Ein zweiter Abschied von Marco

Beim Betrachten der Bilder und in Gesprächen war Marco omnipräsent. (Bild: bkr)

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Beim Betrachten der Bilder und in Gesprächen war Marco omnipräsent. (Bild: bkr)

Bilder und Möbel vom verstorbenen Badener Künstler Marco Squarise konnten erworben werden.

Rosmarie Mehlin

Ein halbes Jahr ist vergangen seit dem Tod von Marco Squarise. Die Zeit hat den Schmerz gelindert; die Spuren aber, die er hinterlassen, sind unverändert fühlbar und sichtbar. Mit Andrea Bertozzi, Andreas Binder, Barbara Gebhart, Dani Merk und Marc Perillard haben fünf von Marcos engsten Vertrauten seine Verbindlichkeiten übernommen und seinen Nachlass gesichtet.

«Was geblieben ist, soll bleiben. Bei denen, die mit ihm waren.» Unter diesem Motto waren Freunde und Bekannte am Sonntag und gestern zu einer Verkaufsaustellung geladen in das verwunschene alte Haus, in dem Marco jahrzehntelang gewohnt, gearbeitet, Gäste bewirtet, die üppige Blumenpracht auf der Terrasse gepflegt und in dem auch «Elsa von Brabant» schnurrend Hof gehalten hatte. Sollte aus dem Erlös ein Überschuss resultieren, wird er im Sinne von Marco verwendet werden.

Der hölzerne Esstisch, die Designerstühle, eine alte Truhe, die beiden legendären Beistelltischchen E 1927 «Adjustable Table» von Eileen Gray hatten genauso rasch Käufer gefunden, wie ein ganz grosser Teil der Bilder. Schon nach drei Stunden wimmelte es nur so von roten Punkten. Wer zu spät kam für dieses herrliche Fresco, jenes interessante Aquatinta-Werk, konnte noch immer wählen zwischen leicht mit einer Feder hingeworfenen Skizzen, Lithos der Nilpferde, die Marco mit ebenso viel Schalk wie Fantasie in Baden hatte einmarschieren lassen. Schriftlich hatte Squarise 1992 seine diesbezügliche Sicht der Dinge festgehalten: «Nilpferde sind Menschen wie du und ich . . . Sie repräsentieren oftmals eine gewisse Gradlinig-keit, die aber nicht mit Engstirnigkeit verwechselt werden sollte . . . Natürlich sind sie eher konservativ und auf Konsens bedacht, doch wissen sie trotz tolerantem Wesen und Friedfertigkeit, was sie wollen . . .»

Für Beträge zwischen 50 und 2000 Franken gingen Skizzen und Bilder «zu denen, die mit ihm waren», und von welcher Wolke herunter Marco auch blicken mag - er wird sich gefreut haben über die vielen bewundernden Kommentare. Zwischen diese hat sich aber auch gar so mancher Seufzer gemischt - Seufzer der Erinnerung an Begegnungen, an Gespräche mit dem Künstler und, ganz besonders, mit dem Menschen Squarise. Ein Foto von ihm im Atelier, ein Plakat mit seinem noch jugendlichen Konterfei, über allem Verdi-Arien und Canzoni, im Treppenhaus Fotos von der Pracht auf seiner Terrasse in den verschiedenen Jahreszeiten - da war nicht nur sein Werk, da atmete Marco, war noch einmal ganz nahe.

Auch seine Stimme war zu hören: Auf einem Videofilm kommentierte er den Umzug «allez-retour» von «La Badenfahrt» 1997. Ach ja, Marco und Badenfahrt, Marco und die Festspiele - über 30 Jahre hinweg war das Eine untrennbar mit dem Andern verbunden. Wie stark, wie prägend diese Symbiose war, davon legten an dieser Verkaufsausstellung Plakate, Marcos «Produktionsbücher», Fotos und - ganz besonders - mehrere Videos beredtes Zeugnis ab und weckten ganz besonders viele nostalgische Gefühle: Das Video von der ausgiebigen Berichterstattung vom Schweizer Fernsehen über «Welt statt Baden» ebenso wie die prächtigen Ein- und Anblicke von «Limmat Magic» 1991, ganz besonders aber der sozusagen «offizielle» Film vom 91er-Fest: Der Bürge Sepp, der Pfisterer Thomas, der Streif Klaus - ach, wie jung sie - wir - da doch alle noch gewesen sind!

plötzlich ist alles vorbei, ist der Abschied da für immer. Der Besuch an der Dynamostrasse 21 war ein zweites Abschiednehmen von Marco. Insofern hat er wehmütig gestimmt, aber zugleich die Gewissheit gefestigt, dass Menschen, die man gemocht hat, unauslöschliche Spuren in unseren Köpfen und Herzen hinterlassen.

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