Sie sind mit Theatermann Walter Küng verantwortlich für die szenisch-musikalische Produktion an der Jubiläumsveranstaltung. Was können wir erwarten?

Christoph Baumann: Es ist ein über 60-minütiges multimediales Spektakel. In fünf Teilen thematisieren wir die Entstehung und die Entwicklung des Kuratoriums. Wir bespielen drei Ebenen: Welt, Schweiz und Aargau. Es beginnt in der beschaulichen, kadettenseligen, unbeweglichen Idylle der späten 60er-Jahre, wo sich im Hintergrund das Gewitter einer Revolution aufbaut. 1968 und die Rockrevolte zertrümmern diese Idylle und lösen auch im Aargau jene Debatten aus, die dann zum Kulturgesetz und zur Gründung des Kuratoriums führten. Im dritten Teil, in den 70er-Jahren, explodiert die Kulturszene. Im vierten Teil werden die Entwicklung der Förderungspolitik und die verschiedenen Sparten präsentiert und im letzten Teil herrscht ein babylonisches Tohuwabohu, ein Zustand der allgemeinen Verwirrung, welcher überraschend aufgelöst wird.

Die Produktion ist sehr aufwendig und ambitioniert. Wird sie wirklich nur einmal aufgeführt? Wäre es nicht sinnvoll, wenn man damit in die Öffentlichkeit ginge und die Produktion nicht nur der Polit- und Kulturelite zeigen würde?

Zunächst ist vorgesehen, dass die Produktion nur einmal gezeigt wird. Aus Künstlersicht wäre es aber sicher zu begrüssen, wenn das Stück einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Eine Diskussion, die wir nach der Ur-aufführung gern aufnehmen. Natürlich ist es auch eine Kostenfrage. Bei rund 130 Beteiligten ist die Produktion nicht ganz billig. Jetzt wird sie erst mal 700 Leuten gezeigt. Die Jubiläumsveranstaltung ist ausgebucht. Und natürlich sind das in erster Linie die politischen und kulturellen Insider. Eine Dokumentation ist aber auf jeden Fall vorgesehen.

Sie waren Kurator und wurden als Musiker auch immer wieder vom Kuratorium unterstützt. Wann haben Sie zum ersten Mal vom Kuratorium profitiert?

Das weiss ich nicht mehr genau. Es muss irgendwann in den 80er-Jahren gewesen sein. Seither wurde ich immer wieder mal unterstützt. Mit einem Atelierbesuch, mit einem Werkjahr und mit Beiträgen zum künstlerischen Schaffen. Aber wenn das Kuratorium mit meinen Projekten nichts anfangen konnte, habe ich auch mal nichts gekriegt. Damit muss man leben.

Wie hat sich das Kuratorium verändert?

Die Struktur, die Abläufe und die Kommunikation wurden professionalisiert. Dazu wurde das Eingabeverfahren für die Künstler aufwendiger. Aber das macht durchaus Sinn, denn dadurch können die Eingaben besser beurteilt werden. Weiter ist es mit den digitalen Möglichkeiten einfacher geworden, sich ein umfassendes Bild einer Künstlerin oder eines Künstlers zu machen. Als Kurator kommt man besser und schneller an die nötigen zusätzlichen Informationen heran.

Wie hat es sich inhaltlich verändert?

Als ich im Kuratorium war, von 2012 bis 2017, haben wir erreicht, dass in der Musik gleiche Leistung gleich gefördert wird. Dieses Prinzip war lange nicht gewährleistet. Das heisst: Klassische Musiker haben lang ein Vielfaches eines Rock- oder Popmusikers erhalten. Wir haben uns erlaubt, die historisch gewachsenen Strukturen zu brechen und für Gleichberechtigung zu sorgen. Danach hat sich der Förderungsbeitrag unabhängig von der Sparte nach der Anzahl Konzerte oder Beteiligten gerichtet. Das ist zuerst nicht gut angekommen und hat sich aber inzwischen bewährt.

Wie steht es um die Unabhängigkeit des Kuratoriums vom Kanton?

Ich könnte mir eine noch schärfere Trennung von Kanton und Kuratorium vorstellen. Das grössere Problem ist aber, dass das Kuratorium immer mehr Bedürfnisse abdecken muss, seit acht Jahren aber ein gleichbleibendes oder sogar kleineres Budget hat. Das ist eine sehr rigorose Sparmassnahme. Man subventioniert lieber Zuckerrüben als Kunst und Kultur.

Es gibt eine Tendenz vom Kuratorium zum Swisslos-Fonds. Also eine Tendenz vom unabhängigen zum staatlich kontrollierten Gremium. Wird dadurch das Kuratorium nicht zunehmend marginalisiert und die Kultur vom Staat vereinnahmt?

Das ist nicht ganz so. Das Kuratorium ist immer noch ein unabhängiges Gremium, wird aber finanziell zunehmend beschnitten, auch versuchen immer wieder Politiker und Politikerinnen inhaltlich dreinzureden, was aber zum Glück von einer weisen Gesetzgebung verhindert wird. Absurd ist eher, dass der Swisslos-Fonds über viel mehr Geld verfügt als das Kuratorium, aber nur zwei Leute plus anschliessend der Regierungsrat über die Vergabe entscheiden. Dagegen hat das Kuratorium elf Kuratoren, die über die Vergabe von viel weniger Geld entscheiden. Es müsste genau umgekehrt sein. Das Kuratorium müsste einfach mehr Geld haben.

Die Fachstellen sind vom Kanton angestellt. Wie ist hier die Beziehung zum Kuratorium?

Offiziell haben die Fachstellen nichts zu sagen. Aus meiner Sicht sollen sie aber schon mitdiskutieren und Impulse geben. Das machen sie auch. Jürg Morgenegg von der Fachstelle und Präsident Hans-Jörg Zumsteg haben das zu meiner Zeit sehr gut gemacht. Das ist spannend und aus meiner Sicht zulässig.

Aber abstimmen dürfen die Fachstellen nicht?

Nein, auf keinen Fall. Das wäre juristisch unhaltbar. Damit würde die Unabhängigkeit des Kuratoriums gebrochen. Diese Unabhängigkeit ist zentral, die Raison d’être, sie darf nicht ausgehebelt werden. Das Kuratorium würde sich sonst überflüssig machen.
Sie waren Geldgeber und Geldnehmer. Wie haben Sie das gehandhabt?
Während meiner Kuratoriumszeit hab ich bewusst nie Eingaben gemacht, ich wollte diesen Interessenkonflikt umgehen.