Theater

Ein Theaterspiel aus Gewinnspielen

Die Gruppe «Fux».

Die Gruppe «Fux».

Macht Rubbellose-Rubbeln glücklich?Spielspass als Performance: In «Fux gewinnt» gehen drei Künstler der Logik des Zufalls nach

Schon der Auftakt weist darauf hin, dass es sich nicht um ein konventionelles Theaterstück handelt. In «Fux gewinnt», das am Mittwochabend in der Kaserne Premiere gefeiert hat, tritt das Publikum in den Theatersaal ein und spürt sofort, dass seine Präsenz komplett überflüssig ist.

Auf der Bühne sitzen Nele Stuhler, Stephan Dorn und Falk Rössler, die drei Mitglieder der Gruppe «Fux», an einem rechteckigen WG-Tisch und spielen. Sie rubbeln Rubbellose, lösen Kreuzworträtsel und nehmen an Rockwettbewerben teil. Sie sprechen miteinander, hektisch, fast manisch. «Ich schicke dieses Lied an den Musikwettbewerb!», ruft ein begeisterter Falk. «Ja, zwei Franken habe ich gewonnen!», jubelt eine euphorische Nele. Ein Hufeisen symbolisiert den Aberglauben, der die drei Performer von der sicheren, risikofreien Welt irreversibel trennt.

Wissenschaftliche Legitimität

Da erklärt eine Stimme aus dem Lautsprecher: «Fux hat zwei Monate lang Gewinnspiele gespielt.» Der Grund: Die Gruppe wollte ein Theaterstück ausschliesslich aus Gewinnspiel-Objekten kreieren. Mit minutiöser Präzision erzählen sie von ihren 6149 Spielen, an denen sie im Lauf der zwei Monate teilgenommen haben.

In einer PC-Präsentation werden Grafiken und mathematische Kurven gezeigt, die den Verlauf der acht Wochen dokumentieren. 13 Prozent Spielspass. 48 Prozent Gewinnfreude. Das verleiht dem Experiment einen wissenschaftlichen Hintergrund, was die Zuschauer mehrmals zum Lachen bringt. Auch aus Verwirrung: Was wollen die Drei sagen, wieso geben sie einem derart sinnlosen Unternehmen so viel Wichtigkeit, so viel wissenschaftliche Legitimität?

Abermals finden musikalische Intermezzi ihren Platz, bei denen das Trio fröhlich-melancholische Lieder über das Glück vorsingt, die amüsieren und gleichzeitig für kalte Schauder sorgen. «Ich bin das glücklichste Schwein der Erde», singen Nele, Stephan und Falk mit voller Stimme.

Aber stimmt das? Zeugt das manische Sudoku-Lösen, das krankhafte Rubbellose-Rubbeln von Glück? Düstere Fragen, die sich mit den heiteren Stimmen der Performer beissen. Und wenn die gewonnenen Objekte in gläsernen Theken auf die Bühne geführt werden – Luftbefeuchter, Plüschtiere, Schokobrunnen – und plötzlich anfangen, sich bei laufender Musik von alleine um sich selbst zu drehen, als würden sie auf einer Discofläche tanzen, dann ist klar: Sie sind die wahren Protagonisten des Stücks, während die drei Schauspieler in einem perversen Rollentausch zu dekorativen Gegenständen werden.

«Das macht alles keinen Spass, keinen Spass», singen am Ende des Stücks Nele, Stephan und Falk. Sie sehen vollkommen hypnotisiert aus, in ihrer eigenen parallelen Welt geschlossen, die nur noch aus unwahrscheinlichen Gewinnen, bitteren Niederlagen und mächtigen Adrenalinschüben besteht.

Der amüsierte, und doch verblüffte Zuschauer verlässt den Saal mit der Sehnsucht nach einer Welt, deren Gesetze nicht der trotzigen, betrügerischen Logik des Zufalls gehorchen. Und fühlt sich dabei wie das glücklichste Schwein der Erde.

«Fux gewinnt» ist am Freitag um 19.30 Uhr in der Kaserne Basel, Klybeckstrasse 1, zu sehen.
www.kaserne-basel.ch

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