«Jemand muss ein Buch spürbar vertreten können», sagt die Verlegerin, «die Kraft eines Buchs vergegenwärtigen, sie erkennen lassen. Und es dann auch verantworten.» Anne Rüffer blickt auf ihren Cheflektor, Felix Ghezzi, von Haus auf Germanist. Ghezzi sagt: «Für gute Texte muss man viel tun. Aber gute Texte haben eine Chance. Als Sachbuch-Verlag fühlt man sich unweigerlich verschwistert oder verwandt mit Literatur, zumal wenn man auf sprachlichen Ausdruck hohen Wert legt. Irgendwann wurde uns dann einfach klar: Wir können das.» Die Sicherheit dieser Selbsteinschätzung äussert sich, nur auf ersten Blick paradox, wohl auch in diesem Aperçu von Anne Rüffer zur Tätigkeit von Buchverlagen, früher schon und heute noch: «Ein Buch zu lancieren, ist jedes Mal wie ein Besuch im Casino, um alles auf die Zahl 21 zu setzen.»

Beiden, Verlegerin und Cheflektor, das zeigt sich im Gespräch, ist Literatur Teil des eigenen Wesens. Ghezzi unterhält einen lesenswerten Blog und veranstaltet im Zürcher Zentrum Karl der Grosse literarische Soireen. Anne Rüffer publizierte 2015 in einem deutschen Verlag den Roman «Fräulein Franzen besucht das Glück»: «Eine wunderbare Milieu- und Charakterstudie», schrieb damals die Rezensentin der «NZZ».

Gleiches trifft gewissermassen nun auf den ersten Roman zu im Haus Rüffer&Rub: Dagmar Schifferlis «Wegen Wersai». Auch das eine Milieustudie, aus der Schweiz der 60er-Jahre. Dagmar Schifferli war zunächst die Autorin eines Sachbuchs von Rüffer & Rub: die Neuauflage der Biografie über Anna Pestalozzi. Genauso möchte es der Verlag vorderhand weiter halten. Felix Ghezzi sagt: «Wir wollen uns für bekannte Autoren engangieren, die auch literarisch eine aussergewöhnlich bedeutsame Stimme haben.» Das Wagnis Literatur nach achtzehn Jahren umsichtiger Arbeit als Sachbuchverlag: Das hat Branchenbeobachter überrascht, weil R&R stets sagte, die Hände davon zu lassen; anderseits auch nicht, weil hier die Sprache stets Teil der Essenz war.