Am Ende der zwölfjährigen Intendanz von Dominique Mentha, lag das Luzerner Theater in einem tiefen Dornröschenschlaf. Das sehr in die Jahre gekommene Dreispartenhaus in der Innenstadt war ein Routinebetrieb geworden, ein zuverlässiges, doch leicht zu übersehenes Rad im Stadtgefüge ohne Glamoureffekt.

Bis der deutsche Opernregisseur Benedikt von Peter wie ein freundlicher Orkan durch die Leuchtenstadt fegte. Seine Mission als Intendant: Das Haus nach aussen zu öffnen, um sein bereits am Theater Bremen erprobtes Erzähl – und Gefühlstheater dem Publikum in Räumen und mit Architekturexperimenten direkt zu vermitteln.

Den Stadtraum erobert

Als Mann des Wortes und der Tat liess von Peter bereits zur ersten Spielzeiteröffnung auf dem Theaterplatz eine provisorische Spielstätte errichten, die seither nicht nur intime Theaterproduktionen beherbergt, sondern auch zum Symbol für das näher in den Stadtraum gerückte Theater geworden ist. Während der Sommerpause mutiert die «Box», wie sie von den Luzernern inzwischen liebevoll genannt wird, zur Begegnungsstätte für die hiesige Stadtbevölkerung.

Benedikt von Peter hat sich auf seinem unermüdlichen Stadtraumeroberungszug intensiv mit seiner Umgebung auseinandergesetzt. Die Luzerner wärmten sich in seinem installativen Oratorium «Faust-Szenen» mit warmen Tee an einem Osterfeuer, oder feierten bei seiner «Rigoletto»-Inszenierung anlässlich der Operneröffnung in der ersten Spielzeit in einer alten Industriehalle ein rauschendes Fest.

80 Prozent Auslastung

Kühne Regiearbeiten wie von Peters gefeierte «La Traviata»-Inszenierung mit der Sängerin Nicole Chevalier als einziger Bühnenfigur sorgten dafür, dass das kleine Haus an der Reuss wieder zum Stadt- und Feuilletongespräch wurde.

In Volksnähe hat der charismatische Macher, der nie still steht und in der Stadt vom Laientheaterverein bis zu den Behörden exzellent verdrahtet ist, viel investiert.

Er hat der lokalen freien Theaterszene die Hände gereicht, suchte den Kontakt zum Lucerne Festival und zur traditionellen Laientheaterszene der Zentralschweiz, mit der er diesen Sommer einen «Jedermann» vor der Jesuitenkirche stemmte.

Diese Energie hat sich ausgezahlt: 80 Prozent Auslastung und zwanzig Prozent mehr Zuschauer waren in der ersten Saison in Luzern eine Sensation. Der Ruf des Hauses ist mittlerweile so etabliert, dass sich für die nächste Spielzeit sogar ein potenter Hauptsponsor hat finden lassen.

Unermüdlich und überzeugend

Auch wenn es Stimmen gibt, die beklagen, dass von Peters verrückten Raum-Ideen, für die allerhand Material verschoben werden muss, viel Geld kosten, auch wenn aus dem Inneren des Betriebs Stimmen vernehmbar sind, wonach man in seinem Begeisterungsfeuer auch mal verbrennen kann, haben ihn genau diese beherzten Aktionen über Luzern hinaus bekannt gemacht.

Seine Ideen hätte er kaum ohne seine ansteckende Überzeugungsarbeit durchsetzen können, die er unermüdlich leistet. So konnte er die hiesigen Behörden immer wieder für umstrittene Projekte im öffentlichen Raum begeistern. Etwa für ein Strassenbild des Schweizer Künstlerduos Lang/Baumann, das auf dem Theaterplatz die regulären Verkehrslinien durchkreuzt und Teil des Stadtbildes geworden ist.

Eigentlich hatte der Stiftungsrat des Luzerner Theaters von Peter nach Luzern geholt, um mit ihm als Erneuerer einen Mann für den geplanten multifunktionalen Konzertsaal Salle Modulable an der Seite zu wissen. Das millionenschwere Musiktheaterhaus-Projekt hätte neben dem KKL ein weiterer Leuchtturm Luzerns werden sollen und scheiterte 2016 am Veto des Kantonsrats. In Basel steht Benedikt von Peter endlich eine grössere Bühne zur Verfügung, die mit ihrer Mehrspartigkeit seinem Gusto entsprechen sollte.