Openair

Erneut fehlt es an der Oper an Publikum – doch woran liegt es genau?

Das Spektakel war perfekt – die Besucherzahlen weniger. Peter Bernhard begrüsst das Publikum in der Oper Schenkenberg.

Das Spektakel war perfekt – die Besucherzahlen weniger. Peter Bernhard begrüsst das Publikum in der Oper Schenkenberg.

Die Oper Schenkenberg kämpft mit den Besucherzahlen. Einige Fragen an Intendant Peter Bernhard.

Lag es an Verdis Musik? An der Location unweit des Bahnhofs Brugg? Oder doch eher am Überangebot an Freiluftopern? Der Oper Schenkenberg fehlte es dieses Jahr an Publikum; gemäss Schätzungen aus dem Umfeld lag die Zuschauerauslastung der Produktion «Rigoletto» bei lediglich rund 50 Prozent.

Der Umstand sorgt für einige Fragezeichen. «Und vor allem auch für Spekulationen», ergänzt Peter Bernhard, Intendant der Oper Schenkenberg. «Darum kommuniziere ich in dieser Phase keine Zahlen». Weder mag er Besucherzahlen bestätigen noch sich zu allfälligen finanziellen Folgen aus der Besucherauslastung äussern. Dass diese beträchtlich sein dürfen, lässt sich in etwa abschätzen. Im April äusserte Bernhard gegenüber der «Nordwestschweiz»: «Wenn 13 500 Zuschauer kommen, geht die Rechnung auf», sollte die Auslastung tatsächlich bei 50 Prozent liegen, hätten sich lediglich 8500 Besucher den «Rigoletto» angeschaut. Die Differenz zwischen beiden Zahlen ist beträchtlich.

Gespart, aber nicht genug?

Dennoch stellt Bernhard klar: «Noch steht gar nichts fest.» Selbst seine Aussage vom April korrigiert er. «Wir haben durch gutes Wirtschaften 200 000 Franken bei den Produktionskosten eingespart und waren deshalb auf weniger Eintritte angewiesen.» Auf wie viel weniger, bleibt – noch – sein Geheimnis.

Dabei ist Peter Bernhard ein gebranntes Kind. Auf den grossen künstlerischen und finanziellen Erfolg «seiner» ersten Freiluftoper «Carmen» (2010) folgte 2013 als zweiter Streich «Trovatore». Noch grösser, noch schöner sollte diese Produktion werden. Doch statt der angestrebten 20 000 Zuschauer kamen nur 16 000, und im Budget klaffte ein Loch in der Höhe eines sechsstelligen Betrages. Schliesslich haben sämtliche 28 Gläubiger auf einen Drittel ihrer Forderungen verzichtet. Da wird der Opernbegeisterte auch mal zum Opernskeptiker. «Trotzdem haben wir ausgeglichen abgeschlossen und alle Gläubiger haben zwei Drittel ihres Guthabens bekommen», gibt Bernhard zu bedenken. Sind die Zahlen nun schwarz, oder sehen ehemals Beteiligte eher rot? Es gibt einfachere Fragen.

Die letzten Malerarbeiten sind noch im Gang. Ab Montag werden die Künstler, die die Oper «Rigoletto» aufführen, hier vor der Mülimatt intensiv proben.

Die letzten Malerarbeiten sind noch im Gang. Ab Montag werden die Künstler, die die Oper «Rigoletto» aufführen, hier vor der Mülimatt intensiv proben.

Zum Stichwort «offene Fragen» meint Peter Bernhard denn auch: «Wir kriegen so viele Ratschläge. Nach «Carmen»: Ihr müsst grösser werden! Für «Rigoletto»: Ein Spielort in der Stadt ist besser! Doch zum Schluss sind wir es, die hinstehen und dafür einstehen.» Aus den finanziellen Schwierigkeiten von 2013 hätte man durchaus gelernt, und nicht zuletzt die erwarteten Zuschauerzahlen auf rund 13 000 gesenkt.

Ob das immer noch zu ehrgeizig war? Dass Bescheidenheit nicht eben herausragendes Merkmal der Opernwelt ist, dafür kann Peter Bernhard wenig. Und auch er will höher hinaus: «Bei uns ist die künstlerische Qualität sehr hoch.» Das wiederum habe seinen Preis. Das Budget betrug dieses Jahr 2,5 Millionen.

Die 1900 Plätze brauche man, damit die Publikumseinnahmen die Kosten zu tragen vermögen. In kleinerem Rahmen planen und dafür mehr Aufführungen veranstalten, wie es etwa die Oper Hallwyl handhabt, sei keine Option. Denn das vervielfache die Sänger- und Orchestergagen wie auch die Betriebskosten. «Bei uns treten international bekannte Sänger auf. Und die gibt es eben nicht gratis», erklärt der Intendant. Darauf angesprochen, wie sehr es für eine Freiluftoper im Kanton Aargau entscheidend sei, dass das Ensemble international bekannt ist, antwortet Bernhard: «Das hört auch ein Laie. Vielleicht nicht, was anders ist, aber dass es gut ist. Das ist unser künstlerischer Anspruch. Darunter gehen wir nicht. Entweder es geht auf, oder es geht nicht.»

Peter Bernhard ist eben auch ein Aficionado. Sein Anspruch und seine Begeisterung echt. Für die Oper Schenkenberg würde er wohl sein letztes Hemd geben. Und wenn ihm Persönlichkeiten aus der Politik zu seinen Projekten gratulieren, wünschte er sich am liebsten neben dem Lob auch ein stärkeres Bekenntnis zur Oper Schenkenberg seitens der öffentlichen Hand. Dass nicht jeder ebenso sehr Aficionado sein kann, versteht er, doch ändert es nichts an seiner Haltung. Denn Bernhard denkt und rechnet in Operndimensionen, wo 2,5 Millionen für ein Freiluftfestival angemessen sind. Aus der Warte eines involvierten Gewerbes, eines beteiligten Familienbetriebs sind das wiederum immense Beträge.

«Wir brauchen jetzt Zeit, um die diesjährige Produktion zu reflektieren. Zu überlegen, was man besser machen könnte. Fertige Antworten kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geben», befindet Bernhard. Was er hingegen weiss, ist, dass die ab 2016 neu anlaufende Zusammenarbeit zwischen Oper Schenkenberg und Solothurn Classics durch den «Rigoletto» «nicht per se tangiert wird». Die Bewilligung sei erfolgt, die Gelder seien von der Stadt Solothurn gesprochen, im Oktober finde die Sitzung mit dem Swisslosfonds statt. Denn Peter Bernhard ist vieles, aber eine tragische Gestalt, wie die Bühnenfigur «Rigoletto» – das ist er nicht. Stehaufmännchen traf es bisher meist besser.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1