Heute gehört das Sinfonieorchester Basel (SOB) – gerade im spätromantischen und modernen Repertoire – zu den international gefragten Klangkörpern. Vor allem aber hat es eine eigene Identität. Chefdirigent Dennis Russell Davies hat es mit seiner intensiven Orchesterarbeit zum künstlerisch notwendigen Selbstbewusstsein geführt. Unter seiner Leitung konnte es wieder mit Star-Solisten der Klassik-Szene aufspielen.

Notwendige Frischzellenkur

Der in Europa lebende US-Amerikaner ist vor sieben Jahren als Chefdirigent angetreten, um das enorme Potenzial des Orchesters zur Entfaltung zu bringen. Das Orchester hatte eine mehrjährige cheflose Zeit hinter sich, in der es auch Spielball der Basler Kulturpolitik war. Davies trieb gemeinsam mit der von alt Regierungsrätin Barbara Schneider präsidierten Trägerschaft, der Stiftung Sinfonieorchester Basel, die Loslösung des am stärksten subventionierten Basler Orchesters von seiner Mutter, der Allgemeinen Musikgesellschaft Basel, voran. Er löste das Orchester so aus einem einengenden künstlerischen und kulturpolitischen Korsett. Die Selbstständigkeit und ein profiliertes künstlerisches Programm brachten die längst notwendige Frischzellenkur.

Unter Davies fand das SOB zurück zu seinen schon fast vergessenen Stärken in der Musik der Moderne und der Gegenwart. Es gab kaum mehr einen Konzertabend ohne ein Werk des 20. und 21. Jahrhunderts. Eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Paul Sacher-Stiftung, welche die Originale, die Autographe und Nachlässe vieler grosser Komponisten seit dem frühen 20. Jahrhundert beherbergt, hat sich entwickelt. Davies trieb die eingehende Auseinandersetzung mit der Musik Strawinskys, Witold Lutoslawskis, Pierre Boulez’, Heinz Holligers und anderer voran. Zudem brachte er die amerikanische zeitgenössische Musik, die Minimal Music eines Phil Glass und anderer, nach Basel. Man mag kritisch zu diesen Stücken mit ihrem Rückgriff auf eingehende Harmonien stehen. Davies ist einer der besten Kenner und Anwälte dieser Werke. Er brachte dem Orchester so auch bei, ungemein flexibel zu sein und in verschachtelter Rhythmik grosse Sicherheit zu entwickeln.

Neue Konzertformen entwickeln

Davies lehrte das SOB zudem, in starken Farben Gemälde zu malen und so die Partituren zum Leuchten zu bringen. Das gelang – neben der Moderne – vor allem in der Spätromantik. Hingegen ist Davies kein Mann, der die Erkenntnisse der historisch informierten Aufführungspraxis beachtet. Er spielt Haydn, Mozart und Beethoven noch ganz im postromantischen Verständnis, behäbig und dickflüssig. Das tut aber seinen grossen Verdiensten um das SOB keinen Abbruch.

Denn Davies formte mit seiner akribischen Arbeit das SOB zum wendigen Klangkörper, das sich im internationalen Umfeld bestens bewährt und seinen wichtigen Beitrag zu einem pulsierenden Musikleben in Basel leistet. Er engagierte sich gemeinsam mit dem Orchesterbüro zudem für neue Konzertformen, für eine Vermittlungsarbeit, mit der auch Jugendliche für klassische Musik begeistert werden, bereitete so den Boden für eine erfolgreiche Zukunft. Das SOB nach der Zeit von Davies ist wahrhaftig ein anderes, ein eigenständiges und erstklassiges Orchester geworden, eine eigene Marke.