Dornach

Ein eher ungewöhnliches Wohnzimmer

Präsidentin Dorothea Deimann fördert im Haus Julian den Austausch von Kunst und sozialen Anliegen. Die Architektur des Raumes ist dabei auch ein Highlight.

Präsidentin Dorothea Deimann fördert im Haus Julian den Austausch von Kunst und sozialen Anliegen. Die Architektur des Raumes ist dabei auch ein Highlight.

Der «KunstRaumRhein» zog vor einem Jahr von Basel in das Haus Julian in Dornach, nahe beim Goetheanum.

Der Raum alleine ist schon einen Besuch wert. 1986 erbaut, zeugt das Haus Julian an der Dorneckstrasse in Dornach von weitsichtiger Architektur, die auch nach 30 Jahren eine einzigartige Atmosphäre schafft. Die Decke leitet den Besucher vom Eingang wellenförmig nach vorne zur grossen Fensterfront mit Blick auf die Terrasse und weit über das Birseck und die Stadt Basel hinaus. Abgewinkelte Wände bieten die Möglichkeit, Kunst auf verschiedenste Art und Weise zu präsentieren.

Es war für den 2006 gegründeten «KunstRaumRhein» ein Umzug aus dem teils hektischen Basel – mit Zwischenstationen an der Uferstrasse und dem Schifferhaus in Kleinhüningen – hinaus ins ruhige, beschauliche Gebiet um das Goetheanum hoch über Dornach. Die Schönheit der Umgebung und des Raums birgt aber auch Gefahren, ist sich Präsidentin Dorothea Deimann bewusst. «Die Kunst besteht darin, vor lauter Schönheit nicht einzuschlafen.» Der KunstRaumRhein ist eine freie und gemeinnützige Initiative, die ihren Sitz weiterhin in Basel hat. Geführt wird er von Präsidentin Dorothea Deimann und Geschäftsführer Simon Mugier. Der KunstRaumRhein ermöglicht verbindend Freiräume für Kunst, Wissenschaft und soziale Arbeit. «Wir wollen diese Themen und betreffende Menschen hier zusammenführen», betont Deimann. Die auch an der Universität Basel gehaltenen öffentlichen Forschungskolloquien sind neu an Ort und Stelle im Haus Julian möglich. Sie bilden einen Schwerpunkt neben den sozial- und geisteswissenschaftlichen Texten, DVD-Produktionen sowie literarischen Publikationen.

Gefühl für Raum und Kunst

Das Haus Julian wurde vom Goetheanum erbaut und vor Jahren an die Stiftung Edith Maryon verkauft. Unten wohnen Studenten, oben sorgen Dorothea Deimann und ihr Team in einem für sich schon bestimmenden Raum für einen lebendigen Austausch von Kunst und Gesellschaft. Für die Künstler, die hier ausstellen, bietet der Raum für das eigene Schaffen ein grosses Potenzial, stellt aber auch eine ebenso grosse Herausforderung dar. «Man kann den Raum nicht nur mit Kunst anfüllen, sondern muss ihn mit den Arbeiten in eine gelungene Korrespondenz bringen», erklärt Deimann. Doch dafür brauche es ein gutes Gefühl für den Raum, der an sich schon in seiner Stille eine kraftvolle Ausstrahlung hat. Geschafft wurde dies auch aktuell mit den Bildern des Malers Sascha Dejanović, die an den gewinkelten Wänden hervorragend zur Geltung kommen.

Der KunstRaumRhein ist aber weit mehr als das blosse zur Verfügung stellen von Räumlichkeiten. Er soll zudem Gelegenheit bieten für den Austausch mit zeitgenössischen Kontexten. Der KunstRaumRhein will auch im ländlichen Dornach am Puls der Zeit sein. Die Internationalität um das Goetheanum biete dazu eine willkommene Chance. Gerade in der aktuell schwierigen politischen und humanitären Situation. «Es geht uns schlussendlich um ein Weltinteresse», so Deimann. Dazu gehört mit der Initiative «Tarok» soziales Engagement für Menschen und insbesondere für Kinder, die aus Not und oftmals traumatisiert in die Schweiz kommen. Diese Reichhaltigkeit an Themen und Tätigkeiten kann herausfordernd sein, ergänzt sie. «Wir wollen die Vielfalt erhalten, ohne gesellig und beliebig zu werden.» Der Raum werde sich mit dem hier Gelebten entwickeln, ist sie überzeugt.

Musik, Lesungen und Seminare

Der KunstRaumRhein im Haus Julian ist halb-öffentlich. 80 Menschen finden darin Platz. Soiréen mit Lesungen, Musik, aber auch Fachseminare und Versammlungen sollen ihn neben der Kunst beleben. Auch Kulinarisches findet seinen Platz, wenn Dorothea Deimann Veranstaltungen mit fantasievollem Catering begleitet. Das einzigartige Ambiente bezeichnet sie als «Intimraum», als «grosses, besonderes Wohnzimmer».

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