«Ein sehr sensibles Produkt»

Peter Dürr, Brenn-Experte mit Doktortitel aus Wädenswil, leitete, assistiert von seiner Frau Helen, die Verkostung zum «Schweizer Bier des Jahres», die Öufi-Brauer Alex Künzle (r.) auf die Biertage hin in Auftrag gegeben hatte. (Bild: Urs Lindt)

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Peter Dürr, Brenn-Experte mit Doktortitel aus Wädenswil, leitete, assistiert von seiner Frau Helen, die Verkostung zum «Schweizer Bier des Jahres», die Öufi-Brauer Alex Künzle (r.) auf die Biertage hin in Auftrag gegeben hatte. (Bild: Urs Lindt)

Die meisten der 5000 bekennenden Bierfans werden bis Samstag wegen des Biers nach Solothurn in die Reithalle pilgern. Unter den Gästen der Solothurner Biertage gibts aber auch einige, für die Bier nicht einfach gehopfter Gerstensaft ist. Sondern Braukunst, die es weiterzuentwickeln gilt.

Wolfgang Wagmann

«Für die einen gilt das deutsche Reinheitsgebot von 1516, für die andern ist es Wurst», zeigte schon zur Begrüssung Gastgeber und Öufi-Brauer Alex Künzle auf, dass auch unter den Brauern und Geniessern Gräben bestehen.

Wer sich jedenfalls auf individuelle Geschmäcker beim Biergenuss einlassen will, ist mit den anwesenden 20 Kleinbrauereien in der Reithalle bestens bedient - unter ihnen finden sich Dauergäste, die neben der einheimischen Öufi-Brauerei seit sieben Jahren immer präsent waren: Das Alte Tramdepot Bern gehört ebenso dazu wie eine Burgdorfer Gasthausbrauerei, die Mobile Brauerei Winterthur, das Haslibräu aus Langen-thal, die «Exoten» aus dem Bündnerland, die «Bieraria Engadinaisa» oder die «wilden» Braukünstler der Brasserie des Franches Montagnes in Saignelégier.

Der «Bierprofessor» ist streng

Mit vielen von ihnen hat sich der Wädenswiler Brenn-Experte mit dem Doktortitel der ETH, Peter Dürr, befasst. Hat er doch erstmals die Bewertung des «Schweizer Biers des Jahres» geleitet - ganz nach der Erkenntnis: «So eine Übung muss professionell sein, sonst gibts Krach!» Und so versammelte Dürr am 30. Januar eine interessierte Gemeinde von 25 Bierspezialisten um sich, «mehr als ich erwartet hatte.» Vorerst sei es ums «Trainieren» gegangen.

Ein Drittel waren «Sensoriker», erfahrene Profis, die Produkte mit Gaumen und Nase beurteilen; ein Drittel Brauer, und ein weiteres Drittel «Bier-Freaks», darunter «auch Leute aus Forschung und Entwick-lung». In der Blinddegustation von 80 Biersorten wirkten zuletzt noch ein Dutzend Leute mit, immer in Dreiergruppen mit je einem Vertreter der erwähnten Kategorien. «Wir wollten dem Brauer ein Feedback geben, ob er ein pfiffiges, innovatives und typisches Produkt hat», so Dürr.

Dabei habe man alles angetroffen, von «üblen bis wunderbaren Sachen». Bier sei «ein heikles, sehr sensibles Produkt», und es gebe noch viel Potenzial für die Brauer, sich weiterzuentwickeln. Die Prämierung des «Schweizer Bieres des Jahres» - gewonnen übrigens vom «Weizä» des Liechtensteiner Brauhauses - gab es bisher so nicht, und Peter Dürr will sie noch optimieren.

Nebst der Auszeichnung der besten Biere der Kategorien hell (Sieger «Napf hell»), Spezialbiere («Rugen Spezial hell»), dunkle Biere («Aemme Bier Burgdorf»), aussergewöhnliche Biere («Arabica Degenbräu») und besagtem Liechtensteiner «Weizä» fuhr Alex Künzle grobes Humor-Geschütz für seine Gäste auf: Der einheimische Spitzensatyriker Andreas Thiel äusserte sich geschliffen kaum zum Gerstensaft («Papst Benedikt wird am Samstag Bier in Blut verwandeln»), dafür umso mehr zum Bundesrat, zu Islamisten und den Deutschen - «wenn sich die bewegen, gibts Stau».

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