Jürg Rettenmund

«Gibt es wohl einen Maler, der in den Häusern Langenthals besser vertreten ist als Albert Nyfeler?», fragte Peter Streit - auch er Maler - 1958 in dieser Zeitung anlässlich einer Ausstellung im Übungssaal des Stadttheaters: «So ist der Name einem jeden, der sich auch nur irgendwie nach Bildern umsieht, ein Begriff.»

Dieser Bekanntheitsgrad war um so erstaunlicher, als Nyfeler damals bereits ein halbes Jahrhundert aus dem Oberaargau weggezogen und im Lötschental sesshaft geworden war. Heute, ein weiteres halbes Jahrhundert später und 40 Jahre nach Nyfelers Tod, dürfte der Maler allerdings im Oberaargau ur noch einen kleinen Kreis bekannt sein.

Atelierhaus gerettet

Auch im Lötschental drohte vor ein paar Jahren eine wichtige Spur zu verwischen: Sein eigenwilliges Atelierhaus in Kippel stand 1992, nach dem Tod seiner Frau, zum Verkauf. «Das Haus war geräumt, ich sollte mich um den Verkauf kümmern», erinnert sich Sylvia Mathys. Stattdessen rettete sie es: Sie organisierte 1996 eine vielbeachtete Ausstellung und gewann die Tochter Nyfelers für ihre Idee.

Im Sommer 2003 liessen sie das Haus in spezielle Ferienwohnungen und eine Galerie umbauen, die Bilder kehrten zurück, und seit 2004 finden dort regelmässig Ausstellungen mit Werken von Nyfeler statt. Das sind nun fünf Jahre her, und zugleich wird wie erwähnt 2009 der 40. Todestag des Malers begangen. Die «Zeitreise» ist denn auch eine eigentliche Gedenkausstellung, in der auch das Wirken Nyfelers im Oberaargau seinen Platz findet.

Im Spränghüsli geboren

Albert Nyfeler wurde 1883 in Spränghüsli bei Lünisberg in der Gemeinde Ursenbach geboren. Damals gab es in Lünisberg noch eine eigene Schule, und danach konnte Nyfeler bei seinem Bruder Maler lernen. Diesen Beruf übte er anschliessend auch aus, bildete sich jedoch stets künstlerisch weiter. Auf seinen Wanderjahren führte ihn ein Auftrag, die Kirche zu restaurieren und neu auszumalen, 1906 nach Kippel im Lötschental.

Dort bleib er hängen, behielt jedoch Kontakt zum Oberaargau. In Langen-thal konnte er in einem Privathaushalt erstmals ausstellen. Der Erfolg seiner Bergbilder ermöglichte ihm, ganz auf die Kunst umzusatteln. Nach dem Ersten Weltkrieg baute er in Langenthal noch ein Haus, doch schon kurz danach zog er endgültig ins Lötschental und baute 1922 das Atelierhaus.

Maler und Fotograf

Dort malte er über 40 Jahre lang, immer wieder aber auch im Tessin, im Jura, im Berner Oberland und im Ober-aargau. In Erinnerung geblieben ist er vor allem als Bergmaler. Erst nach seinem Tod entdeckt wurde sein fotografisches Werk, das die verschwindende alpine Kultur des Lötschentals dokumentierte, oft in enger Verbindung mit dem Volkskundler Arnold Niederer.

Nyfelers enge Verbindung zu seiner Jugendheimat belegte eine rege Ausstellungstätigkeit auch im fortgeschrittenen Alter von fast 80 Jahren. Diejenige von 1958 ist nur eine davon. 1961 folgte eine weitere, wieder im Theater Langenthal. An beiden zeigte Nyfeler über 100 Bilder.

Ausstellung am Dorffest

Dazwischen waren seine Bilder auch in Ursenbach zu sehen: Als im Juli 1960 zur Einweihung des neuen Dorfschulhauses eine vielbeachtete Kunstausstellung organisiert wurde, steuerte er mit 60 Bildern den Hauptharst bei. Ebenfalls beteiligt waren der in Ursenbach heimatberechtigte Ernst Morgen-thaler sowie Arthur Sohm aus dem benachbarten Weinstegen.

Im Oberaargau mag Nyfeler heute nicht mehr so allgegenwärtig, ja fast vergessen sein. In der gegenwärtigen Ausstellung in Kippel erhält jedoch auch dieser Teil von Nyfelers Leben und Werk seine angemessene Würdigung. Rund die Hälfte der ausgestellten Werke sind gemäss Sylvia Mathys Leihgaben aus Privatbesitz, rund die Hälfte stammen jedoch aus dem Nachlass des Künstlers und stehen zum Verkauf.

Sylvia Mathys, die sich um den Nachlass des Künstlers kümmert, hat zwei Bezugspunkte zu diesem. Einerseits entdeckte die gelernte Konditorin/Confiseurin den Alpenmaler durch ihre eigene künstlerische Tätigkeit. Andererseits war ihr erster Ehemann ein Enkel Nyfelers.

Sie selbst wurde 1962 in Thun geboren und ist dort aufgewachsen. Nach dem Umbau von Nyfelers Wohn- und Atelierhaus hat sie ihre Zelte im Lötschental aufgeschlagen. Seit kurzem betreibt sie zusammen mit ihrem heutigen Mann eine Tanzschule mit Tanzlokal in Kandersteg.

AUSSTELLUNG in der Galerie A. Nyfeler in Kippel: Bis Ende April 2010. Öffnungszeiten Mittwoch 14-17 Uhr, Freitag 14-18 Uhr. Führungen auf Voranmeldung am Montag, Donnerstag und Samstag möglich (Tel. 079 527 13 77). Internet: www.a-nyfeler.ch