Romanfigur Hotzenplotz, welche Botschaft er den Lesern seiner Bücher vermitteln will.

Herr Preussler, was fasziniert Sie an der Figur des Räubers?

Otfried Preussler: Sagen wir mal so: Ich mag den Räuber Hotzenplotz. Denn er ist eigentlich nicht wirklich gefährlich, er ist eher ein polterndes Grossmaul, das zwar Polizisten in Angst und Schrecken versetzt, nicht aber meine Freunde Kasperli und Seppli. Und schon gar nicht Kinder, für die der Räuber nun mal gedacht war.

Wie kamen Sie auf die Namen Hotzenplotz oder Wachtmeister Dimpfelmoser und Zauberer Petrosilius Zwackelmann?

Als Geschichtenerzähler weiss ich: Erst wenn du den Namen hast, stimmt die Geschichte. Erst dann verselbstständigen sich die Personen, sie beginnen zu leben. Beim Hotzenplotz hab ich mich ein bisschen schwergetan. Doch plötzlich war er da, der Name, und er passte wie der Hut auf den Schädel meines bärbeissigen Freundes. Damit begann Hotzenplotz’ Eigenleben. Die anderen Figuren gesellten sich dann fast wie von selbst dazu.

Warum will Hotzenplotz im dritten und letzten Band der Hotzenplotz-Trilogie ein ehrliches Leben führen? Oder führt er uns alle gar an der Nase herum?

Das fragst du ihn am besten selber, denn er führt seit nunmehr 50 Jahren sein eigenes Leben. Ab und zu schaut er gerne bei mir zu Hause vorbei, geniesst die gute Küche, meinen Weinkeller und die Zentralheizung. Und er freut sich an seiner vielen freien Zeit. Gelegentlich – wenn ich nicht aufpasse – stöbert er auch in meinen Manuskripten herum, oder er beantwortet meine Leserpost.

Hätten Sie sich vorstellen können einen vierten Teil zu schreiben?

Nein, definitiv nicht. Ich wollte eigentlich schon gar keinen zweiten Band schreiben, aber die begeisterte Leserschaft hat mich so lange bekniet, bis ich mich schliesslich zu einer Fortsetzung durchgerungen habe. Und bei dem zweiten Band ist mir leider ein unverzeihlicher Fehler passiert. Ich habe vergessen, den armen Krokodilhund Wasti aus seiner misslichen Lage zu befreien. Deshalb musste es noch einen dritten Band geben, um Wasti wieder in einen Dackel zurückverwandeln zu können.

Haben Sie mit den Büchern vom Räuber Hotzenplotz eine spezielle Botschaft vermitteln wollen?

Wenn du es unbedingt wissen möchtest, frag doch einfach bei den Studierten und Gelehrten nach. Im Ernst: Mein Ziel war es immer, Kindern und auch Erwachsenen mit gut erzählten Geschichten eine Freude zu machen.

Was wünschen Sie sich für die Kinder von heute?

Es gibt genügend Schulen auf Gottes Welt, zumindest in der Schweiz oder in Deutschland. Aber an Spielwiesen für Kinder herrscht leider überall Mangel. Und Spielwiesen für die Fantasie kann es nie genug geben.

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