Kommt die Welt nach Basel, um mit Kunst und Design zu handeln, will die offizielle Schweiz nicht abseitsstehen. Das Bundesamt für Kultur (BAK) promotet deshalb in der Halle 4 seine Talente mit Preisen - und hofft, die internationalen Scouts und Sammler werden anbeissen.

An der Vernissage am Montagabend war die Schweiz unter Führung von Kulturminister Alain Berset noch unter sich - die internationale Kunstschickeria tummelte sich an der Preview der Art Unlimited oder der Liste.

Der Bund hat viel Aufwand betrieben, um seinen Preisträgerinnen und Preisträgern «Visibilität» zu verleihen, wie es im BAK-Jargon so schön heisst. Man hat die beiden Hallen durch Fachleute gestalten lassen. Die Designer dürfen ihre Mode, Grafik-Arbeiten, Fotografien und Gebrauchsgegenstände auf designten Dreiecksständern präsentieren - und für die bildende Kunst wurde eine Landschaft aus Kojen geschaffen.

Weniger Kunstpreise

Mehr Visibilität auf die einzelnen Preisträger erhofft sich das BAK auch durch die Reduktion der Anzahl Preise in der bildenden Kunst von zwanzig auf zehn. Allerdings, so gibt man bekannt: Es waren auch Spargründe.

Im Design werden weiterhin zwanzig Preise vergeben. Die Ausgezeichneten können zudem wählen, ob sie die 25 000 Franken lieber in cash, in Form eines Atelier-Aufenthaltes in New York oder als berufliche Weiterbildung wünschen.

Welche (internationale) Wirkung die aufwendigen Präsentationen entfalten, darüber kann man nur spekulieren. Also fragen wir lieber: Können sich die Schweizer neben der Art Basel und der Design Miami behaupten?

Bedingt. Im Design sind es junge Talente, Newcomer. Die Produktegestalter schmeissen noch nicht die grossen Themen: Nicht die teuren Gross-Möbel, sondern Besteck, nicht Autos, sondern ein Redesign einer Trinkflasche sind angesagt. Auch in der Mode sind meist die ersten Kollektionen zu sehen. Für einen vergleichenden Massstab sorgt das BAK gleich selber mit drei Grands Prix Design für das Lebenswerk. Sie gehen an den Textildesigner Erich Biehle, den Industriedesigner Alfredo Häberli und den Typographen Wolfgang Weingart.

Die Produkte der Jungen wirken durchaus fantasie- und lustvoll. Das gilt für die Kleider aus Woll-Pompons und Netzen der Zürcherin Flaka Jahai (*1983) wie für die künstlerisch beprinteten Männerhemden von Julian Zigerli (Berlin und Zürich, *1984). Auch wenn die Jury eher die bodenständigen Entwürfe denn die futuristischen Mode-Ideen mit Preisen honoriert. So oder so staunt man über die handwerkliche Sorgfalt, das technische Know-how. Am eklatantesten in der Grafik. Aber das ist wohl typisch schweizerisch.

Gescheit, aber bedingt sinnlich

Typisch Schweizerisches sucht man in der Kunstabteilung dagegen vergeblich. Die heutigen Künstler sind urbane Nomaden und Pendler zwischen der digitalen und der realen Welt. Exemplarisch dafür ist die Arbeit der Mediengruppe Bitnik. Sie schickte ein Paket auf dem guten alten Postweg an Wikileaks-Gründer Julia Assange in seinem Asyl und machte den Weg im Internet verfolgbar. Das ist interessant, aber wenig sinnlich.

Visuell ansprechender ist das aus zig kleinen Fotos zusammengesetzte Grossbild des bereits arrivierten Fotografen Jules Spinatsch (*1964) zur Nukleartechnik. Mit einfachsten, archaischen Zeichen konfrontiert Emilie Ding (*1981) die Besucherin und Claudia Comte (*1983) greift zur martialischen Kettensäge, um konstruktive Kunst mit ironischem Unterton zu schaffen.

En vogue sind formale oder inhaltliche Verweise auf Kunst und Kultur. Oder aber private Forschungen, deren Resultate wohl weder die Künstler noch die Gesellschaft wirklich weiterbringen werden. Und bei einigen Preisträgern ist zudem arg wenig zu sehen. Bei Emanuel Rosetti (*1987) klingelt es nur laut aus seltsam gebastelten Konsolen.

Konzeptkunst halt. Da fanden wir das Konzept des nicht preisgekrönten Marc Lee sympathischer: Auf einem Tisch hat er Zehnernoten ausgelegt. Man dürfe eine mitnehmen heisst es, «wenn Sie versprechen, diese heute einer Person zu schenken, die Sie nicht kennen.»

Ist das die Idee, um das Image der Schweiz und der Schweizer Kunst aufzupolieren?