Basler Fasnacht 2017

Die Weltlage dominiert im Laternen-Freiluftmuseum auf dem Münsterplatz

Wer an der Basler Fasnacht wenig mit greller Musik, wildem Treiben auf der Strasse und dialektalem Reim-Gesang anfangen kann, findet facettenreichen poetischen Zauber im vergänglichen Freiluft-Kunstmuseum auf dem Münsterplatz: der Laternen-Ausstellung vom Dienstag.

Als Erstes bleibt Anna Schmid, die deutsche Direktorin des Museums der Kulturen Basel, bei der Laterne der Verschnuuffer stehen. «Das find ich interessant», sagt die Ethnologin. «Basel wird hier als heile Welt, als gallisches Dorf unter einer Glaskugel gezeigt. Das hätten unsere Museumsbesucher oft auch gern: Dass wir mit unseren Ausstellungen Übersicht und Sicherheit suggerieren und nicht die Dinge infrage stellen. Diese Laterne zeigt sehr schön die Sehnsucht nach einer überschaubaren Welt, tut dies aber mit einem kleinen, irritierenden Aspekt. Wer will schon in einer Glaskugel leben, die uns vor allem anderen schützt?»

Der Stamm der Spezi-Clique probt den Aufstand: «Die Clique rebelliert gegen das Comité und verkündet den ’Spexit’. Sie thematisiert wunderbar die Bürokratisierung der Fasnacht, die den freien Geist abwürgt», erklärt Schmid. Sie mag, dass hier ein globales Thema wie der Brexit auf das Lokale heruntergebrochen wird.

Sehr amüsiert zeigt sich die Museumsdirektorin vom Werk der Schnooggekerzli. Eine Collage aus dutzenden Themen, ein Jahresrückblick, der für viele Laternen Ideen bieten würde. Breit gefächert, frech und mit viel Wortwitz. «Ich liebe das. Einfach genial!»

Die Grottegyggser machen die Abstimmung zum Nachrichtengesetz zum Thema und führen die allgegenwärtige Überwachung ad absurdum. «Hier gefällt mir, dass gezeigt wird, wohin uns die Überwachung bringen kann», führt Schmid aus. «Es wird die Frage gestellt, wo die Grenze liegt, wenn unser Privatleben im Namen der Freiheit bespitzelt wird. Das ist relevant und wichtig: Wie viel Freiheit wollen wir aufgeben, um unsere Freiheit zu schützen?»

Die Laterne des Stamms der Pfluderi zeigt eine Art Höllensturz und thematisiert Machtgefüge auf einer allgemeinen Ebene. «Das Bild erinnert mich an Eduard Munchs Schrei. Aber abgesehen davon sollen sich die Untertanen nicht zu viel gefallen lassen. Auch hier: Wir müssen unsere Freiheit und Redefreiheit verteidigen», sagt die Ethnologin. Wer sie gefährdet, zeigt die Laterne unscheinbar auf der Seite. Es sind Trump, Le Pen und Co.

Allgemein gesagt, hat die Museumsdirektorin den Eindruck, dass sich die Sujets verlagert haben. «Es geht weniger um Basel, sondern viel mehr um die Weltlage. Vielleicht liegt das daran, dass Anderes brennender ist, als das, was in Basel passiert. Es ist doch erstaunlich, wie viel Zeit und Geld in diese Populärkultur fliesst. Die kritischen Stimmen, die wir hier sehen, wirken lange nach.»

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