Florian Müller

Eigentlich sei es unmöglich, eine Geschichte für alle Suhrerinnen und Suhrer zu schreiben, meint Markus Widmer-Dean zu seiner neuen Ortsgeschichte. «Die starke Heterogenität der Gemeinde würde mindestens 100 solche Geschichten erfordern, denn man kann die Gemeinde leicht in viele Untergruppen aufteilen.» Und trotzdem gelingt es dem Historiker, in seinem neuen Werk eine riesige Fülle an Quellenmaterial zu einer kompakten Ortsgeschichte zu vereinigen.

Die 400 Seiten aus frühen und modernen Zeiten des Dorfes beinhalten über 600 Abbildungen. Die Gliederung in die sieben Teile Raum, Zeit, Dorf, Gemeinde, Bevölkerung, Wirtschaft und Kirche soll den Leser umfassend informieren. Zum Beispiel findet man im Buch das Protokoll der ersten Gemeinderatssitzung von Suhr, gehalten am 2. September 1803.

Geschichte verstehen

Der Historiker versuchte bei seiner Arbeit zu berücksichtigen, dass das geschichtliche Grundwissen der Dorfbewohner ganz unterschiedlich ist. Deshalb liefert er immer wieder Hintergründe zur Schweizer Geschichte. «Geschichte ist eben kein Sammelsurium von Spektakel, man muss stets probieren, sie zu verstehen und einzuordnen.»

Offenbar wollen die Suhrerinnen und Suhrer ihre Dorfgeschichte verstehen: Mangels Platz verabschiedeten sich die ersten Besucher der Vernissage bereits vor dem Beginn des Anlasses. Das Heimatmuseum bot ganz einfach nicht genug Raum für alle Besucher, die teilweise bis in die Gänge standen, um sich die Rede von Widmer-Dean anzuhören.

Suhr, das alte Dorf

«Wer Geschichte kennt, kann in die Zukunft planen», sagte Gemeindeammann Beat Rüetschi in seiner anschliessenden Ansprache. Er unterstrich die geschichtliche Verantwortung von Suhr, einer der ältesten Gemeinden der Region. Als Rüetschi erwähnte, dass ein solches Werk auch ein Symbol für die Eigenständigkeit der Gemeinde sein kann, richtete er seinen Blick wohl nach Rohr.

Der eigentliche Höhepunkt der Vernissage im Untervogthaus in Suhr war dann aber die Enthüllung der Buchdeckel. Das erste Exemplar erhielt Georg Mayer, dem das Buch für seine vielfältigen Verdienste für die Erforschung der Geschichte der Gemeinde Suhr und ihrer Bewohner gewidmet ist.