Louvre

Die Zwillingsschwester der Mona Lisa wird im Louvre ausgestellt

Die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen: Mona Lisa (links) und die jetzt im Louvre gezeigte Kopie.AFP

Die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen: Mona Lisa (links) und die jetzt im Louvre gezeigte Kopie.AFP

Das berühmteste Lächeln der Welt erhält ab morgen Konkurrenz im eigenen Haus. Über 200 Jahre lang regierte sie unangefochten über den Pariser Louvre, seit 1974 hat sie das grösste Museum der Welt nicht einmal mehr verlassen.

Einmal gestohlen, einmal mit Säure beworfen, ruht sie heute hinter 4 Zentimeter dickem, reflexfreiem Panzerglas, und dies rund um die Uhr bei 20 Grad Celsius und 50 Grad Luftfeuchtigkeit. Und obwohl sie heute täglich von 20000 Augenpaaren bewundert wird, obwohl Schulklassen vor ihr kreischen und Honeymooner aus der ganzen Welt sie (verbotenerweise) anblitzen, behält sie ihr unverwüstliches Lächeln.

Jetzt aber muss Mona Lisa den Platz teilen. Im Rahmen einer neuen Ausstellung über Leonardo da Vincis Meisterwerk «Anna selbdritt» (siehe Kasten rechts) zeigt der Louvre ab Donnerstag erstmals eine Kopie. Eine zweite Gioconda also – eine, die ihr auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich sieht. Die Sonderschau ist in einem fensterlosen Untergeschoss angesiedelt, während die «richtige» Mona Lisa im prächtigen italienischen Festsaal der Beletage prangt.

Schwestern bleiben getrennt

Zehn Treppen müssen die Besucher hinuntersteigen, um zur Ausstellung mit der Mona-Lisa-Kopie zu gelangen. «Natürlich hätten wir die so ähnlichen Gemälde gerne nebeneinander gezeigt», meinte die Kommunikationsbeauftragte Marion Benaiteau bei der gestrigen Presseführung. «Aber den Besucherandrang hätte die Ausstellung nicht ausgehalten. Und selbst ein Transport innerhalb des Museums ist für dieses meistgeschützte Werk technisch fast nicht zu bewältigen.»

Vielleicht spielte auch mit, dass der Louvre in der neuen Ausstellung vor allem den Restaurationsprozess der «Anna selbdritt» präsentieren will; die «Mona Lisa»-Kopie dient dazu nur als Illustration. Doch auch so hatten die Fernsehteams aus aller Welt am Dienstag nur Augen für die Zwillingsschwester der Mona Lisa.

Diese hing bisher im Prado in Madrid und galt als holländische Nachahmung aus dem 19.Jahrhundert – eine Kopie unter vielen. Doch sie ist mehr als das. Als die spanischen Konservatoren das Bild auf Wunsch des Louvre genauer prüften, machten sie eine überraschende Entdeckung: Das Abbild enthält Details wie etwa ein winziges Dorf im rechten Bildhintergrund, die im Original längst unter der Verdunkelung verschwunden waren. Auch andere Erkenntnisse der Infrarot-Reflektografie lassen nur einen Schluss zu: Die Kopie wurde gleichzeitig mit dem Original erstellt; also zu Lebzeiten da Vincis, etwa um 1505.

Wohl nicht von da Vinci

Ausstellungskonservator Vincent Dieulevin geht davon aus, dass diese zweite Gioconda von einem Schüler da Vincis stammt: «Während drei weitere Ateliermitarbeiter aus stilistischen Gründen ausscheiden, kommen Franceso Melzi oder Salaì infrage.» Letzterer war wahrscheinlich mehr als nur ein Schüler des Meisters, bei dem Sigmund Freud homosexuelle Neigungen festgestellt hatte. War Salaì tatsächlich der Erschaffer der Kopie, eröffnen sich neue Perspektiven: Der italienische Forscher Silvano Vincenti behauptete nämlich schon vor einem Jahr, da Vinci habe nicht wie bisher angenommen Lisa Gherardini – die Frau des Seidenhändlers Francesco del Giocondo – gemalt, sondern seine Muse Salaì in der Mona Lisa verewigt.

Dass da Vinci bei der Kopie selbst Hand angelegt hatte, erscheint unwahrscheinlich. Dazu wirkt die zweite Gioconda zu statisch, zu wenig lebensecht. Einzelne Partien wie etwa die Drapierung und Verschleierung der linken Schulter sind meisterhaft gemalt. Aber das Lächeln und die ganze Erscheinung der Porträtierten bleiben klar hinter dem Original zurück. Die viel gerühmte Sanftmut, Unbestimmtheit, ja Rätselhaftigkeit der Mona Lisa, erzielt mit der unnachahmbaren Sfumato-Technik da Vincis, bleibt auch vier Jahrhunderte später unerreicht. Wer von der Kopie in der neuen Louvre-Ausstellung noch einmal die Treppen hochsteigt, ist nur zusätzlich beeindruckt vom Original. Der direkte Vergleich macht das Verdikt klar. Die echte Mona Lisa hat eben doch keine Konkurrenz.

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