Kino

Dieser Film macht den Kunstfälscher zum Star

Wolfgang Beltracchi zeigt seine Tricks und Handfertigkeit.

Wolfgang Beltracchi zeigt seine Tricks und Handfertigkeit.

Der Jahrhundertfälscher Wolfgang Beltracchi darf sich in einem Film von seiner besten Seite zeigen. Die Fakten sind dünn, die Lektion im Fälschen faszinierend.

Gut sieht das aus: Wolfgang Betracchi rührt aus Pigmenten Farbe an. Rot und Gelb. «Geil die Farben, zum Ablutschen», kommentiert der Mann mit der Künstlermähne. Doch einmal hat er Titanweiss nicht selber hergestellt, sondern aus der Tube genommen. Das «Rote Bild mit Pferden» – angeblich von Heinrich Campendonk 1920 gemalt – wurde dadurch im Labor als Fälschung erkannt und Beltracchi als Fälscher enttarnt.

Gegen dreihundert Bilder habe er gefälscht, sagt Beltracchi selber, lediglich vierzehn konnte ihm der Staatsanwalt nachweisen. Dafür wurde er 2011 in Köln zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, seine Frau Helene, die sich um den Vertrieb gekümmert hatte, zu vier und ihr Helfershelfer Otto Schulte-Kellinghaus zu fünf Jahren. Den Beltracchis wurde offener Strafvollzug gewährt, sie haben also nur die Nacht im Gefängnis zu verbringen, tagsüber können sie sich um die Vermarktung ihrer Geschichte kümmern, mit Büchern, Interviews und eben im Film «Beltracchi – Die Kunst der Fälschung».

Die Tricks vor laufender Kamera

Der Prozess und das Gefängnis, generell die Fakten, sind aber nur am Rande ein Thema im Film. Regisseur Arne Birkenstock – der Sohn von Beltracchis Verteidiger – bewundert den Fälscher zu sehr. Er lässt ihn seine Hand- und Kunstfertigkeit zelebrieren, lässt ihn und Helene erzählen, begleitet sie, zeigt Familienbilder; er gibt bewundernden Freunden, aber nur wenigen Kritikern das Wort.

Zugegeben, es ist sehr reizvoll, wenn uns Beltracchi quasi einen Schnellkurs in der Kunst des Fälschens gibt. Wir sehen ihn und Helene händchenhaltend über den Flohmarkt bummeln. Dort kauft er einen Frauenakt für 50 Euro. Doch mehr als das Bild interessiert ihn die alte Leinwand mit dem originalen Keilrahmen, der Stempel einer Galerie in Barcelona von 1920 auf der Rückseite. Danach recherchiert der Fälscher, zu welchem Künstler könnte ein Bild aus der Zeit mit jener Galerie passen – und was für ein Werk könnte er nacherfinden. «Ich habe nie kopiert», betont Beltracchi stolz. Er habe verschollene Bilder gemalt, von denen es keine Fotos gebe. Und den Campendonk, mit dem er aufgeflogen sei, hätten Kritiker vor der Auktion als bestes Werk des deutsch-niederländischen Künstlers gerühmt.

Für die Kamera und für uns Neugierige kratzt er die Farbe sorgfältig von der Leinwand, macht aus dem Busen der Frau einen Hügel in einer geometrisch konstruierten Landschaft mit Häusern. Dann kommt das Bild in den Ofen; die Farbe muss so austrocknen wie in neunzig Jahren, und um den Eindruck zu perfektionieren, stopft er Staubfusel unter den Keilrahmen. Der Fälscher wird so zum gerissenen Star des Films.

Der Markt ist schuld

Das Malen scheint für Beltracchi ein lockeres Spiel. Heikel war aber, die Bilder für Hunderttausende, ja Millionen Dollar auf den Markt zu bringen. Wie er Experten wie den renommierten Museumsmann Werner Spies – unwissend oder nicht, aber gegen gutes Geld – zu Komplizen machte, wie er Auktionshäuser und Kunden täuschte, darüber erfahren wir (zu) wenig. Nur so viel: Experten, Auktionshäuser und Sammler hätten viel zu viel Freude an einem wundersam aufgetauchten Bild, sagt ein Kunsthistoriker. Deshalb glaube man die Märchen gerne.

Es ist gerade diese Verharmlosung, die Darstellung des Täters als Opfer eines geldgierigen Kunstmarktes und das spürbare Bedauern des Fälscher-Paares über das Ende eines guten Geschäftes, das mehr als einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt.

Beltracchi – Die Kunst der Fälschung. (D, 2014, 96 Min.) Ab Donnerstag im Kino.

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