Geschichten leben länger als Menschen. So auch die von Mackie Messer und seiner Braut Polly. Bertolt Brecht hat die Bettleroper 1928 zur «Dreigroschenoper» umgeschrieben. Der Stoff war da schon 200 Jahre alt und seine Aussage klar: Die Kapitäne des Finanzkapitals kommen ungeschoren weg, während die kleinen Ganoven am Galgen enden. Brecht glaubte daran, dass der Mensch eines besseren belehrt werden könnte. Gerade durch das Theater.

Regisseur Dani Levy inszeniert den Stoff 90 Jahre später am Theater Basel. In einer Zeit, in welcher selbst der Präsident der USA einer Gauneroper entsprungen scheint und sich als pathologischer Narzisst outet. Folgerichtig schickt Levy die durch Gier geschädigten Kapitalisten in eine futuristische psychiatrische Klinik. Unter weitem Sternenhimmel dreht sich ein japanischer Garten um einen Kurpavillon (Bühne Jo Schramm). Hier sollen die Kapitalisten durch das Theaterspiel geheilt werden.

Das schwere Erbe mit den Erben

Dieser doppelte Boden wär ein Steilpass, um neurotische Manager und ihre Psychologie der Gier vorzuführen. So weit gehen Levy und das Ensemble nicht. Oder sie dürfen nicht. Denn Brechts Erben pochen bei der Vergabe der Rechte mit Argusaugen auf Werktreue. Es darf weder umgeschrieben noch wesentlich erweitert werden. Im Grunde das Gegenteil der Basler Dramaturgie, die ja davon lebt, solche Stoffe im Hier und Jetzt neu zu verankern. 

Levy und das Ensemble drehen den Stoff ins klamaukig Groteske. Die schrillen Kostüme mit überlangen Ärmeln sind die Zwangsjacken der Managerinnen und Manager. Die Basler Sinfonietta sorgt für musikalischen Drive. Zumal Kurt Weills Lieder die Zeit gut überstanden haben. So dürfen die echten Wirtschaftskapitäne und ihre Gattinnen im Publikum getrost schmunzeln: Dem kapitalismuskritischen Haifisch wurden die Zähne gezogen.

«Die Dreigroschenoper». Theater Basel.