Zu den Manuskripten gehört die früheste bekannte Fassung von Friedrich Dürrenmatts Theaterstück "Der Besuch der alten Dame". Darin ist ersichtlich, dass der Autor den Namen der Hauptfigur Claire veränderte: Zuerst nannte er sie, in Anlehnung an einen Erdölkonzern, Schell, wie Ulrich Weber, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim SLA, am Dienstag an einer Medienkonferenz sagte.

Im Archiv finden sich auch persönliche Briefe Dürrenmatts an den Verlagsgründer Peter Schifferli. Der Schriftsteller schreibt etwa, seine Arbeit werde "zu einer schaurigen Last." Die Materialien lieferten wertvolle Informationen über Dürrenmatt, sagte Weber.

Aus dem Schriftverkehr zeige sich zum Beispiel, dass der Autor und sein Verleger ein freundschaftliches Verhältnis hatten. Deshalb habe Dürrenmatt der "Arche" lange die Treue gehalten, obwohl dies ökonomisch nicht die beste Lösung gewesen sei.

Die Archivübernahme sei ein ganz besonderer Glücksfall, sagte Irmgard Wirtz Eybl, die Leiterin des SLA. "Die Arche schien verschollen zu sein." Die Söhne Schifferlis, Christoph und Lorenz, hätten sie aber nicht untergehen lassen. Sie bewahrten die Materialien privat auf und verkauften den Bestand dann dem SLA.

Einzelverkauf wäre lukrativer

Wie viel das SLA bezahlt hat, wollte Wirtz Eybl im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda nicht sagen. Jährlich stehe für Übernahmen eine Summe von 500'000 Franken zur Verfügung. Damit würden vier bis sechs Nachlässe erstanden.

Finanziell entschädigt wurde bei dem Erwerb des "Arche"-Materials nur jenes von Dürrenmatt. Die anderen Bestände, wie etwa Illustrationen des Zeichners Hervé oder auch Texte deutscher Autoren, sind eine Schenkung.

Die Erben hätten bewusst nicht nach und nach einzelne Filetstücke auf den Markt gebracht, sagte der Zürcher Antiquar Peter Bichsel, der den Verkauf einfädelte. "Dies wäre zwar lukrativer, aber unverantwortlich gewesen." Die Bedeutung des Gesamten liege in diesem Fall über der Summe eines Einzelstücks.