Art Basel
Die Ware Kunst feiert in Basel ihre Hochsaison: Ein Rundgang durch die Messe und die Stadt

Die Auswahl an der 48. Art Basel ist riesig. Doch was kosten eigentlich die Kunstwerke? Wir mischten uns unter die Käufer und verhandelten bei den Preisen mit.

Sabine Altorfer
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Start zur Art Basel 2017
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Darf es etwas Heiteres sein? Einen Metall-Ballon von Jeppe Hein gibt es bei der hippen Berliner Galerie König für 19'000 Euro.
Urtümlich oder bunt: Alicja Kwade legt in einem Baumstamm ein Stühlchen frei und Anish Kapoors magische Schalen gibt es in allen Farben. Hier bei KamelMennour, Paris.
«Mountain View» von Hans Op
«Statement» von Jenny Holzer
«Ode to Santos Dumont» von Chris Burden
Eindrücke von der Art
«Bliss (Reality Check)» von Donna Huanca
«Fox» von Daniel Richte
«Amerikka» von Clido Meireles
«Skylark» von Sylvie Fleury
«Fraught Times: For Eleven Months of the Year it's an Artwork and in December it's Christmas» von Philippe Parreno
«Captain Dick Hat» von Paul McCarthy
For the collector who has everything Der junge britische Künstler Joe Fletcher Orr sorgt mit seiner Installation für Humor an der Art Basel.
Skulptur von Bruno Bischofberger
Celebritys an der Art: Das bekannte Künstlerpäärchen Eva und Adele
«Harriman Roadside» von Ryan McGinley
«Cooking the World» von Subodh Gupta
«Soft Juicit – Ghost Version» von Claes Oldenburg

Start zur Art Basel 2017

Roland Schmid

In der Stadt mögen Kleidergeschäfte die ersten Pre-Sales ankündigen, für die Kunst gilt kein Ausverkauf. Sie hat in Basel Hochsaison. Wer durch die zwei Etagen der Messehalle 2 flaniert, mag sich allerdings fragen: Lässt sich so viel Ware in sechs Tagen verkaufen?

291 Galerien buhlen allein an der Art Basel um Käufer, dazu kommen noch die Nebenmessen: Liste, Volta, Scope, Design Miami.... Was sie verkaufen und für wie viel: Wir werden es Ende Woche nicht erfahren. Das Kunstmarkt-Geheimnis lässt sich nicht so leicht knacken wie das Bankgeheimnis.

Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Nick Cave, Speak Louder, 2011. Jack Shainman, New York.
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Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 «Under Heaven» von Xu Zhen
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 Die herzförmige Skulptur von Anish Kapoor
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 «Cupid's Lie» von Damien Hirst
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 «Über die Blindheit 12» von Remy Zaugg
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 «Umbrella White Element» von Jos de Gruyter und Harald Thys
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 «Jack» von Paul McCarthy
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 Kleider sind auch Kunst.
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 «Invisible Laura» von Jaume Plensa
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 «Dear» von Tianzhuo Chen
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Jason Rhodes, Sutter's Mill, 2000; Galerien: Hauser & Wirth, Zürich / David Zwirnet, New York
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Sylvie Fleury, Skylark, 1992. Karma International, Zürich
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Donna Huanca, Bliss (Reality Check), 2017. Galerien: Peres Projects, Berlin.
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Tony Smith, Source, 1967. Pace, New Yo
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Rob Pruitt, Rob Pruitt's Official Art World / Celebrity Look-Alikes, 2016 2017. Gavin Brown, New York
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Chris Burden, Ode to Santos-Dumont, 2015. Gagosian, New York
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Donna Huanca, Bliss (Reality Check), 2017. Galerien: Peres Projects, Berlin
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 Claudia Comte "now i Won"
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Song Dong, Through the Wall, 2016. Place, New Y
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Jason Rhodes, Sutter's Mill, 2000. Galerien: Hauser & Wirth, Zürich / David Zwirnet, New York
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Phyllida Barlow, untitled: 100banners2015, 2015 Hauser & Wirth, Zürich
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Julio Le Parc, La Longue Marche, 1974. Galleries: Perrotin, Paris
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Paolo Icao, Foresta metallica / Metal Forest 1967 Galleries: Massimo Minini, Brescia / P420, Bologna.
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Otto Piene, Blue Star Linz, 1980. Galerien: Spürt Magers, Berlin
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Peter Stämpfli, Royal, 1971. Galerien: Georges-Philippe&Nathalie Vallois, Paris
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Mac Adams, The Bathroom, 1978 Galleries: gb agency, Pari
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Tony Smith, Source, 1967. Pace, New York
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Subodh Gupta, Cooking the World, 2017. Der Künstler kocht selbst (im blauen Hemd) Galerien: Continua, San Gimignano / Hauser & Wirth, Züric
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Philippe Parent, Fraught Times: For Eleven Months of the Year it's an Artwork and in December it's Christmas (July), 2017. Galerien: Pillar Corridas, London
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Donna Huanca, Bliss (Reality Check), 2017. Galerien: Peres Projects, Berlin
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Subodh Gupta, Cooking the World, 2017. Der Künstler kocht selbst (im blauen Hemd) Galerien: Continua, San Gimignano / Hauser & Wirth, Zürich
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 Ballone von Jepp Hein bei Galerie König
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 Stuhl von Kladde und Gelber Trichter von Kaper bei Galerie Kamel / Mennour
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 Ballone von Jepp Hein bei Galerie König
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 Neugerriemenschneider, Berlin
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 Neugerriemenschneider, Berlin
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 Galerie Gagosian
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 Neugerriemenschneider, Berlin
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 John Baldessari, Ear Sofa; Nose Sconces with Flowers, 2009/2017, (Galerien: Marian Goodman, New York / Sprüth Magers, Berlin)
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 Galerie Gagosian
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Art Unlimited, Enrico Castellani, Spazio Ambiente, 1970 (Galerien: Lévy Gordy, New York / Magazzino, Roma)
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 Neugerriemenschneider, Berlin
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 Sadie Coles, London
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017 Art Unlimited
Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017

Impressionen vom Auftakt der Art Basel 2017: Art Unlimited Nick Cave, Speak Louder, 2011. Jack Shainman, New York.

Roland Schmid

Staunen und kaufen

Kunst einzukaufen ist sowieso nicht der einzige Grund, die Art zu besuchen. Dabei sein, schauen was in ist, wie sich die Preise entwickeln, neue Künstlerinnen entdecken, das lohnt sich. Staunen über die Menge und Vielfalt ist inbegriffen. Die erwartungsvolle Einkaufs-Stimmung beim Champagne Breakfast mit den First Choice VIPs gestern im Rundhof ist irgendwie ansteckend: Schliesslich gibts hier Kunst auch fürs normale Budget.

Bei der Londoner In-Galerie Frith Street entdecke ich schwarze Kohle-Wolkenbilder von Tacita Dean, hübsch ja, aber sie haben nicht die Kraft des riesigen Gemäldes das mich in der Art Unlimited so gepackt hat. «Sorry, das ist verkauft», ernüchtert mich die Galerienhelferin. «Für wieviel?» – «About 750 000 Dollar.»

Dass ich beim Baumobjekt von Ai Weiwei, das am Art Parcour für Aufsehen sorgt, nicht fragen sollte, weiss ich bei Neugerriemschneider im Voraus. «Sind Sie von der Presse? Wir wollen unsere Preise nicht in den Medien lesen.» Andernorts erfahre ich, dass kleinere Ausgaben von diesen in Metall gegossenen Stämmen und Wurzeln ab 300 000 Dollar kosten, das grosse Werk einige Millionen.

Der eiserne Baum von AI Weiwei   

Der eiserne Baum von AI Weiwei   

GEORGIOS KEFALAS

Weitere Millionen-Werke finden sich an der Art Unlimited, auf dem Art Parcours - und im Erdgeschoss der Messe. Noch sind Klassiker wie Picasso, Calder, Rothko, Basquiat, Twombly oder Warhol zu haben – allerdings oft nicht mehr Spitzenwerke. Ich gehe lieber wieder zur Gegenwartskunst.

Art Basel Unlimited – «La Longue Marche» von Julio Le Parc
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Art Basel Unlimited – «Blue Star Linz» von Otto Piene
Art Basel Unlimited – «Through the Wall» von Song Dong
Art Basel Unlimited – «Untitled» von Phyllida Barlow
Art Basel Unlimited – «Message from the Atlantic Passage» von Sue Williamson
Art Basel Unlimited – «Now / Won» von Claudia Comte auf dem Messeplatz
Art Basel Unlimited – Bei der Skulptur «Now / Won» kann man sich austoben.
Art Basel Unlimited – «Royal» von Peter Stämpfli
Art Basel Unlimited – «The Bathroom» von Mac Adams
Art Basel Unlimited – «Cooking the World» von Subdoh Gupta
Art Basel Unlimited – «Speak Louder» von Nick Cave
Art Basel Unlimited – «Rob Pruitt's Official Art World / Celebrity Look-Alikes» von Rob Pruitt
Ganzkörperscanner beim Eingang zur Art Unlimited

Art Basel Unlimited – «La Longue Marche» von Julio Le Parc

GEORGIOS KEFALAS

Analog und digital

Ein Liebling des Marktes ist Anish Kapoor, der Brite mit seinen gefälligen und doch eindringlichen monochromen Schalen ist gleich bei mehreren Galerien vorrätig. Das sattblaue Wandstück bei Lisson, London ist schon verkauft, man bietet mir ein rotes oder rotschwarzes an (700 000 Dollar). Oder gefällt mir das sonnenblumgelbe bei Kamel/Mennour, Paris doch besser? Dort steht auch der Baumstamm, aus dem Alicja Kwade wie eine bildhauerische Archäologin ein Stühlchen freigehauen hat. 72 000 Euro will der Galerist dafür, der enthusiastisch über die in Berlin lebende Polin erzählt.

Art Basel Parcours
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«Schlachtfeld / Alterswerk» von Miriam Cahn
«Belief in the Power of Belleve» von GCC
«102 craters on Venus» von Sophie NYS
«Spazio curvo» von Gianni Colombo
«And as the medieval cloiters connect semlessly with the corridors of power... Im quitly confient... (u-tunr!)» von Cally Spooner
«My Deer» von Berlinde De Bruyckere
«Untitled Findings (ACCESS)» von Amanda Ross-Ho
«Untitled Findings (ACCESS)» von Amanda Ross-Ho
«Screen SHot» von Latifa Echakhch
«City Lights (Dead Horse Bay)» von Lena Henke
«Iron Tree» von Ai Weiwei
Der Kunstkurator vor Ai Weiweis «Iron Tree»: Samuel Leuenberger.

Art Basel Parcours

Roland Schmid

Künstlerische Trends lassen sich aber auch an der Art Basel erspüren – und mit den Galeristen diskutieren. Sie reden nämlich lieber über Kunst als Geld. Beispielsweise über den Trend Analoges und Digitales zu mixen. Parker Ito etwa verarbeitet digitale Vorlagen, verpixelte Bilder, Malerei und Druck zu flirrend-schönen Bildern (22 000 bis 50 000 Dollar, bei Team, New York).

Noch analog, aber medial zwischen Schrift und Bild, Druck und Malerei oszillierte das Werk des Schweizers Remy Zaugg. Mai 36, Zürich, hat ein seltenes, mehrfach bearbeitetes Grossformat (120 000 Franken). Angemessen, aber teuer. Was gibts günstiger? Ein glänzender Ballon von Jeppe Hein (19 000 Euro, König, Berlin) oder eine so geometrisch-präzis wie poetische Zeichnung des 90-jährigen und doch praktisch unbekannten DDR-Künstlers Karl-Heinz Alder (12 000 Euro, Eigen + Art).

Markt und Aufgabe

Bei einem Kaffee im Rundhof sinniere ich über den Unterschied zwischen den aktuellen Grossausstellungen wie Biennale, Documenta, Skulptur-Projekte und der Art Basel. Dort das inszenierte Engagement der Künstler, politisches Bewusstsein, grosse Ernsthaftigkeit – und hier der Markt, der sich in Format und Medien privaten Dimensionen anpasst.

Die Art Unlimited, die den Grossausstellungen in punkto Ausmass Paroli bieten kann, wirkt als Ganzes flau. Zu zufällig reihen sich hier die von Galerien angebotenen Werke aneinander. Die blaue aufblasbare Skulptur von Otto Piene: banal. Der begehbare Pavillon aus Fenstern von Song Dong oder der unendlich kreisende High-Tech-Zeppelin von Chris Burden: machen Spass, aber nicht mehr. Ernsthaftigkeit, Dringlichkeit findet sich am ehesten im Protestplakat von Barbara Kruger oder in einem der zahlreichen Videos.

Auf dem Markt, an der Art, kann sich jede herauspicken was ihr gefällt, was ins Budget passt. Ob am Schluss alles verkauft ist – oder es doch ein bisschen Ausverkauf gibt? Zur Eröffnung geben sich die Galeristen wie immer optimistisch. Und der Abwärtstrend, den die Art-Market-Reports ausweisen? «Glauben Sie die? Wir Galeristen füllen diese Fragebogen doch gar nicht aus, oder wenn, wohl kaum ehrlich.» Das sagt mir ein Galerist und wendet sich dem nächsten Verkaufsgespräch zu.

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