Klassik

Dirigent Tscharner: «Wir unternehmen eine Hochgebirgstour»

Momentaufnahme aus den Proben zu Louis Spohrs selten gespieltem Oratorium «Die letzten Dinge» in der reformierten Stadtkirche Brugg. Chris Iseli

Momentaufnahme aus den Proben zu Louis Spohrs selten gespieltem Oratorium «Die letzten Dinge» in der reformierten Stadtkirche Brugg. Chris Iseli

Louis Spohrs Oratorium «Die letzten Dinge» wird am Samstag in der reformierten Stadtkirche Brugg unter der Leitung von Dirigent, Organist und Kantor Gaudenz Tscharner aufgeführt.

«Halleluja»! In Georg Friedrich Händels sieghaft-strahlenden Messias-Jubel können die Sängerinnen und Sänger in der reformierten Stadtkirche Brugg am Samstag nicht ausbrechen. Dafür führen sie anderes ins Feld: Gross angelegte Solo-Rezitative und Chorpartien voll inniger Empfindsamkeit und aufwühlender Dramatik. Das verwundert nicht, geht es in Louis Spohrs Oratorium doch um «Die letzten Dinge».

Kleinmeister? Aber nein

Spohr? Gaudenz Tscharner lächelt amüsiert. An Augenbrauen, die beim Namen dieses Komponisten in die Höhe schnellen, hat er sich gewöhnt. «Jawohl, Louis Spohr», sagt der Dirigent, Organist und Kantor an der reformierten Stadtkirche Brugg mit fester Stimme. Der Bündner kennt die Vorurteile gegenüber diesem Komponisten, der angeblich nur schön und gefällig, aber ohne Tiefgang geschrieben habe. «Rasch ist das Genie Mendelssohn zur Hand und Spohr als Kleinmeister abqualifiziert.

Ich mag dieses Wort überhaupt nicht», betont Tscharner und doppelt nach: «Louis Spohr ist ein toller, romantischer Komponist.» Natürlich höre man beim genauen Hinhören immer mal wieder Bach oder Haydn heraus, aber gerade das Werk «Die letzten Dinge» sei klar eine Bereicherung der oratorischen Literatur. Zugrunde liegen ihm Teile der neutestamentlichen Offenbarung des Johannes, dessen Todes- und Ewigkeitsvisionen der Komponist eindringlich schildert.

Louis Spohr: «Die letzten Dinge»

Louis Spohr: «Die letzten Dinge»

Tscharner erwähnt die meisterliche Instrumentationstechnik und «die wunderbar ins Orchester eingebetteten, kantablen Chorpartien. Man merkt, dass Spohr Laienchöre sehr gut gekannt und exakt im Hinblick auf ihre Möglichkeiten komponiert hat.» Das ist für Gaudenz Tscharner der springende Punkt: Er sucht für jedes Konzert stets Werke aus, die «gluschtig» machen und somit alle Beteiligten motivieren, «gemeinsam eine Hochgebirgstour zu unternehmen.»

Neuland betreten

Diesmal ist die Tour mit beinahe 90 Sängerinnen und Sängern sowie 40 Mitgliedern des Collegium Cantorum besonders anspruchsvoll. Gaudenz Tscharner freut sich, dass die Orchester-Profis aus Wetzikon «Die letzten Dinge» schon einmal vor einigen Jahren gespielt haben.

Für den Chor der Stadtkirche Brugg, den Engadiner Kammerchor und den Kammerchor Zurzach ist das Spohr-Oratorium hingegen Neuland. Mit den beiden ersten Ensembles ist Tscharner seit Jahren eng verbunden. Nun, da noch 15 Mitglieder des Kammerchors Zurzach dazustossen, wird die Hochgebirgstour mit Louis Spohrs «Die letzten Dinge» erst recht spannend.

Reformierte Stadtkirche Brugg Konzert «Die letzten Dinge» von Louis Spohr, Sa, 24. März, 20 Uhr.

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