Wolfgang Wagmann

Eines steht für Dino Arici fest: «Die Billettpreise können wir nicht erhöhen in diesen Zeiten.» 7 Prozent weniger Tickets seien bisher abgesetzt worden, «doch das können wir noch aufholen», bleibt der Opern-Organisator optimistisch. Was fehlt, sind rund 150 Tickets einer Gruppe aus Liverpool - wegen des Pfund-Verfalls wären die Kartenpreise für die Briten um 35 Prozent angestiegen. Das Gesamtbudget von 2 Mio. entlasten jedoch die Bus- und Lastwagentransporte. «Wir nehmen bulgarische statt Schweizer Unternehmen», kommentiert Arici den Einsatz von drei Reisecars und einem LKW, der Orchester und Chor wie Solisten des Opernhauses Russe (bulgarische Staatsoper) nach Solothurn bringt.

Defizitgarantie erhöht

Ein anderes Thema sind die Sponsoren. Nachdem letztes Jahr Siemens mit immerhin rund 5 Prozent Abdeckung des Gesamtetats ausgestiegen ist, gilt der Sponsorensuche erste Priorität, obwohl dies sehr schwierig geworden ist. «Alle Firmen rechnen spitz», weiss Dino Arici. Immerhin seien etliche Künstler bei den Gagen für 2010 «sehr vorsichtig» geblieben. Denn eines steht fest: Auch nächstes Jahr solls Opern auf der St.-Ursen-Bastion und in der Reithalle geben, entsprechende Verträge sind bereits vorhanden. Dennoch ist Arici jedoch «sehr dankbar, dass Stadt und Kanton ihre Defizitgarantie erhöht haben». Denn die Infrastrukturkosten seien zumindest gleich hoch wie im Vorjahr, weiss der gewiefte Organisator.

Kein «Bettenfüller-Anlass»

Qualität ist für Dino Arici ein Must, «und angesichts der auftretenden Künstler sind die gleich gebliebenen Billettpreise günstig.» Immerhin trete unter den Dirigenten Giorgio Croci - er reist für mehrstündige Proben jeweils nach Russe - und Nayden Todorov ein 60-köpfiges Orchester und ein gleichstarker Chor auf. «Und diesmal haben wir sogar noch drei professionelle Ballettpaare dabei», verrät Arici. Denn trotz der Krise werde an der Kultur in Bulgarien nicht gespart - so sei in Russe bisher kein einziger Künstler entlassen worden. Eingerechnet die Solistinnen und Solisten, darunter Namen wie Noëmi Nadelmann, Mario Malagnini, Eva Mei, Boiko Zvetanov, Juan José Lopera oder Michèle Crider, fühlt sich Dino Arici keineswegs in jener Kategorie «Bettenfüller-Anlässe», wie sie vor allem Alpenkurorte im Sommer mit einigen wenigen Instrumentalisten und zwei, drei Sängern durchführen. Nur ganz nebenbei: In Solothurn wird es Anfang Juli mit Hotelzimmern ebenfalls eng, auch wenn sich die Situation dank dem «Ramada»-Seminarhotel «deutlich entspannt» habe.Kontakte zu China und Dubai

Immerhin gibt es auch für Dino Arici immer wieder «Aha-Erlebnisse der besonderen Art»: So sei das Opernhaus Russe dank dem Engagement in Solothurn zu einer Einladung nach Dubai gekommen. Kontakte bestehen für Arici aber auch nach Peking, von wo aus ihn kürzlich das Schreiben eines gewissen Kequing Liu, Direktor of Beijing Laiyin arts sunny center, erreichte. Zur Erinnerung: Der Herr aus dem Reich der aufgehenden Sonne sang 1991 beim ersten Classic Openair auf der Solothurner Bastion.

Noch klingendere Namen wie Netrebko und Villazon gehen Dino Arici über die Lippen: «Aber dann müssten wir 500 Franken für das Ticket haben», lässt er Operträume verwehen. Und spätestens dann würden wohl die letztes Jahr so erfolgreichen Vergünstigungen für Studenten, Schüler und Lehrlinge auf 50 Franken pro Platz, die auch dieses Jahr bei einem gültigen Ausweis wieder zu haben sind, definitiv kein Thema mehr sein.

www.classic-openair.ch