Kunst und Umweltschutz

Diese New Yorkerin verbindet Umweltschutz mit Humor und Kunst

Die 28-jährige New Yorkerin Asher Jay hat ihr Leben dem Umweltschutz verschrieben. Alles, was sie tut, dreht sich um die Erhaltung des Lebens auf unserem Planeten. Mithilfe ihrer Kunst will sie den Rest der Welt mit ihrer Passion infizieren.

Wann sie eigentlich normalen, menschlichen Aktivitäten wie Essen und Schlafen nachgehe, fragte sie ein Freund, der eine Woche bei ihr in New York wohnte. Asher Jay ist nicht ganz von dieser Welt. Doch sie ist ganz für diese Welt. «Planet Ocean you overwhelm me with your unbridled awesomeness!» ist ein typischer Jay-Jauchzer auf Facebook. Alles, was sie tut, dreht sich um die Erhaltung des Lebens auf diesem Planeten; Umwelt- und Artenschutz sind ihre Passion. Mithilfe ihrer Kunst will sie den Rest der Welt damit anstecken.

Asher Jay jongliert ständig mindestens zwölf Projekte gleichzeitig. Sie hat Energie für fünf New Yorker Marathonläufer, Kaffee ist ihr Hauptnahrungsmittel, und ob es Tag oder Nacht ist, macht für sie kaum einen Unterschied. Deshalb leide sie auch nicht unter Jet Lag, sagt sie während ihrer Stippvisite in Zürich.

Eindringliche Botschaften

Gespräche mit WWF standen hier an, ebenso mit weiteren Non-Profit-Organisationen nahe Genf. «Ich arbeite mittlerweile mit allen grossen Umwelt- und Artenschutz-Organisationen zusammen», erzählt sie. «Endlich» habe sie erreicht, wovon sie immer geträumt habe: «All diese Organisationen, zu denen ich früher stets hinaufschaute, haben Kontakt zu mir aufgenommen – und alle lieben meine Arbeit.» Asher Jay ist 28.

Wir spazieren dem Zürichsee entlang. Erstaunt erblickt sie die Badenden, die sich eng zusammengedrängt auf Holzplattformen sonnen: «Wie Seehunde», sagt sie: «Der Mensch ist das Meerestier des 21. Jahrhunderts, er übernimmt jeden Quadratmeter.»

Asher Jays Begabung ist, Umweltbotschaften in einem Bild konzis und eindringlich rüberzubringen. Für Wild Aid China hat sie eine neue Plakate-Serie entworfen: ein schwarzer Elefant, dessen blutroter Stosszahn sich wiederum aus zahlreichen kleinen Elefanten zusammensetzt, die für das Elfenbein getötet worden sind. Dasselbe Konzept gibt es auch mit Nashörnern oder Haifischen, deren Flossen gerade in China eine beliebte Spezialität sind.

Kunst aus Plastikmüll

Um Verständnis und Mitgefühl für die grössten Säugetiere Afrikas zu wecken, hat Asher für eine andere grosse chinesische Kampagne Elefanten und Nashörner als Pandas, Chinas Tierikonen, gezeichnet – schwarz-weiss, mit dem typischen runden Flecken ums Auge. «Help save Elephants, the Pandas of Africa», steht beispielsweise darunter.

«Viele Chinesen meinen, dass Elefanten Stosszähne verlieren wie wir unsere Milchzähne», sagt die Künstlerin. Sie wissen nicht, dass den Tieren die Stosszähne abgehackt und ihnen danach mit einer elektrischen Säge ins Gesicht gebohrt wird, um den Rest rauszuholen. Sie wissen nicht, dass diese Tiere getötet werden, damit wir ein Schmuckstück tragen können, ein «asset of vanity». «Every tusk costs a life», lautet eine weitere Kampagne, die Asher Jay dieses Jahr für Elephant Voices gezeichnet hat. Den Chinesen wird darin auch erklärt, welch emotionale, soziale, intelligente Tiere Elefanten sind. «Alles, was diese Tiere brauchen, ist Platz, um zu sein, wer sie sind, um zu leben, um zu atmen.»

Asher Jay und ich haben uns vor anderthalb Jahren im New Yorker «Explorers Club» an einem Vortrag über die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastik kennen gelernt. Plötzlich kam diese Frau auf mich zu, deren wilde Frisur ihr ständig über ein Auge fiel. In einem rasend schnellen Englisch erzählte sie von ihren eigenen Plastikmüll-Kunstprojekten. Im Netz hat sie ein virtuelles Land kreiert, das auf der Plastikmüllsuppe im Ozean schwimmt. Garbagea hat eine eigene Küche, Flagge, Nationalhymne und Ethik. Die Bewohner schlürfen Mercury (Quecksilber) Margharitas zu Dioxin Dumplings (Teigtaschen) und freuen sich über jede frisch ausgerottete Art. Wer will, kann in Land investieren – und bekommt dafür ein von Asher hübsch geschnürtes Paket aus Meeresmüll.

Die Tiere als Verwandte

Die bedrohten Meerestiere sind ihr wichtigstes Anliegen und das Sujet ihres zweiten Langzeitprojekts «Message in a Bottle». Es besteht aus mittlerweile über 100 handbemalten PET-Flaschen passend zur jeweiligen Botschaft eines Prominenten. Die neusten Promis, die das Projekt mit einer eigenen Umweltaussage unterstützen, sind Regisseur James Cameron und Vampire-Diairies-Star Ian Sommerhalder. Als Wanderausstellung hat «Message in a Bottle» es im Frühling sogar ins American Museum of Natural History in New York geschafft. Neuerdings ist eine Zürcher Galerie ebenfalls daran interessiert, ihre Kunst auszustellen.

Asher Jay ist in Indien und in England aufgewachsen. Vor dem Vater versteckten ihre Mutter, ihr Bruder und sie die grösser werdende Haustier-Schar – oft verletzte, irgendwo aufgegabelte Tiere. «Das sind deine Verwandten», prägte die Mutter ihr schon früh ein. Als Primarschülerin schaute Asher am liebsten die Attenborough-Tiersendungen – mit Lexika zur Hand. Trotzdem studierte sie zunächst Fashion Design und Fashion Marketing. «Ich war jung, ich wollte mit Künstlern in New York Partys feiern», sagt sie. Doch die Modewelt war ihr viel zu oberflächlich, bald kehrte sie zurück zum Umweltschutz. Ohne das Gelernte aufzugeben: Asher Jay hat sogar eine eigene Umwelt-Kleiderkollektion entworfen.

Fokus auf das grosse Bild

«Wir schützen nur, was wir lieben», sagt sie, «deshalb möchte ich meine Liebe zur Natur auf andere Menschen übertragen». Ebenso ihr holistisches, ganzheitliches Weltbild: «Gerade in unserer globalen Welt sind wir alle miteinander verbandelt; das Problem eines anderen Menschen ist auch mein Problem.» Die Leute müssten erkennen, dass beispielsweise für billige Produkte jemand anders «den Rest der Rechnung zahlt». Gespart werde auf Kosten der Umwelt und der Gesundheit der Billigarbeiter, die oft in einer von der Fabrik verseuchten Umgebung lebten. Und die Verschmutzung an jenem Ort komme in Form verseuchter Lebensmittel zu uns zurück. Das grössere Bild sei ihr wichtig, sagt Asher: «Auf lange Sicht profitieren wir alle von einem etwas kostspieligeren, aber nachhaltigen Lebensstil.»

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