Freilichttheater

Ein munteres Sommerspektakel

Das Aarauer Freilichttheater 2009 auf dem idyllischen Schlossplatz bietet primär Unterhaltung. Autor und Regisseur Peter Voellmy hat eine Bühnenfassung von Jules Vernes Roman «In 80 Tagen um die Welt» geschaffen, die sich sehen lassen darf.

Heinz Bürki

Der reiche englische Gentleman Phileas Fogg, geradezu Exzentriker in Sachen Pünktlichkeit und täglichen Gewohnheiten, wettet mit anderen Mitgliedern des Reformklubs, dass es ihm gelingen werde, in 80 Tagen um die Welt zu reisen. Noch am selben Abend bricht er mit dem neu eingestellten Diener Passepartout auf. In seinem Koffer hat er 200 000 Pfund, um alle Rechnungen sofort begleichen zu können. Sie fahren über Suez in Richtung Bombay.

Kurz vor der Abreise Foggs wurden bei einem Raubüberfall in der Bank of England 200 000 Pfund gestohlen, und der etwas übereifrige Geheimagent Mister Fix glaubt, Fogg als Räuber zu erkennen. Er heftet sich an seine Fersen und will ihn noch auf englischem Hoheitsgebiet verhaften.

Voellmy peilt in seinem Stück - nach Vernes Vorgaben - Kalkutta, Hongkong, Shanghai, Yokohama, San Francisco und New York als weitere Stationen an, bevor Fogg in allerletzter Sekunde sein Ziel, den Reformclub in Liverpool, erreicht und zum Gewinner der Wette erklärt wird. An jedem Ort finden zuerst (oder nur) die Begegnungen von Fogg und Mister Fix mit dem Konsul an dessen Schalter statt. Diese sich stets wiederholenden Szenen mit dem gleichen Text verlieren mit der Zeit an Spannung, die Reaktionen des Publikums werden zunehmend zurückhaltender.

Etwas gar gesucht scheint das vom Autor eingebaute Pärchen auf der Hochzeitsreise. Auf der ganzen Weltreise ist es dabei, die Braut verliebt sich gleich in Foggs Diener. Das zieht ein stetes Gezänke nach sich, bis der gekränkte Ehemann urplötzlich aufgibt.

Spiel auf drei Ebenen

Das Spiel auf drei Ebenen bietet Regisseur Voellmy Gelegenheit für eine lebendige und abwechslungsreiche Inszenierung. Das Reisen im Zug und mit dem Schiff findet zuoberst statt. Auf halber Höhe ist das Lokal der Mitglieder des Reformclubs vor einer riesigen Weltkarte und einem Globus angesiedelt. Alle andern Begebenheiten spielen sich auf der untersten Ebene ab. Als angemessenes Transportmittel fährt mehrmals eine Pferdekutsche (geführt von Caroline Hoerdt) vor. So kann der Zuschauer seine Blicke hin- und herschweifen lassen und erhält immer wieder eine andere Optik über das Geschehen.

22 Mitwirkende auf der Bühne

Als besonders positiv herausgestrichen werden darf, dass in dieser Inszenierung 22 Akteurinnen und Akteure mitwirken, darunter viele neue, die ihre Aufgabe mit grossem Engagement und ungekünstelter Spielfreude angehen. Im Mittelpunkt stehen natürlich Willi Müller als Fogg und Thomas Stürchler als Diener Passepartout, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Müller, der ehrenhafte, pingelige Engländer aus der Highsociety, Stürchler, der quirlige, mit sprühendem Witz gesegnete Franzose. Beide leben ihre Rollen. Monika Urech-Roth, die von ihrem Volk geächtete Witwe Aouda, bringt das Bescheidene, Zurückhaltende und das Schmachten nach Liebe gegenüber Fogg sehr differenziert zum Ausdruck.

Detektiv Fix, nicht eben ein grosser Geist, wird von Bernhard Hehlen mit einer Prise Schalk gegeben. Würdig und adäquat spielen Roland Frey und Heinz Herter (schlüpft auch in die Rolle des bärbauzigen Kapitäns Speedy) die Herren Flanagan und Sullivan vom Reformclub, welche die Wette schliesslich verlieren.

Einen grossen Auftritt mit seinen bekannten Nummern hat Thomy Widmer als Fakir und Feuerzauberer in der von Voellmy eingebauten Zirkusszene. Barbara Lipp und Christian Järmann gewinnen dem Pärchen auf Hochzeitsreise das Bestmögliche ab. Bruno Waeber als Konsul und alle andern Mitwirkenden tragen ebenso zu einem frischen, unterhaltenden Sommerspektakel bei wie der für die Musik zuständige Nico Breuninger. Das Premierenpublikum spendete vierzehnmal Szenen- und einen nicht enden wollenden Schlussapplaus. Gespielt wird bis zum 15. August.

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