Es gibt viele Bonmots aus Sketches von Emil Steinberger. Ein unvergessliches lautet: «Fahren mit Hut ischt immer gut!» Das ist im doppelten Sinn ironisch zu verstehen, denn historisch betrachtet hat das Auto den Hut begraben. Zumindest beinahe. Denn während unsere Grossväter noch selbstverständlich Hüte trugen, so verschwand er in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend aus dem Alltag. Auch, weil der Hut beim Autofahren im Weg war. Er wurde vom selbstverständlichen zum umständlichen Accessoire.

Der Hut, ein Kleidungsstück aus einer längst vergangenen Zeit also? Dem widerspricht Laura Sinanovitch vom Spielzeug Welten Museum. Und sie belegt dies mit einer eindrücklichen Sonderausstellung: Das Museum am Barfüsserplatz präsentiert derzeit an die 300 Hüte.

Der Hut als Kulturgut

Die Mehrheit davon sind Designerkreationen aus der Gegenwart. Und diese stehen im Kontrast zu den schlichteren Modellen aus dem 19. Jahrhundert, die mitunter rein funktional waren, vor Kälte oder Regen schützten. Doch Hüte waren immer auch symbolbeladen, markierten etwa einen Stand. So signalisierte die Kopfbedeckung bei Frauen einst, ob sie verheiratet waren oder nicht. Daher auch der Ausdruck «Unter die Haube kommen». Einst galt die Haarpracht einer Frau als aufreizend, weshalb sie nach der Heirat unter einer Haube «versteckt» werden musste.

Aufreizend, ja, extravagant sind viele Hutkreationen, die im Spielzeug Welten Museum hinter Vitrinen aufgereiht sind. Längst vorbei die Zeit, als sich die Formen glichen und Grautöne dominierten. Auch was die Materialien angeht, gilt bei den Modisten heutzutage das Motto: The sky is the limit.

Die US-amerikanische Designerin Heidi Lee etwa, die eigens zur Vernissage angereist ist, präsentiert unter anderem ihren «Echo Hat» aus dem Jahr 2014. Er besteht aus acht überlappenden Gesichtern, die sie mit Hilfe eines selektiven Laserverfahrens aus Nylon kreiert hat. Ursprünglich habe sie den Hut mit Holz umsetzen wollen, sagt sie, doch wich sie aufgrund der Brüchigkeit auf flexibleres Material aus. Heidi Lee schuf den Hut am Computer, mit Hilfe eines 3D-Druckers. Der Preis ihres «Echo Hat»: 1 500 Dollar. Auf die Frage, wer zu ihren Kundinnen zählt, erwähnt die New Yorkerin vertraute Namen: Madonna, Lady Gaga oder Missy Elliott.

Kopfschmuck für Popstars

Popstars wie diese sind denn auch mitverantwortlich für die Renaissance des Hutes. Früher Alltagsobjekt, wird er heute als Kopfschmuck getragen: Auf der Bühne, im Film, auf dem Laufsteg.

Ein bisschen bedauerlich, dass dies in der Ausstellung nicht veranschaulicht wird: Die Hüte sind auf gesichtslose Köpfe drapiert. Eine Einbettung in einen anderen Kontext, etwa durch begleitende Fotos oder Zeitschriftencovers, findet nicht statt. So vielfältig und extravagant die Exponate sind, wirkt deren Inszenierung daher statisch.

Zum Glück aber vermitteln die Saaltexte wertvolle Hintergrund-Informationen zu den Exponaten. Ansonsten stünde man reichlich ratlos vor Exponat Nummer 160, das mit – kann das sein? – Ratten bestückt ist. «Thoughts» heisst das Modell, Iris Schieferstein hat es 2013 gefertigt. Und, ja, sie hat dafür die Haut von toten Ratten zusammengenäht. Eine Spezialität dieser deutschen Designkünstlerin, die seit Jahren solche Rohstoffe für ihre Kunstobjekte verwendet und dem Tod damit ein neues Antlitz gibt.

Fürchterlich faszinierend. Weitaus verträglicher wirken da die seidenen Kreationen von Eugenie van Oirschot: kleine architektonische Meisterwerke, deren Konstruktion auf Mathematik beruht. Van Oirschot ist nicht die einzige niederländische Designerin in dieser Sonderausstellung. Kein Zufall: Die Niederlande gelten als Huthochburg. Warum eigentlich? «In Ländern mit Königshäusern hat der Hut einen sichtbar höheren Stellenwert», erklärt Museumsdirektorin Laura Sinanovitch.

Allen voran in Grossbritannien, wo nicht nur an Hochzeiten der Royals der Hut ins Rampenlicht gerückt wird. Der Schotte John Boyd entwarf 75 Jahre lang prämierte Hüte. Für diese Schau stellte sein Haus zwei Exklusivitäten her, der Maestro segnete sie noch ab – kurz vor seinem Tod. Auch seine berühmteste Kundin lebt nicht mehr: Sie hiess Diana Spencer, besser bekannt als Princess of Wales.

«Mut zum Hut»: Spielzeug Welten Museum, Basel. Die Ausstellung läuft bis 7. April 2019.