Buchhandlungen sind die Wohlfühloasen in der Stadt. Typische Aussage einer Kultur-Redaktorin, werden Sie denken. Und die Behauptung nicht wirklich glauben. Selbst wenn Sie selber das auch so empfinden. Aber Sie trauen ihren Mitmenschen nicht die gleiche Wahrnehmung, nicht so viel Kultur zu wie sich selber. Eher glauben Sie den Vorurteilen: Also dass für Männer Elektronikshops als Ersatz oder Fortsetzung fürs Spielzimmer und bei den Frauen Modeboutiquen oder Schuhläden als zweites Zuhause funktionieren.

Nun ist aber wissenschaftlich – oder zumindest per repräsentative Umfrage – erwiesen, dass die These von den Buchhandlungen als Wohlfühloasen stimmt (siehe Grafik rechts). Für Männer und Frauen sowie quer durchs Land (zumindest in Deutschland, wo die Umfrage erhoben wurde). Und selbst für die meist als lesefaul abqualifizierte junge Generation: 64,6 Prozent der 14- bis 19-Jährigen setzten die Buchhandlung auf Rang 1.

Die Chance

Die Ergebnisse sind nicht nur überraschend, sondern eine Riesenchance für eine darbende Zunft. Reden wir also nicht mehr vom Sterben des Buchhandels im Online-Zeitalter, nicht mehr vom Buchläden-Schwund wegen der Abschaffung der Buchpreisbindung, nicht mehr von den Umsatz-Einbussen wegen des zu starken Frankens! Singen wir lieber das Lob auf die Buchhandlung. Natürlich mit der Einschränkung, dass wir damit nicht die gesichtslosen Buchwarenhäuser, nicht die Billig-Auslegware der Kioske meinen. Sondern unseren, den richtigen Buchladen.

Was macht die Wohlfühloase aber aus? Dass in einer Buchhandlung – komprimiert zwischen Hunderten von Buchdeckeln – die ganze Welt Platz findet. Wir stöbernd von einem Leben zum nächsten Schicksal, von einem Land in eine andere Denkwelt gelangen – ohne zu schwitzen, gelassen heiter. Aber auch, dass wir dort die Frauen und Männer treffen, die wissen, was wir mögen, die uns Bücher unterjubeln, von denen wir noch nie gehört haben – und die wir lieben werden. Die uns auf Tischen das auslegen, was sie selber gut finden, und sich also freuen, wenn ihre Favoriten anderen Freude bereiten. Und die uns Fragen beantworten, auf die es im Online-Versand keine Antwort gibt. Dazu kann man wunderbar die anderen Kunden bespitzeln: Was packt der ein? Warum? Ist das gut? Und schon redet man über dies und jenes.

Genau diese Treffpunkt-Funktion, sagen die Forscher, sei ausschlaggebend für das gute Resultat. Sie berichten von initiativen Buchläden, die mit einem Plaudertisch oder einem Lesestuhl samt kühlem Fussbad auf dem Trottoir die Leute zum Verweilen einladen. Oder die mit Lesungen und Diskussionen zu privat geführten Quartier- oder Kleinstadt-Zentren werden – und sich so ihre Akzeptanz und Zukunft richten.