Aargauer Kuratorium

«Diesen Job wollte ich unbedingt, man ist nahe an der Basis der Kultur»

Hans Joerg Zumsteg.

Hans Joerg Zumsteg.

Der Geschäftsführer des Aargauer Kuratoriums, Hans Joerg Zumsteg (62), geht in Frühpension. Verleidet ist ihm seine Arbeit nicht – im Gegenteil. Er war 14 Jahre lang der Mister Kuratorium im Aargau, und Kultur war für ihn Arbeit und Vergnügen.

Seit einer gefühlten Ewigkeit ist Hans Joerg Zumsteg (62) der Mister Kuratorium im Aargau. Dabei ist er gar nicht Präsident des Kulturfördergremiums, sondern der Geschäftsleiter. Aber vielleicht liegts gerade daran. Er arbeitet fulltime, die Kuratorinnen und Kuratoren arbeiten ehrenamtlich – und Zumsteg hat drei Präsidien erlebt. Er ist die Konstante.

Sein Büro im kantonalen Verwaltungsgebäude Behmen beim Bahnhof ist schon ziemlich aufgeräumt. «Ich musste», sagt er lachend, «letzte Woche wurde ein neuer Teppich verlegt, da habe ich alles Persönliche schon mal weggeräumt und für meine Nachfolgerin gestern nur die wichtigsten Kuratoriumsunterlagen wieder hineingestellt.»

Manager und Kulturförderer

Dass er nun aufhört, hat nichts mit Überdruss zu tun. «Ich habe schon lange gewusst, dass ich vor 65 in Pension gehen will, solange ich die Arbeit noch total gut finde.» Er sei jetzt vierzehneinhalb Jahre Geschäftsleiter und finde die Stelle immer noch die beste, die er haben könnte. «Und», fügt er lächelnd an, «als die Stelle 1998 ausgeschrieben war, wollte ich diesen Job unbedingt.» Warum? «Schon nach dem Abschluss des Nordistik-Studiums hat mir so etwas vorgeschwebt. Dann habe ich aber zuerst in der Privatwirtschaft und in der Entwicklungshilfe Erfahrungen gesammelt.» Das Kuratorium habe damals seine Strukturen geändert, habe aus dem Sekretariat eine Geschäftsleitung mit mehr Aufgaben und Kompetenzen gemacht. «Die Mischung aus Management-Aufgaben und Kulturförderung war das, was ich immer gesucht habe.»

Aber in der Geschäftsleitung habe man doch primär administrative Aufgaben? «Vor allem am Anfang war das so», sagt Hans Joerg Zumsteg. «Aber was toll ist: Man ist wirklich nahe an der Basis, am Kern der Kunst. Man weiss von Projekten und Ideen, lange bevor das Produkt zum Publikum kommt – das ist ein Privileg. Und man kann Hilfe, Unterstützung leisten.»

Noch näher an der Kulturproduktion ist aber, wer selber in einem Kulturbetrieb arbeitet. Hätte ihn die Arbeit in einer Konzertagentur, einem Musik- oder Literaturhaus nicht mehr gereizt? «Ich bin Allrounder, ich bin nicht in einer Sparte – ausser der Literatur – genug vertieft ausgebildet. Und mich interessieren unterschiedliche Kunstsparten.»

Arbeit und Vergnügen

Man hat Hans Joerg Zumsteg nicht nur als Backstage-Manager wahrgenommen, sondern als jemanden, der auch inhaltlich über Projekte Bescheid wusste. Das sei für das Kuratorium am Anfang ungewohnt gewesen, erinnert er sich. Heute sei die Geschäftsstelle aber ausschliesslich mit Leuten besetzt, die vertieftes Wissen in ihrem Gebiet haben.

Gefallen hat Zumsteg, dass er auch bei strategischen Fragen aktiv mit dabei war. «Wo soll man Schwerpunkte setzen, wo in die Breite fördern, ist eine Kernfrage.» Und was ihn auch beschäftigt: «Wie kann das Kuratorium seine Autonomie gegenüber dem Departement Bildung Kultur und Sport behaupten?» Inhaltlich sei die Digitalisierung ein grosses Thema, dessen sich das Gremium unbedingt annehmen müsse. «Aber dazu muss es mit den richtigen Fachleuten besetzt sein.»

Hans Joerg Zumsteg hat man oft an Konzerten, Lesungen, Theateraufführungen angetroffen. «Freizeitvergnügen und Arbeit sind nahtlos ineinandergeflossen», sagt er, «ich hatte nur ganz selten das Gefühl, ich muss.»

Das Aargauer Kuratorium fördert die aktuelle, professionelle Kultur im Kanton. Das heisst, der Blick ist auf die kantonale Kulturszene fokussiert. Ist das nicht ein sehr enges Blickfeld? Hans Joerg Zumsteg meint nur: «Erstens gibt es im Aargau eine sehr tolle kulturelle Produktion und zweitens heisst das ja nicht, dass man keine Theater und Konzerte ausserhalb des Kantons besuchen kann.» Das müsse man sogar, um seinen Massstab für Qualität immer wieder zu justieren.

Nach ausserhalb des Kantons zieht es ihn nun auch privat. Er zügelt nach Allschwil (BL), näher zur Kulturstadt Basel. Aber als Geschäftsleiter im Kuratorium war es für den im Fricktal aufgewachsenen und seit Jahrzehnten in Wettingen lebenden Zumsteg selbstverständlich gewesen, im Aargau zu wohnen. «Anders kann man das Atmosphärische, das, was unter der Oberfläche läuft, nicht wahrnehmen.»

Ganz aufhören mit Arbeiten will Hans Joerg Zumsteg nicht. Einzelne Projekte könne er sich vorstellen, dazu möchte er vermehrt Kulturreisen nach Skandinavien organisieren – und er fotografiere gerne. «Aber festgelegt ist noch nichts – noch fast nichts.»

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