Comic

Die Superhelden-Erfinder

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Wir alle lieben die Geschichten der Superhelden. Die Geschichte des Verlags DC ist auch die Geschichte der Comics von Superman & Co.

Über Comic-Heftli schreibt man selten im Feuilleton. Aber über ihre Geschichte oder über Figuren wie Superman, Batman oder Wonder Woman. Sie sind die mythologischen Figuren unserer Zeit. Über ihre Geschichte liegt nun ein Prachtbrocken von einem Buch vor. Der Titel «75 Years of DC Comics» ist pures Understatement.

Natürlich ist es nur die Geschichte eines einzigen Konzerns. Aber eben jener Firma, die Titel wie «Superman» herausgebracht, ihn gross gemacht hat und durch ihn zu verlegerischer Kraft kam.

Der Comiczeichner und langjährige DC-Manager Paul Levitz erzählt detailliert und mit viel Sachkenntnis, wie in den wirtschaftlich düsteren, aber für die Unterhaltungs-Medien goldenen 30ern aus einzelnen Streifen in den Zeitungen die 10-Cent-Hefte wurden.

M.C.Gaines ist der Vater

Als Erfinder gilt Max M.C. Gaines mit seinen «Famous Funnies» 1933. Sein Erfolg stachelte andere an, so Major Malcolm Wheeler-Nicholson. Der Kavallerieoffizier schrieb zuerst Groschenromane, gründete dann einen Verlag und brachte 1935 «New Fun: The Big Comic Magazine» heraus. Mit Erfolg und einer Auflage von 120000 Exemplaren. 1937 erschienen die «Detective Comics» und 1938 dann – unter neuer Verlagsleitung – der Erfolg, der bis in die Gegenwart reicht: «Superman».

Eigentlich wollte ihn keiner

Paradox ist, dass die beiden Erfinder der Figur, Jerry Siegel und Joe Shuster, zuvor nur Absagen bekommen hatten. Und auch bei DC kam der fremdartige Typ mit den übernatürlichen Kräften nur zum Zug, weil es im ersten Heft des «Action Comics» eine Lücke zu füllen galt. Eine grosse Lücke.

Also wurden die 13 Seiten, eine für die damalige Zeit lange Geschichte, eingekauft und kam gar aufs Cover. Wir sehen Superman in seiner bis heue unverändert gebliebenen blauen Uniform mit rotem Cape, wie er mit seinen übermenschlichen Kräften ein grünes Auto hochhebt, um Menschen zu retten.

«Der Erfolg hat bekanntlich immer viele Väter», schreibt Levitz, die Geschichtsschreibung lasse uns im Stich darüber, wer den genialen Deal getätigt habe. Das erste Heft des «Action Comics» war schnell ausverkauft, bald gab es Superman als Zeitungsstrip und als erstes Heftli, das nur einer Figur gewidmet war. Es folgen Radio-Features, Filme, Bücher und natürlich immer neue Hefte.

Superman bleibt sich treu

Erstaunlich ist, dass sich Bild und Wesen von Superman kaum änderten. Vom ersten Cover 1938 bis heute wurde der Körper etwas gestrafft, das Gesicht leicht kantiger, die Frisur leicht angepasst: Aber der Supertyp musste so bleiben, wie er war – von den goldenen Zeiten der 30er-Jahre durch die finsteren Comics-Krisen der 80er- und 90er-Jahre bis ins digitale Zeitalter. Geändert hat sich vor allem Supermanns Umgebung: die Autos, die Kleider der Menschen, die Architektur der Städte.

Und natürlich rief Supermans Erfolg nach mehr: Nach dem düsteren Batman und der starken Wonder Woman, sodass jeder seine Identifikationsfigur bekam.

Superman erhält Gesellschaft

Selbst «All Star»-Hefte erschienen quer über Verlagsgrenzen hinweg. Der Hunger der Leser schien unstillbar. Und seit 1998 boomen Comics wieder – auch dank den Computergames.

Superman hat in den letzten Jahren viele neue Gspänli erhalten, oft weibliche Actionheldinnen. Da aber die wenigsten beim Verlag DC beheimatet sind, sucht man sie im Buch von Levitz (fast) vergeblich. Das – wie die zu starke Innensicht des Autors – mag die Freude an seinem Buch etwas schmälern. Aber es ist eine wahre Wundertüte: Aufklappbare Zeittafeln, Anekdoten, Erklärungen, und vor allem der überaus reiche Bildteil ergeben eine Mischung von Archiv und Schmökerschunken.

Paul Levitz 75 Years of DC Comics: The Art of Modern Mythmaking. Englische Ausgabe mit deutschem Textheft. Taschen-Verlag, 2010. 720 S., Fr. 226.–.

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