Philipp Muntwiler

Wir haben nach der Premiere letztes Jahr sehr viele positive Reaktionen erhalten», sagt Stephan Goerner, der gemeinsam mit Fabian Müller für die künstlerische Leitung der «Lenzburgiade» verantwortlich ist. «Einige Besucher haben gar Ideen geliefert und Verbesserungen angeregt, die wir dieses Jahr bereits teilweise umsetzen konnten.»

Das internationale Musikfestival «Lenzburgiade» bietet dem Besucher eine einzigartige Mischung aus klassischer Musik und Volksmusik. Goerner spricht dabei lieber von traditioneller Musik oder dem englischen Begriff «Folk» als von Volksmusik. Die Volksmusik sei in der Vergangenheit in Klassik-Kreisen oftmals belächelt worden, sagt Goerner, während umgekehrt die klassische Musik oft den Status «elitär» erhielt.

«Dem wollen wir entgegenwirken.» Mit dem Programm sollen Besucher angesprochen werden, die bisher nur in einer der beiden Musiksprachen Zuhause waren. «Wir möchten die Klassik-Liebhaber dazu bringen, einmal traditionelle Musik zu hören. Und umgekehrt dem Volksmusik-Fan die Klassik näherbringen.»

Stars der klassischen Musik treffen am selben Abend, im Rahmen desselben Konzertes auf dem Schloss, auf herausragende Volksmusikgruppen aus aller Welt. Die Reaktionen letztes Jahr hätten laut Goerner bestätigt, dass sie mit dem Konzept des Festivals auf dem richtigen Weg seien. Denn heutige Musikliebhaber seien offen und interessierten sich für vieles.

Klassische und traditionelle Musik haben vieles gemein

Die Volksmusik hat die Klassik massgeblich beeinflusst. «Brahms, Schubert, Haydn und Mozart sind ohne Volksmusik nicht denkbar. Sie haben sich von ihr inspirieren lassen», sagt Goerner. «Das möchten wir aufzeigen.»

Der Vorschlag, die traditionelle Musik in das neue Festival zu integrieren, stammte von Rudolf Dellenbach, dem Direktionspräsidenten der Aargauischen Kantonalbank. Goerner und Dellenbach waren bereits Partner bei der «Kyburgiade», einem internationalen Kammermusik-Festival auf Schloss Kyburg bei Winterthur.

Die Stiftung Schloss Lenzburg und die Aargauische Kantonalbank mit Dellenbach an ihrer Spitze seien daran interessiert gewesen, ein Musikfestival auf der Lenzburg zu organisieren. Und weil Dellenbach bei Goerner das Cello-Spiel gelernt hatte, durfte er gemeinsam mit Fabian Müller die «Lenzburgiade» auf die Beine stellen.

Müller ist zuständig für die Volksmusik, Goerner für die Klassik. «Wir sitzen zusammen und diskutieren die Vorschläge, die wir haben. Danach geht es ans Probehören der Musiker», sagt Goerner. Eine zeitraubende Arbeit, bei der ihnen persönliche Kontakte in die Musikszene hilfreich sind.

Internationale und Schweizer Stars

Eröffnet wird die «Lenzburgiade» mit einem Konzertabend zum 200. Geburtstag von Frédéric Chopin. Der finnische Pianist Henri Sigfridsson spielt das erste Klavierkonzert, bei dem die Faszination Chopins für die Volksmusik unüberhörbar durchscheint. Den zweiten Teil bestreiten das Duo Räss & Gabriel mit Naturjodel und Akkordeon sowie das Trio Marcel Oetiker mit Schwyzerörgeli.

Moderiert werden die Konzerte auf dem Schloss vom Schweizer Kabarettisten Joachim Rittmeyer. Weitere Infos zum Programm unter: www.lenzburgiade.ch

Neuerungen in diesem Jahr

«Wir wollen die Qualität halten», sagt Goerner. Deshalb bleibe es bei der gleichen Zeitspanne über Pfingsten. Trotzdem finden sich einige Neuerungen im Programm: So findet in der Stadtkirche ein Late-Night-Concert mit Barbara Schirmer, Hackbrett, und Christian Zehnder, Gesang, statt. Eine Kombination aus Hackbrettspiel, Jodel und Obertongesang.

Neu ist das Dîner musical entweder im kleinen Rittersaal im Schloss (Freitag, 21. Mai) mit Musik und einem Menü aus der Zeit der österreichischen k.u.k. Monarchie oder im Hotel Lenzburg (Sonntag, 23. Mai) mit einem schottischen Abend.