Walter Christen

In der Region der heutigen Gemeinde Frick lebten einst Dinosaurier. Nachdem in den letzten Jahren diverse versteinerte Urechsen in der Tongrube entdeckt wurden (vgl. Bericht auf Seite 3), gilt der Fund eines Raubsauriers in Frick als Sensation.

Das erste Raubdinosaurier-Skelett der Schweiz wurde gestern Donnerstag der Öffentlichkeit präsentiert und überreicht. Die versteinerten Knochen und ein Modell des Raubsauriers sind ab sofort im Sauriermuseum in Frick zu sehen (Primarschulhaus, jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr).

Gemeinderätin Heidi Birrer stattete im Namen des Gemeinderats und der Saurierkommission den Dank ab für die gelungene Darstellung des Präparats mit dem ausgestellten Modell des Raubsauriers.

Skelett 2006 entdeckt

Im Frühjahr 2006 wurde im Späten Trias in der Tongrube Frick das Skelett des Urtiers entdeckt. Das an der Universität Zürich wissenschaftlich untersuchte Fossil (mit Mageninhalt) hat nun in der Schausammlung des Sauriermuseums seinen definitiven Standort erhalten. «Das Spezielle an diesem Fund: Der Mageninhalt enthält die letzte Beute des Raubsauriers, eine Brückenechse», erwähnte Winand Brinkmann vom Paläontologischen Institut und Museum der Universität Zürich bei der gestrigen Präsentation des Sensationsfundes im Sauriermuseum der Gemeinde Frick.

Der gut 200 Millionen Jahre alte Raubdinosaurier wurde in der Tongrube Gruhalde der Tonwerke Keller AG direkt unterhalb der Trias/Jura-Grenze unter der Leitung von Ben Pabst ausgegraben. «Mit dieser Entdeckung ist das Vorkommen fleischfressender Dinosaurier im Erdmittelalter im Gebiet der heutigen Schweiz erstmals durch einen umfangreichen Skelettfund eindeutig belegt. Das Beste, das die Schweiz in Sachen Dinosaurier zu bieten hat, befindet sich in Frick», stellte Brinkmann erfreut fest, und Gemeindeammann Anton Mösch nickte zustimmend.

Raubsaurier sehr selten

Raubdinosaurier aus der Späten Trias sind nicht nur in Europa, sondern weltweit sehr selten. Nach Angaben von Winand Brinkmann sind von Europa aus diesem Zeitabschnitt meistens nur fragmentarische Skelettreste sowie einzelne Knochen und Zähne dieser fleischfressenden Reptilien überliefert. Beim Fricker Raubdinosaurier, von dem nicht nur der Rumpf, der vordere Schwanzbereich und die Vorderarme, sondern auch der Mageninhalt bekannt sind, handelt es sich um einen der bisher besten Funde überhaupt.

Der vom Hobbypaläontologen Michael Fischer aus Basel entdeckte Dino hatte in seiner ursprünglichen Form eine Grösse von 2,5 Metern und gehört zur Familie der Coelophysidae. Offene Knochennähte an den Wirbeln sowie am Schulter- und Beckengürtel weisen darauf hin, dass dieses Individuum noch nicht vollständig ausgewachsen war. Die Morphologie (Lehre der Gestalt) und die Anordnung der vorderen Schwanzknochen sowie die schmale Beckenpassage zeigen, dass es sich bei diesem Raubdinosaurier um ein Männchen gehandelt hat.

Brückenechse gefressen

«Mit dem überlieferten Mageninhalt kennen wir die letzte Mahlzeit des Fricker Raubsauriers und damit einen Teil seines Beutespektrums. Im Mageninhalt finden sich Knochen und Zähne einer 30 Zentimeter langen Brückenechse Clevosaurus. Noch heute kommen solche Brückenechsen mit der 60 Zentimeter langen Gattung Sphenodon auf einigen neuseeländischen Inseln vor. In der Späten Trias, in der alle Landmassen der Erde in einem Superkontinent vereinigt waren, hatten Brückenechsen, wie auch Dinosaurier, eine weltweite Verbreitung», so Brinkmann.

Für Gemeindeammann Anton Mösch ist der neuste Saurierfund erfreulich: «Unser kleines, aber feines und in Fachkreisen international bekanntes Museum erfährt dadurch eine weitere Aufwertung.»

Aus dem Aargauer Lotteriefonds erhält Frick während der nächsten vier Jahre insgesamt 200 000 Franken als Beitrag an die Grabungskosten.