«Diese Frau hat Feuer im Arsch!», schwärmt eine Besucherin in der Pause der Premiere von «Mezze Calzette», dem neuen Stück der Basler Sängerin und Kabarettistin Rosetta Lopardo.

Ob mit ihrer tiefen, rauchigen Stimme beim Singen neapolitanischer Lieder oder beim klamaukigen Kabarett, die Schweizerin mit süditalienischen Wurzeln zieht das Publikum in ihren Bann. Wie sehr ein Publikum gepackt ist, lässt sich oft daran erkennen, wie schnell es bereit ist, bei Refrains von Liedern mitzusingen. Zackzack geht das an diesem Abend, ob mahnàmahnà oder yeahyeahyeah, da ist kein Zögern zu spüren. Lopardo hat den Saal im Sack.

Thema des Abends ist ihre Doppelidentität als Süditalienerin und Schweizerin. Das Spiel mit den Klischees und Übertreibungen kommt gut an.

Den italienischen Teil kennen wir, etwa aus Filmkomödien wie «Maria, ihm schmeckts nicht». Im Schweizer Teil nimmt Lopardo die hiesigen Prioritäten aufs Korn. Für alles mache man eine To-do-Liste, alles werde geplant, sogar das Verlieben komme noch auf die To-do-Liste – ganz am Ende der Liste.

Lopardo geizt nicht mit witzigen Vergleichen. Skifahren etwa sei wie ein Blinddarm: manchmal schmerzhaft und die restliche Zeit unnötig.

Etwas schmerzhaft dann auch die Lacher über den Begriff «Tschingge» in einem Brief der kleinen Rosetta an ihren Onkel. Klar, «comedy is tragedy plus time», aber ein Schimpfwort bleibt ein Schimpfwort. Dass man heute darüber lacht, liegt daran, dass sich seit Schwarzenbach die Fremdenfeindlichkeit verschoben hat auf andere Gruppen.

Die Zufälligkeit unserer Herkunft ist denn auch Thema gegen Ende des Abendprogramms, das deutlich politischer wird.

Glanznummern und Fragezeichen

Besonders überzeugt Lopardo an diesem Abend mit starker Komik in Mimik und Gestik. Bemerkenswert schön zeigt sich das in einer kleinen Nebenrolle, die sie natürlich auch selber spielt: die «Winterthurerin». Diese führt nach der Pause schlichte Zaubertricks auf. Wie sie gleichzeitig sehr gehemmt ist und cool rüberkommen möchte: Grosses Kabarett!

Aber was macht eigentlich Lopardos Bruder Enzo den ganzen Abend auf der Bühne? Er hat die Lieder ausgegraben und geschickt arrangiert, ja, und die Perkussion auf den verschiedenen Trommeln beherrscht er zweifellos. Dennoch wird nicht ganz klar, was zwischen den Liedern seine Rolle ist. Mehr Statist als Bühnenpartner wirkt er allerdings sehr sympathisch. Und bei einer witzigen Einlage, an der Lopardo mit zwei Vibratoren das Berner Instrument «Hang» auf verblüffende Weise zum Klingen bringt, beeindruckt er als geschickter Kenner des Toggenburger Talerschwingens.

Und apropos Familie: Regie in dieser Produktion führte Raphaela Portmann, Lopardos Tochter.

«Mezze Calzette» Samstag, 24., Donnerstag, 29. Freitag, 30. November und Samstag, 1. Dezember, 20.30 Uhr, Theater Teufelhof, Basel.