Lenzburgiade

Eine musikalische Woche ist zu Ende

Klassik und Volksmusik – zwei scheinbare Gegensätze. Nicht für Stephan Goerner. Am internationalen Musikfestival «Lenzburgiade» brachte er die beiden Stile während einer Woche in 12 Konzerten zusammen.

Philipp Muntwiler

Der kühle und von unsicherer Witterung geprägte Auftakt zur «Lenzburgiade» machte dem künstlerischen Leiter, Stephan Goerner, keine Freude. Die Konzerte vor dem Pfingstwochenende konnten nicht im Schlosshof stattfinden, sondern mussten in den grossen Rittersaal verlegt werden. Das bremste den Publikumsaufmarsch aber keineswegs. Insgesamt verzeichnete Goerner an den 7 Abenden 4120 Eintritte im Schloss und im alten Gemeindesaal, 4 Konzerte waren gar ausverkauft. So auch das Eröffnungskonzert am Mittwochabend vor viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

Die «Lenzburgiade» startete mit dem ersten Klavierkonzert von Frédéric Chopin in einer speziellen Fassung für Klavier und Streichquartett. Ein aktueller Auftakt, feiert die Klassik-Welt doch den 200. Geburtstag von Frédéric Chopin. Das erste Klavierkonzert ist ein Werk, bei dem die Faszination des jungen Chopin für die Volksmusik unüberhörbar durchscheint. Womit gleich im ersten Programmteil der «Lenzburgiade» die Verbindung zwischen Klassik und Volksmusik hergestellt wurde.

Den Ausfall von Henri Sigfridsson aus Finnland konnte Goerner gleichwertig kompensieren. Der Pianist aus Finnland konnte das Konzert wegen einer Handverletzung nicht bestreiten. An seiner Stelle trat der ausgewiesene Chopin-Spezialist Janne Mertanen, ebenfalls ein Finne, auf. Nach der Pause zeigten Nadja Räss und Rita Gabriel mit Humor und viel Charme, wie frisch und zeitgemäss Jodeln sein kann. Den Abschluss bildete schliesslich das Trio Marcel Oetiker mit von Jazz beeinflusster Schweizer Volksmusik.

Was der Klingelton eines Natels auslösen kann

Dass klassische Konzerte nicht nur ernst sein müssen, zeigten der Koreaner Richard Hyung-Ki Joo und der Russe Aleksey Igudesman am Freitagabend in einem kleinen Alptraum-Konzert («A little Nightmare Concert»). Bereits während des ersten Stücks wurden die beiden von einem klingelnden Mobiltelefon aus dem Takt gerissen. Joo klappte sein Notenheft zu und knallte es zu Boden. Sein ernster Blick schweifte durchs Publikum, während er den Klingelton auf dem Konzertflügel nachspielte. Die Nokia-Melodie animierte die beiden dann zu einer kurzen Improvisation. Igudesman ging gar so weit, dem «Mann mit dem Mobiltelefon» seine erste Eigenkomposition zu widmen.

Goerners persönlicher Höhepunkt der Konzertreihe war der gemeinsame Auftritt mit dem weltberühmten Harfenisten Xavier de Maistre am Sonntag. «Ein unvergessliches Erlebnis: Seine phänomenale Technik, verbunden mit einer natürlichen sensiblen Musikalität waren faszinierend.»

Seine Erwartungen in die Künstler hätten sich erfüllt, sagte Goerner. Und er freue sich bereits auf die «Lenzburgiade» im nächsten Jahr.

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