Im Atelier von Erna Müller hat alles seinen Platz, und sie sagt von sich, sie sei eine Perfektionistin. Wer solche detailgetreuen, naturalistischen Bilder malt, braucht Eigenschaften wie Geduld und ein selbstkritisches Wesen. «An dieser Englischen Rose habe ich den ganzen Januar gearbeitet», sagt sie, und Galeristin Anna-Verena Hoffmann ist begeistert: «Man riecht sie förmlich.»

Es sind die Details, die Erna Müller faszinieren, und sie zeigt auf das Innere einer Stiefmütterchenblüte auf dem Gartentisch. Ihre bevorzugte Technik ist die Ölmalerei: «Das Aquarellieren liegt mir weniger.» Obwohl sie damit angefangen hat vor 15 Jahren. Sie hat sich in zahlreichen Kursen das Rüstzeug für ihre Malerei geholt. Wider einen verbreiteten unsorgfältigen Umgang mit der Natur setzt sie die Vergrösserung kleinster Naturwunder. Der ungewöhnliche Ausschnitt macht dem Betrachter genau die Schönheit dieser Wunder bewusst.

Malen nach Fotos

Erna Müller malt nicht nach der Natur, sondern nach ihren Fotos. Wer einen Monat lang an einem Bild malt und den Anspruch hat, die Realität, wenn auch stark vergrössert, abzubilden, kommt nicht darum herum. «Ich habe einmal versucht, draussen eine Mohnblume zu malen, doch das ging nicht», sagt sie. Der Wind, die Lichtveränderungen. Die grössten Bilder sind einen Quadratmeter gross, wie die Englische Rose; die kleinsten, wie eine Baumnuss, messen einen Quadratdezimeter. Erna Müller kann der gleichen Tulpe unterschiedliche Detailansichten abgewinnen - eine reizvolle Sache.

Sie will auch nicht farblich verfremden, sondern die Pflanze oder die Frucht so darstellen, wie sie sich zeigt. Warum nicht gleich die Foto? Anna-Verena Hoffmann hat natürlich recht: Der Fotografie fehlen die Seele und die Tiefe. Das Ölbild auf Leinwand lebt durch seine Tiefe und die Leuchtkraft der Farbe. Und daran arbeitet Erna Müller mit grosser Ernsthaftigkeit.

Die Ausstellung in der Galerie Schlössli ist, nach sieben Gruppenausstellungen, auch schon in Gontenschwil und Seengen, ihre erste Einzelausstellung. Inspiration holt sie sich in ihrem grossen Garten. «Das Malen und der Garten wirken beruhigend auf mich», sagt sie. Was nicht heisst, dass sie nicht zwischendurch auch spontane, abstrakte Bilder malt. Aber die sind nicht zu sehen in der Ausstellung.

Die Ausstellung in der Galerie Schlössli ist vom 26. April bis 10. Mai geöffnet, jeweils am Samstag von 14 bis 17 Uhr und am Sonntag durchgehend von 10 bis 17 Uhr.