Art Basel

Die Ware Kunst feiert in Basel ihre Hochsaison: Ein Rundgang durch die Messe und die Stadt

Die Auswahl an der 48. Art Basel ist riesig. Doch was kosten eigentlich die Kunstwerke? Wir mischten uns unter die Käufer und verhandelten bei den Preisen mit.

In der Stadt mögen Kleidergeschäfte die ersten Pre-Sales ankündigen, für die Kunst gilt kein Ausverkauf. Sie hat in Basel Hochsaison. Wer durch die zwei Etagen der Messehalle 2 flaniert, mag sich allerdings fragen: Lässt sich so viel Ware in sechs Tagen verkaufen?

291 Galerien buhlen allein an der Art Basel um Käufer, dazu kommen noch die Nebenmessen: Liste, Volta, Scope, Design Miami…. Was sie verkaufen und für wie viel: Wir werden es Ende Woche nicht erfahren. Das Kunstmarkt-Geheimnis lässt sich nicht so leicht knacken wie das Bankgeheimnis.

Staunen und kaufen

Kunst einzukaufen ist sowieso nicht der einzige Grund, die Art zu besuchen. Dabei sein, schauen was in ist, wie sich die Preise entwickeln, neue Künstlerinnen entdecken, das lohnt sich. Staunen über die Menge und Vielfalt ist inbegriffen. Die erwartungsvolle Einkaufs-Stimmung beim Champagne Breakfast mit den First Choice VIPs gestern im Rundhof ist irgendwie ansteckend: Schliesslich gibts hier Kunst auch fürs normale Budget.

Bei der Londoner In-Galerie Frith Street entdecke ich schwarze Kohle-Wolkenbilder von Tacita Dean, hübsch ja, aber sie haben nicht die Kraft des riesigen Gemäldes das mich in der Art Unlimited so gepackt hat. «Sorry, das ist verkauft», ernüchtert mich die Galerienhelferin. «Für wieviel?» – «About 750 000 Dollar.»

Dass ich beim Baumobjekt von Ai Weiwei, das am Art Parcour für Aufsehen sorgt, nicht fragen sollte, weiss ich bei Neugerriemschneider im Voraus. «Sind Sie von der Presse? Wir wollen unsere Preise nicht in den Medien lesen.» Andernorts erfahre ich, dass kleinere Ausgaben von diesen in Metall gegossenen Stämmen und Wurzeln ab 300 000 Dollar kosten, das grosse Werk einige Millionen.

Der eiserne Baum von AI Weiwei

  

Weitere Millionen-Werke finden sich an der Art Unlimited, auf dem Art Parcours - und im Erdgeschoss der Messe. Noch sind Klassiker wie Picasso, Calder, Rothko, Basquiat, Twombly oder Warhol zu haben – allerdings oft nicht mehr Spitzenwerke. Ich gehe lieber wieder zur Gegenwartskunst.

Analog und digital

Ein Liebling des Marktes ist Anish Kapoor, der Brite mit seinen gefälligen und doch eindringlichen monochromen Schalen ist gleich bei mehreren Galerien vorrätig. Das sattblaue Wandstück bei Lisson, London ist schon verkauft, man bietet mir ein rotes oder rotschwarzes an (700 000 Dollar). Oder gefällt mir das sonnenblumgelbe bei Kamel/Mennour, Paris doch besser? Dort steht auch der Baumstamm, aus dem Alicja Kwade wie eine bildhauerische Archäologin ein Stühlchen freigehauen hat. 72 000 Euro will der Galerist dafür, der enthusiastisch über die in Berlin lebende Polin erzählt.

Künstlerische Trends lassen sich aber auch an der Art Basel erspüren – und mit den Galeristen diskutieren. Sie reden nämlich lieber über Kunst als Geld. Beispielsweise über den Trend Analoges und Digitales zu mixen. Parker Ito etwa verarbeitet digitale Vorlagen, verpixelte Bilder, Malerei und Druck zu flirrend-schönen Bildern (22 000 bis 50 000 Dollar, bei Team, New York).

Noch analog, aber medial zwischen Schrift und Bild, Druck und Malerei oszillierte das Werk des Schweizers Remy Zaugg. Mai 36, Zürich, hat ein seltenes, mehrfach bearbeitetes Grossformat (120 000 Franken). Angemessen, aber teuer. Was gibts günstiger? Ein glänzender Ballon von Jeppe Hein (19 000 Euro, König, Berlin) oder eine so geometrisch-präzis wie poetische Zeichnung des 90-jährigen und doch praktisch unbekannten DDR-Künstlers Karl-Heinz Alder (12 000 Euro, Eigen + Art).

Markt und Aufgabe

Bei einem Kaffee im Rundhof sinniere ich über den Unterschied zwischen den aktuellen Grossausstellungen wie Biennale, Documenta, Skulptur-Projekte und der Art Basel. Dort das inszenierte Engagement der Künstler, politisches Bewusstsein, grosse Ernsthaftigkeit – und hier der Markt, der sich in Format und Medien privaten Dimensionen anpasst.

Die Art Unlimited, die den Grossausstellungen in punkto Ausmass Paroli bieten kann, wirkt als Ganzes flau. Zu zufällig reihen sich hier die von Galerien angebotenen Werke aneinander. Die blaue aufblasbare Skulptur von Otto Piene: banal. Der begehbare Pavillon aus Fenstern von Song Dong oder der unendlich kreisende High-Tech-Zeppelin von Chris Burden: machen Spass, aber nicht mehr. Ernsthaftigkeit, Dringlichkeit findet sich am ehesten im Protestplakat von Barbara Kruger oder in einem der zahlreichen Videos.

Auf dem Markt, an der Art, kann sich jede herauspicken was ihr gefällt, was ins Budget passt. Ob am Schluss alles verkauft ist – oder es doch ein bisschen Ausverkauf gibt? Zur Eröffnung geben sich die Galeristen wie immer optimistisch. Und der Abwärtstrend, den die Art-Market-Reports ausweisen? «Glauben Sie die? Wir Galeristen füllen diese Fragebogen doch gar nicht aus, oder wenn, wohl kaum ehrlich.» Das sagt mir ein Galerist und wendet sich dem nächsten Verkaufsgespräch zu.

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