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Ein rastloses Hinauf und Hinunter

Beeindruckende Kulisse: Das waghalsige, nur für Hartgesottene geeignete «Speed» rückt für einmal sogar das Kloster St. Urban in den Hintergrund.  (eg)

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Beeindruckende Kulisse: Das waghalsige, nur für Hartgesottene geeignete «Speed» rückt für einmal sogar das Kloster St. Urban in den Hintergrund. (eg)

Sie ist und bleibt ein beliebter Treffpunkt: Die St. Urban-Kilbi lockt Marktfahrer und Publikum in Scharen an und wird für die einmalige Atmosphäre gelobt.

Ernst Glur

Jahr für Jahr ist es das gleiche Ritual: Wenn die Schwalben gegen Süden ziehen, dann weht über das luzern-bernische Grenzgebiet von St. Urban und Roggwil der unverwechselbare Duft der Chloster-Kilbi. Beinahe 200 Marktfahrer haben sich mit ihren Fahrgeschäften, Schiessbuden, Bratwurst- und Knoblibrotständen auch diesmal eingefunden. Spielt das Wetter mit, ist diese Kilbi eine einträgliche Station auf der Jahrestournee der Marktfahrer. «Vielleicht», so der Standbesitzer mit den zahnfreundlichen Zuckermandeln, «sind es bald zu viele mit dem gleichen Angebot.»

Trotzdem hat diese Kilbi einen festen Platz im Jahresprogramm vieler Marktfahrer. «Die Atmosphäre, die hier herrscht, ist einmalig», sagt er und folgt mit geübtem Blick seinen potenziellen Kunden. Denn: Rastlos bewegen sich die tausenden von Kilbibesuchen zwischen St. Urban und Roggwil hinauf und hinunter.

Einwandfreies Marketing

Überaus beglückendes bieten die Fahrgeschäfte an: Mehr als ein Dutzend Schausteller hätten sich für einen Lunaplatz interessiert, verrät ein Szenenkenner. Jetzt sind es Rösslispiel, Autoscooter, Saturn und das für Herzkranke, Schwangere und Alkoholisierte verbotene «Speed», wo Bluthochdruck, Rückenschmerzen und Schwindelgefühl zum erstrebenswerten Erlebnis wird und sich die Besucher für fünf Franken die Seele aus dem Leib schreien. Doch echte Kilbistimmung machen erst die mit allerlei Ess- und Trinkwaren, Leder- und Stoffkleidern, Schuhen, Gewürzen, Salben und Spielwaren aufgefüllten Marktstände aus.

Am Nachmittag, als der Andrang gross und grösser wird, wälzt sich das Publikum durch die eng gewordene Strasse. Fortbewegung wird zum eigentlichen Fitness-Check. Buntes Volk bestaunen und bemustern die feilgebotenen Waren. Wer diese an den Mann oder die Frau bringen will, der braucht ein einwandfreies Marketingkonzept. Offen bleibt die Frage, weshalb all die Leute sich an all die Wühltische drängen - so als müssten sie morgen nackt, von Hunger geplagt und barfuss zur Arbeit.

Apfelchüechli und Knoblibrot

Lebendig ist es ebenfalls auf den vielen «Nebenschauplätzen». Bars und Beizen aller Arten werden von den Turnvereinen, den Ringern, den Vogelzüchtern und den Nichtrauchern aus dem Boden, den Scheunen und Werkstätten gezaubert. Entsprechend werden sie auch von ganzen Vereinen, Jahrgängen und Stamm-tischrunden für organisierte Fress- und Saufgelage besucht. Locker kann man dort seinen Obolus entrichten für Raclette, Rösti, Älplermakkaronen, Apfelchüechli und Knoblibrot. Diesen Beizen kann auch das tristgraue Wetter der ersten Kilbitage nichts anhaben. Doch am Sonntag verziehen sich die Wolken grösstenteils und der von den Wetterfröschen angekündigte Altweibersommertag lässt die St. Urban-Kilbi im hellen Sonnenschein erstrahlen.

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