Stefanie Niederhäuser

So gefällt es Nik: Die Freundin wechselt er häufiger als seine Kleidung. Mehrere gleichzeitig zu haben, ist für ihn selbstverständlich, sie dürfen sich einfach nicht über den Weg laufen. Exakt zu organisieren, wer wann in der Stadt ist, stellte für den umtriebigen Fotografen bisher wohl die grösste Herausforderung seines Lebens dar. Für Ordnung, Sauberkeit und feines Essen im Penthouse sorgt unterdessen seine Mitbewohnerin und heimliche Verehrerin Anja. Sie ist Nik zu allem gut genug, ausser zu einer Beziehung natürlich. Praktisch, ein solches Leben, nur: Dass das nicht gutgehen kann, ist programmiert. Vor allem, weil es sich bei der dargestellten Situtaion um die Ausgangslage einer Komödie handelt.

Am Theaterabend der Theatergruppe, des Frauenchors und des Feuerwehrvereins Bözberg entführt der Frauenchor die Zuschauer zu Beginn in die 50er-Jahre. Er singt davon, Frauen seien gar nicht kompliziert. Wenig später holt die Theatergruppe das Publikum wieder in die Gegenwart zurück. Und zeigt das Gegenteil: Frauen können sehr kompliziert sein - oder vor allem unangenehm werden.

Unliebsame Überraschungen

Niks Schlamassel beginnt mit einem Telefonanruf - aus Sydney. Es ist Kiki, seine Ex. Sie war vor neun Monaten aktuell. Nik ist kaum beunruhigt - Sydney ist schliesslich weit, weit weg. Bloss: Kiki meldet ihren Besuch an. Und was noch schlimmer ist: Sie kündigt eine Überraschung für Nik an. Nik mag aber keine Überraschungen.

Doch - man ahnt es schon - die nächste Überraschung lässt nicht lange auf sich warten: Reiterin Sabrina, eine weitere Geliebte, schneit zur Tür hinein. Ihr Gaul hat sich verletzt, jetzt muss sie pausieren. Wenn sie schon nicht reiten kann, will sie wenigstens mit Nik zusammensein. «Schöne Überraschung», findet Nik und überlegt fieberhaft, was er nun mit Sabrina macht. Schliesslich soll bald Kiki auftauchen. Und dann ist da noch ein Problem: Die konservative Hausverwalterin Gertrud Müller kommt auf Hausinspektion. Sie dulde keine unsauberen Beziehungen, warnte ihn der Hausmeister mehrfach. Statt dass sich eine Lösung abzeichnet, steigern sich Niks Probleme zunehmend: Die aufgetakelte Kiki verkündet ihm, er sei der Vater ihres Kindes und deshalb verlange sie, dass er sie heirate. Freundin Judith kehrt frühzeitig aus der Toscana zurück, weil sie nicht länger Lust hatte, Touristen herumzuführen, und erklärt dem verzweifelten Nik, sie gedenke nun eine Weile bei ihm zu wohnen.

Die Leidtragende bei dem ganzen Chaos ist Anja. Heimlich in Nik verliebt, wird sie von ihm nur benutzt und herumgeschoben. Als Schwester wird sie der Hausverwalterin vorgestellt. Schliesslich muss Nik ihr glaubhaft machen, dass er mit Anja, die nicht seine Gattin ist, zwar die Wohnung, nicht aber das Bett teile. Der einfachste Grund, Kiki nicht heiraten zu müssen, wäre jedoch, bereits verheiratet zu sein. Also erklärt Nik die verdutzte Anja kurzerhand zu seiner Ehefrau. Schön wärs, findet Anja. Doch: Kann sie womöglich am Ende doch noch Profit aus der ganzen Sache schlagen? Das wäre ihre Chance, endlich an Nik heranzukommen, erklärt ihr dessen Kollege Roger. Ein paar Styling-Tipps und Shopping-Stunden später erscheint Anja also in neuem Outfit. Doch das freut wohl Roger mehr als Nik.

Das ganze Durcheinander macht die Hausverwalterin natürlich äusserst misstrauisch. Ihr ist auf jeden Fall klar: In dieser Wohnung gibt es zu viele Frauen. Ihr klares Urteil: Nik muss raus, und zwar sofort. Da bleibt bloss die Frage, was Journalist Roger im Schilde führt. Sichert am Ende ein brisantes Geheimnis die Bleibe der unverheirateten Eheleute? Oder steht Nik schliesslich doch alleine da?

Unterhaltsames Stück

Das Stück «Chaos im Penthuus» trägt seinen Namen zu Recht. Die arme Anja weiss bisweilen selbst nicht mehr, wer sie eigentlich ist. Und Nik wachsen die Frauengeschichten langsam, aber sicher über den Kopf. Beeindruckend ist da die Leistung der Schauspieler, die selbst im grössten Chaos den Überblick behalten und ihre Rollen sicher und engagiert verkörpern. Unter der Regie von Hansruedi Stutz bringen sie ein Stück zur Aufführung, das vor allem eines will: unterhalten. Frauengeschichten, Zank und Hysterie, Liebe und zahlreiche Irrungen und Wirrungen - das Stück bietet, was man sich unter einem Lustspiel vorstellt. Die Theatergruppe Bözberg trumpft mit einer sorgfältigen, detailreichen Bühnengestaltung auf und viel Liebe zum Detail. Das Surren des Liftes, das meist erneutes Unheil ankündigt, die stimmungsvollen Grossstadt-Bilder und die moderne Einrichtung lassen tatsächlich Penthouse-Stimmung aufkommen.