Callas in Dornach

Diva ist ein schrecklicher Beruf

Barbara Grimm spielt Maria Callas. Bild  Ilja Mess

In der Hölle der Diva.

Barbara Grimm spielt Maria Callas. Bild Ilja Mess

Wer wissen möchte, wie Maria Callas über Kunst dachte, sollte «Master Class» im Neuen Theater in Dornach besuchen.

«Sie war das letzte Märchen», schrieb Ingeborg Bachmann über Maria Callas. Und wie eine Märchenfigur ist «La Divina» auch 40 Jahre nach ihrem Tod der Inbegriff der Oper. Am Neuen Theater in Dornach ist dieses Wochenende eine interessante Hommage an die griechische Operndiva zu sehen. Dieter Kaegi, Intendant am Theater Biel-Solothurn, hat sie inszeniert. Das Gastspiel in Dornach markiert den Beginn einer neuen Zusammenarbeit zwischen den Häusern. Deren Ziel ist es, die beiden Solothurner Theater und damit auch die kantonale Szene besser zu vernetzen. Im Stadttheater Solothurn war diese Saison die Dornacher Produktion «Fleisch und Blut» zu Gast. Für die Saison 2017/18 ist wiederum ein Austausch geplant.
Aber zurück in die Sphären der Operndiva. 1971 und 72 gab die Callas in New York zwei Meisterklassen. Von diesen existieren 72 Stunden Tonbandaufnahmen. Mit dabei war damals der Autor Terrence McNally. Sein Stück «Master Class» ist die theatralische Dokumentation dieser Unterrichtsstunden und gleichzeitig ein intimes Porträt der Sängerin.

Kunst ist gnadenlos

In Kaegis Inszenierung wird das Theater selbst zum Auditorium der «Master Class». Zwei junge Sängerinnen, ein Sänger sitzen in den Reihen. Das Publikum ist mitgemeint, wenn die Meisterin sagt: «Ihr da unten seid alle bloss Durchschnitt.» Die drei Aspiranten auf eine Opernkarriere werden hier alle die Rolle des «Opfers» spielen und sich dem Urteil des Stars stellen. Ein Pianist begleitet sie, ein Techniker hat die Spezialwünsche der Divina zu erfüllen. Und endlich kommt sie: In einem roten Hosenkleid, markante Brille auf der markanten Nase, die Haare streng zurück gebunden. Barbara Grimm ist nicht nur von der physischen Erscheinung her eine Idealbesetzung.

Auf Zack beginnt der Unterricht für die junge Koreanerin. Aber es wird eine gefühlte halbe Stunde dauern, bis sie endlich ihre Arie vortragen kann, ohne unterbrochen zu werden. Die Callas fordert mehr als «gut singen können, als spielen können.» Sie spricht bedeutend mehr über Gefühle, als über Kunst. Ihre Strenge ist gnadenlos: «Finden sie heraus, wer sie sind», herrscht sie die Schülerin an. «Nur darum geht es.»

Durch diese Hölle müssen alle Drei. Dabei gibt es selbstredend Arien zu hören. Auch Callas wird zweimal im Original eingeblendet. In zwei längeren, traumartigen Sequenzen wird sie von ihren legendären Auftritten an der Scala in Milano und von ihren Männern erzählen, allen voran Aristoteles Onassis. Der griechische Macho, der die Oper im Grunde verachtet. Dazu kommen alle Neider und Rivalinnen im Haifischteich der Opernwelt.

«Es interessiert sich niemand für die Tränen in Deinem Kopfkissen», sagt Callas. Leiden, Mut und Kaltblütigkeit sind für sie Bedingungen. «Kunst ist Dominanz. Ein schrecklicher Beruf.» Trotzdem sagt sie: «Ich glaube, dass die Kunst die Welt zu einem besseren Ort macht.» Es ist diese scharf gezeichnete Widersprüchlichkeit, die den Reiz dieser Master Class ausmacht.

«Master Class»: Samstag, 20. Mai, 20 Uhr, Sonntag, 21. Mai, 18 Uhr. Neues Theater, Dornach.

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