Musical-Theater
Ein Flop und der Veranstalter ist pleite

Weil das Basler Stimmvolk den Stadtcasino-Neubau an der Urne ablehnte, schrieb die Messe Schweiz mit ihrem Musical-Theater Basel Verluste.

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Ein Flop und der Veranstalter ist pleite

Ein Flop und der Veranstalter ist pleite

bz Basellandschaftliche Zeitung

Bojan Stula

Es hätte das Musical mit Biss werden sollen, war dann aber der Reinfall des Jahres. «Dracula» mit Florian Schneider in einer Nebenrolle floppte 2004 nicht nur an der Kasse des Basler Musical-Theaters, sondern zog gleich noch die damalige Produktionsfirma des Zürcher Musical-Produzenten Walter Hitz in den Abgrund. Für die Branche ist dies bis auf den heutigen Tag ein ebenso typisches wie mahnendes Beispiel geblieben. Das Geschäft mit der leichten Unterhaltungskost ist hochriskant.

Hohe Vorinvestitionen

«Eine Grossproduktion setzt Vor-investitionen in siebenstelliger Höhe voraus», sagt Peter Holenstein, der für das Musical-Theater verantwortliche Spartenleiter der Messe Schweiz. Wer diesen im Voraus geleisteten Betrag durch den Ticketverkauf nicht wieder reinholen kann, setzt sein ganzes Unternehmen aufs Spiel. Holenstein: «Produktionen im Musical-Theater Basel sind immer eine sehr teure Angelegenheit.» Das war auch der Hauptgrund dafür, dass die Messe seit 1998 mit dem Freddy Burger Management (FBM) eine der grössten und wichtigsten Vermarktungsagenturen des Landes für das Musical-Theater angebunden hat. Die gute internationale Vernetzung, aber eben auch die finanzielle Abstützung von FBM erlauben mehr Spielraum bei der Auswahl geeigneter Produktionen. «Freddy Burger erträgt ab und zu auch Taucher wie ‹Saturday Night Fever›, das beim letzten Mal unter den Erwartungen blieb», sagt Peter Holenstein, «ohne dass es gleich die ganze Organisation in den Abgrund reisst.»

Rentabilität infrage stellen

Wer das offizielle Jahresprogramm 2010 des Basler Musical-Theaters betrachtet, muss die Rentabilität des ganzen Betriebs infrage stellen. Neben dem Jahreshöhepunkt, dem Abba-Musical «Mamma Mia!» vom 13. April bis 30. Mai, ist derzeit nur noch das Comedy-Musical «Die Patienten» von Marco Rima vom 25.November bis 5.Dezember als Fixpunkt aufgeführt. Wie können diese achteinhalb Wochen Bespielung eine ganze Jahresbilanz retten? Peter Holenstein relativiert: «Noch ist nicht das ganze Jahresprogramm fixiert. Zuletzt war das Musical-Theater an 120 bis 150 Tagen im Jahr ausgebucht.» Wenn man bestimmte unbespielbare Zeiträume wie die Fasnacht abziehe, sei das kein allzu schlechter Wert. «Die Auslastung ist befriedigend, aber gewiss nicht euphorisch», bilanziert Holenstein im Namen des Eigentümers Messe Schweiz.

Seitens des wichtigsten, aber keineswegs einzigen Vermarktungspartners des Musical-Theaters Basel klingt das Ganze – naturgemäss – optimistischer: «Natürlich kann man sich immer eine noch bessere Auslastung wünschen», sagt Markus Simmen, der Geschäftsleiter Basel des Freddy Burger Management. Aber angesichts der Verfügbarkeit freier Termine und des knappen Angebots auf dem Markt internationaler Musical-Produktionen sei die Auslastung des Basler Standorts gut. Auch sei die Ausgangslage wegen des Einzugsgebiets im ganzen Dreiländereck mit starker Ausrichtung nach Deutschland und Frankreich eine andere als etwa in Zürich. «Es braucht immer ein ganz genaues Abwägen, welche Produktionen das Potenzial haben, im knapp 1600 Plätze umfassenden Musical-Theater ein Publikumserfolg zu werden», erklärt FBM-Geschäftsleiter Simmen.

«Nur erstklassige Produktionen»

Seitens der Messe Schweiz unterstreicht Peter Holenstein, dass man im Basler Musical-Theater nur erstklassige Produktionen der A-Kategorie haben möchte. Weil die Infrastruktur des modernen Theaterhauses kostspielig ist, müssen die Eintrittspreise entsprechend hoch angesetzt werden. «Und da wollen wir nicht das potenzielle Publikum mit Billigproduktionen enttäuschen. Wer ins Musical-Theater geht, soll die Gewissheit haben, dass ihm das Beste vom Besten geboten wird», umschreibt Holenstein das Konzept. 2009 erfüllten Produktionen wie «West Side Story», «Rain – A Tribute to the Beatles» oder die einmaligen Auftritte von Patricia Kaas mit «Kabaret» und Roberto Benigni mit «Tutto Dante» diese Vorgabe. Natürlich könnte man – übertrieben gesagt – auch freie Termine mit «Brasskonzerten von Musikgesellschaften» füllen, doch würden dann laut Holenstein weder Aufwand und Ertrag noch die eigenen Ansprüche übereinstimmen.

Unvorhergesehene Faktoren

Manchmal spielen aber auch unvorhergesehene Faktoren eine Rolle. So hätte das Geschäftsergebnis der beiden Vorjahre weit besser ausfallen können, wenn nicht 2007 das Basler Stimmvolk den Stadtcasino-Neubau an der Urne abgelehnt hätte. Für den Fall des Neubaus hatte die Casino-Gesellschaft bereits lange im Voraus zahlreiche Ausweichtermine für Orchesterproben und Aufführungen im Musical-Theater reserviert. Als die Abstimmungsniederlage an der Urne feststand und die Ausweichtermine hinfällig wurden, war es für anderweitige Belegungen bereits zu spät.

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